kurz angerissen*
Die meisten Punkte fährt „The Green Room“ durch die Entscheidung ein, sich trotz Nazi-Thematik gar nicht allzu tief auf politische Reflektion einzulassen, sondern als harter Thriller über Eskalation und Kurzschlusshandlungen zu funktionieren. Mit brutalen Übersteigerungen gängiger Regeln überrascht und desorientiert er sein Publikum immer wieder, schockiert es und fesselt es an die Sackgasse „Green Room“, die einer völlig verlorenen Punkband in einem Nazi-Musikschuppen als letzter Rückzugspunkt dient. Pure Aggression, überschüssiges Adrenalin und manchmal aufblitzende Intelligenz köcheln das Szenario zu einer explosiven Situation auf, die das bestialische Wesen des Menschen ohne Maske zeigt. Die Bezüge zum Horrorfilm kommen nicht von ungefähr; nicht nur beziehen sie sich auf Momente, in denen Blut fließt, sondern auf die Funktionsweise der Spannungsschraube, die im Jahr 2016 vielleicht noch am ehesten derjenigen des Publikumserfolgs „Don't Breathe“ gleicht.
Patrick Stewart ist natürlich ein Besetzungscoup in diesem für ihn eher unbekannten Ambiente und liefert diverse Glanzmomente inmitten des durchweg hochwertigen Casts, aus dem ansonsten noch Macon Blair („Blue Ruin“) mit einer nuancierten Leistung heraussticht, während Anton Yelchin in einer der letzten Rollen seines Lebens mit radikalen Wechseln zwischen Unsicherheit und Anführerschaft stellvertretend ist für die aufwühlende Wirkung dieses Films, der nicht stark nachhallen mag, aber für einen Moment erbarmungslos in die Magengrube schlägt.
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