Vor einigen Jahren begeisterte mich erstmals ein menschengroßer Koala in Minoru Kawasakis absurd-surrealen Geniestreich Koara kachô (Executive Koala, 2005). Wenn das Konzept mit einem Koala schon so blendend funktioniert, dann kann mit Pandas ja eigentlich nichts schiefgehen, oder? In Wastelander Panda spielen nicht ein, nicht zwei, nein, ganze drei übergroße, menschenähnliche Pandas mit, und daß sie ihren Bären in einer postapokalyptischen Endzeitwelt stehen müssen, macht die ganze Sache nur noch spannender. Es geht um den jungen Panda Isaac (Aaron Schuppan/Brendan Cowell), der in der ersten Episode der regulären Serie einen schrecklichen Fehler begeht. Im Eifer des Gefechts tötet er durch seine Unbeherrschtheit ein junges Mädchen, welches versucht hatte, aus der kleinen, unterirdischen Siedlung zu fliehen. Um einer harten Bestrafung zu entgehen und um das brüchige Verhältnis der in friedlicher Koexistenz mit den Menschen lebenden Pandas nicht noch mehr zu gefährden, meldet er sich freiwillig, in die verwüstete Welt hinauszugehen und für adäquaten Ersatz zu sorgen. Keine leichte Aufgabe, ist die Erde doch nach einer verheerenden Katastrophe ein wüstenähnliches Ödland voller Gefahren, in dem das Recht des Stärkeren gilt. Begleitet von seiner Mutter Hannah (Rick Mills/Chrissie Page) und seinem älteren Bruder Arcayus (Marcus McKenzie/Roger Newcombe), die beide nach kurzer Zeit in einem Lager zurückbleiben, macht er sich auf die Suche nach einem passenden Mädchen und begegnet schließlich der jungen Rose (Lily Pearl), deren Vater von Menschenhändlern brutal ermordet wurde.
Wastelander Panda ist eine sechsteilige Webserie, die durch vier alleinstehende Episoden zusätzlich ergänzt wird. Pidax Film hat sich dieser engagierten Produktion dankenswerterweise angenommen und alle Folgen hierzulande auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht. Die reguläre Serie (Wastelander Panda: Exile) setzt sich aus den Geschichten On One's Knees (Auf den Knien), Double Cross (Doppelspiel), The Deal (Der Deal), Pursuit (Verfolgung), A Rose Amongst Thorns (Eine Rose unter Dornen) und Sacrifice (Opfer) zusammen, während ein kurzer Prolog sowie die Zusatzepisoden Isaac & Rose, Arcayus & Rose und Arcayus & Akira weitere bzw. alternative Einblicke in die unwirtliche neue Welt gewähren. So niedlich Pandas vom äußeren Erscheinungsbild her auch sind, die Charakterisierung unserer Protagonisten ist ausgesprochen ambivalent. Besonders Isaac überrascht mit seinen dunklen Seiten, ist er doch egoistisch, impulsiv, aufbrausend und - wenn es darauf ankommt - auch brutal und erbarmungslos. Er ist kein Beschützer, dem man sein Leben blindlings anvertrauen sollte, sondern eher ein Antiheld Mad Max'scher Prägung im Bärenfell, dessen Handeln bisweilen einen zwiespältigen Eindruck hinterläßt. Gespielt werden die Pandas von Männern in Kostümen, wobei das Outfit recht gelungen ist. Im Gegensatz zum total abgefahrenen japanischen Koala-Feature ist Wastelander Panda wesentlich konventioneller gestrickt. Sieht man mal von den Protagonisten ab, so ist die Webserie ein recht gewöhnliches Endzeit-Abenteuer mit vielen liebgewonnenen Versatzstücken, die man in Produktionen dieser Art erwartet.
Auf schräge Vehikel und spektakuläre Action muß man hier jedoch leider verzichten, das war im schmalen Budget wohl einfach nicht drin. Ansonsten bekommt man das volle Programm geboten. Skrupellose Banden, hinterlistige Gastgeber mit Hang zum Kannibalismus, brutale Kämpfe auf Leben und Tod, mutierte Pflanzen mit giftigen Tentakeln und endlose, staubig-trockene Landschaften mit karger Vegetation. Zugegeben, das alles ist weder besonders originell noch übermäßig aufregend, aber Genrefans werden gut bedient, zumal der düstere Look ebenso gefällt wie die dichte Endzeitstimmung. Die kurzen aber harten Kämpfe sind akzeptabel choreographiert und - dank Isaacs Fertigkeiten mit dem Messer - nicht ohne vergossenes Blut. Trotz der skurrilen Idee, humanoide, zwei Meter große Pandas zu den Protagonisten einer Endzeitsaga zu machen, ist der Ton bei Wastelander Panda überaus grimmig und humorlos. Die ganze Chose wird ohne ironisches Augenzwinkern durchgezogen, ist also überhaupt nicht komödiantisch angelegt. Ob man mit den tierischen (Anti-)Helden warm wird, hängt wohl von jedem selbst ab. Nach dem zwar nicht sonderlich spektakulären aber immerhin recht befriedigenden Showdown am Ende habe ich zumindest Isaac ein klein wenig ins Herz geschlossen. Ins Leben gerufen wurde diese kurzweilige Webserie mit surrealem Touch von den australischen Filmstudenten Marcus McKenzie und Victoria Cocks, die ihr Projekt mit Fördergeldern und Fanunterstützung im Süden Australiens umsetzten. Hier sieht man schön, daß eine gute, aus dem Rahmen fallende Idee schon die halbe Miete ist. Denn ohne die ungewöhnlichen Protagonisten wäre Wastelander Panda wohl in der Masse untergegangen, ohne daß es jemand groß bemerkt hätte.