Eine Gruppe junger Nachwuchs-Journalisten möchte eine TV-Reihe über Kannibalismus in der Gegenwart drehen. Zu diesem Zweck sind Jenny, Ethan und Ryan mit Equipment in die Ukraine gereist, wo sie sich, von der jungen Dolmetscherin Katarina begleitet, alsbald auf Spurensuche begeben. Das erweist sich in Kiew als gar nicht so einfach, bis der ältere Valeriy auf der Bildfläche erscheint und sich - gegen ein paar nette Dollar-Scheinchen versteht sich - bereiterklärt, Kontakt zu einem Wissenden herzustellen. Dazu kutschiert er die junge Truppe in abgelegene ländliche Gefilde, wo eine Schlüsselübergabe erfolgt - Schlüssel zu einem tief im Wald gelegenen Haus, wo ein Interview mit einem Menschenfresser stattfinden soll. Bedingung ist jedoch die Mitnahme der als Medium und Hexe örtlich bekannten Inna, und so warten bald schon 6 Leute auf den Interview-Gast. Als der jedoch nicht erscheint, muß man sich auf eine ungeplante Übernachtung vor Ort einstellen. Nach dem Installieren diverser Kameras vertreibt man sich die Zeit mit Vodka und einem Ouija-Brett, das praktischerweise in die Tischplatte des Esstisches eingeritzt ist. Doch am nächsten Morgen ist der trinkfreudige Valeriy mitsamt seinem Transporter verschwunden und die jungen Leute sitzen fest. Schlimmer noch: Das Medium Inna verkündet in jedesmal mühsam zu übersetzenden erregten Worten, daß man das Haus auf keinen Fall verlassen soll und der am Vorabend angerufene Geist etwas von den jungen Leuten verlange...
Die tschechisch-ukrainische Produktion Ghoul - Die Legende vom Leichenesser beginnt also wie so viele Vertreter des Found-Footage-Genres mit einem neugierigen Team junger Leute, die ihre Spurensuche und ihren Aufenthalt akribisch abfilmen. Merkwürdige Umstände zwingen sie dann dazu, das Material auch gleich zu sichten, um beispielsweise Aufklärung darüber zu erlangen, was nachts passiert ist, als sie schliefen. Doch was sie da sehen, können sie sich zum Teil nicht erklären, und da Hilfe von außen (Handy-Empfang in einem fremden Land) nicht zu erwarten ist, macht sich eine immer größer werdende Hektik und Unruhe breit. In der kommenden Nacht fällt dann auch mehrfach das Licht aus, und der immer wieder angeworfene Generator in einem benachbarten Schuppen scheint ganz bewußt zeitweise abgedreht worden zu sein, was die Mädels ängstlich und die Herren ärgerlich und fast übermütig werden läßt...
Eine gute Stunde lang gelingt es Regisseur Petr Jákl, mit den bekannten Bordmitteln eine durchaus beklemmende Szenerie aufzuziehen, bei der man die Handlungsweisen der Beteiligten einigermaßen nachvollziehen kann. Zwar tauchen ab und zu auch die obligatorischen Jump-Scares auf (wie beispielweise ein einsames Paar Stiefel gleich neben der Bodenklappe des verstaubten Dachbodens) und auch die Symbolik mit einer herumstreunenden schwarzen Katze ist nicht wirklich etwas Neues, auch nicht, daß diese plötzlich blutig aufgeschlitzt auf dem Sofa herumliegt. Während es nicht an Streitigkeiten untereinander mangelt (Nimmst Du das auf? Lösch das wieder! Tu doch mal die Kamera weg!) scheint der unsichtbare Geist, der auch biographische Anleihen an den realen russischen Massenmörder Tschikatilo nimmt, ein Interesse an Schnitzeljagden zu haben, wie ein Handyvideo (das dessen Besitzer gar nicht selbst gemacht haben will) von einem kleinen Köfferchen am Dachboden beweist: Dieses Köfferchen müssen die wackeren Kannibalen-Interessenten nämlich dann im benachbarten Schuppen gleich wieder ausbuddeln...
Knapp eine Stunde lang hält der unterhaltsam-gruselige Budenzauber vor (inklusive videobildlich dokumentiertem nächtlichen Bespringens durch den unsichtbaren Geist) und Ghoul somit im soliden 6-Punkte-Bereich, dann aber verlagert sich das Geschehen komplett nach draußen in den finsteren Wald, und vorbei ist es erstens mit logischem Verhalten und zweitens mit einer stringenten Bildführung: Der sattsam bekannte Fehler soundsovieler Found-Footage-Streifen, mit permanentem Kameragewackel vermeintlich Spannung zu erzeugen, nimmt zunehmend Überhand und der bislang gute Eindruck ist dahin. Ein vorhersehbares Ende samt ebenso kurzer wie hanebüchener Begründung für das Handeln des Geistes beenden dann eine Grusel-Geschichte, die nach gutem Beginn in den letzten 20 - 25 Filmminuten schlicht abstürzt. Schade, da wäre mehr drin gewesen. 4 Punkte.