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Das Ehepaar Thompson feiert seinen Hochzeitstag: Für ein stilvolles Dinner in einem noblen Restaurant sind schon Plätze reserviert, nur für die drei minderjährigen Kinder fehlt noch eine abendliche Betreuung, da der Babysitter ausgefallen ist. Da trifft es sich gut, daß sich auf Empfehlung von Bekannten schnell ein Ersatz auftreiben ließ: Papa holt den Twen mit dem Auto ab, und nach ein paar kurzen Erläuterungen ist Anna (Sarah Bolger) dann allein mit Sally, Christopher und Jacob. Zunächst scheint alles gut zu laufen, die zierliche Aushilfe regt Verkleidungsspiele an, doch dann fordert sie die Kinder mehr oder weniger direkt dazu auf, erlernte Grenzen zu überschreiten und Dinge zu tun, die ihnen von den Eltern eigentlich verboten sind. Während sie die neugierigen und leicht irritierten Kinder beschäftigt, sieht sie sich ungeniert im Haus um und durchwühlt Schubladen und Schränke. Als sie Sallys Hamster an die Schlange im Terrarium verfüttert, merken die Kinder langsam, daß mit dem Babysitter etwas nicht stimmt. Während sich Anna mit dem weiterhin vertrauensseligen 5jährigen Christopher beschäftigt, nutzt der etwa 11jährige Jacob die Gelegenheit, in ihre Handtasche zu schauen - tatsächlich heißt Anna gar nicht Anna, sondern Emelie! Wer ist diese Person und was hat sie vor?

Statt quängelnder Kinder, die dem Babysitter den letzten Nerv rauben, vertauscht Regisseur Michael Thelin bei seinem Spielfilmdebut die Rollen: Ein harmlos wirkendes, freundliches junges Mädchen, dem die in guten Verhältnissen lebenden Eltern gerne ihre Kinder anvertrauen, erweist sich als unberechenbares Biest, das offenbar einen ausgeklügelten, perfiden Plan verfolgt. Tatsächlich gelingt es (der titelgebenden) Emelie auch eine gute halbe Stunde lang, durch ihr merkwürdiges Verhalten eine unangenehme Atmosphäre heraufzubeschwören, nach knapp 45 Minuten aber ist das vage umrissene (und bis zum Schluß nicht mehr weiter vertiefte, schon gar nicht erklärte) Motiv ihres Handelns gefunden, und ab da zieht der Film nur noch das von anderen Streifen bekannte Home-Invasion-Instrumentarium durch und endet vorhersehbar. Zu allem Überfluß hält es das Drehbuch dabei  auch noch für einen tollen Einfall, seinen Ideenmangel dadurch zu kaschieren, daß man dem Film wortwörtlich das Licht abdreht: die letzte Viertelstunde im Haus spielt sich weitgehend in unergründlicher Finsternis ab - was für ein Müll!

Auch nachdem sich die eigentliche Intention des Babysitters abgezeichnet hat, stapeln sich die Logiklöcher: Anna/Emelie spielt die Kinder (mit mäßigem Erfolg) gegeneinander aus, verstört sie durch Abspielen eines elterlichen Sex-Tapes und wendet sich dann nur noch einem zu, dem sie mit ruhiger Stimme etwas vorliest - diese offenbar vertrauensbildende(?) Maßnahme konterkariert sie jedoch gleich wieder, indem sie alle drei zum Trinken eines ekelhaften Safts verdonnert - wtf?
Auch unternehmen die Kinder zu keiner Zeit den Versuch, von außen Hilfe zu erhalten oder wenigstens per Telefon (welches die ganze Zeit eingeschaltet war, wie Mamas später Anruf beweist) jemanden zu erreichen. Der Hammer jedoch kommt zum Schluß: Tatsächlich hat Emelie (die diesen Abend sehr sorgfältig vorbereitet hat, obwohl sie ihr Ziel wesentlich einfacher hätte erreichen können) einen Komplizen draußen, einen Mann  (über den man auch am Ende nichts erfährt) in einem Auto. Der beobachtet die Eltern im Restaurant, und als diese dann irgendwann spät die Heimfahrt in einem Taxi antreten, soll er sie auf Bitten Emelies noch etwas aufhalten - und was macht der Typ? Er rammt sie frontal und stirbt dabei selbst! Ja, das hat sich wirklich gelohnt...

Was sich jedoch nicht lohnt, ist diese Anhäufung von Logiklöchern mitzuverfolgen. Das unausgegorene Konzept, mit ein paar wenigen interessanten Ideen zu Beginn in einer zunehmend verflachenden 08/15-Home-Invasion-Story zu punkten, reicht eben bei weitem nicht aus: Emelie ist einfach ärgerliche Zeitverschwendung. 2 Punkte.

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