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"Du siehst nicht wie nen Killer aus."

Im Jahre 1877 in New-Mexico nimmt sich John Tunstall (Terence Stamp) einigen Herumtreibern an und lässt sie auf seiner Farm arbeiten. Der hinzukommende Billy (Emilio Estevez) fügt sich schnell in die Gruppe um Dick Brewer (Charlie Sheen), Doc Scurlock (Kiefer Sutherland), Chavez (Lou Diamond Phillips), Charlie Bowdre (Casey Siemaszko) und Dirty Steve Stevens (Dermot Mulroney) ein.
Für den konkurrierenden Farmer Lawrence G. Murphy (Jack Palance) ist Tunstall's Plantage ein Dorn im Auge. Gutes Zureden lässt Tunstall die Farm nicht aufgeben und auch dem politischen Druck widersteht dieser. Somit lässt Murphy ihn von seinen Cowboys hinterhältig ermorden. Billy und seine neuen Freunde hegen Rachegedanken. Von der lokalen Behörde werden sie zwar zu Hilfssheriffs ernannt, um Murphy's Bande festzunehmen, Billy will aber Gleiches mit Gleichem vergelten.

"Young Guns" versucht dem totgetretenen Western neue Aspekte abzugewinnen. So gibt es unter den Protagonisten keine wettergegerbten Cowboys. Stattdessen glattrasierte junge Rebellen, die sich letztendlich aber doch durch eine allzu bekannte Handlung schlängeln.

Gänzlich unkonventionell ist das Intro. In der Machart eines experimentierfreudigen Musikvideos startet der Western sehr poppig. Dies mag so rein garnicht zu der verstaubten Kulisse des Films passen. Im weiteren Verlauf finden sich zwar auch passendere Melodien, die ab und an eingängigen, poppigen Melodien beschneiden die Western-Atmosphäre aber tatsächlich ein wenig.

Die Handlung erweist sich trotz überraschender Trennung handlungsrelevanter Figuren als überaus konventionell. Rache aus Mord, Gut gegen Böse und das obligatorische fulminante Finale finden sich genauso, wie die üblichen Figurenkonstellationen.
Ein großes Tief erleidet "Young Guns" in der Mitte des Films, denn da tritt die Handlung längere Zeit auf der Stelle. Da keine der grob gezeichneten Figuren eine Sympathiefigur darstellt, fällt die Spannungskurve auf ein unangenehmes Mittel.

Erst zum Schluss findet der moderne Western zurück zu seinen Stärken. Die Actionszenen sehen allesamt gut aus, wenn auch nicht außergewöhnlich einfallsreich. Das herrlich ästhetische Finale dagegen bietet intensive Spannung und eine ordentliche Wucht. Schusswechsel erfolgen flott und haben nicht selten ein blutiges Ende. Und wer zum Schluss noch steht ist zunächst nicht eindeutig ersichtlich.

Die Jundarsteller Emilio Estevez ("Bobby", "Mission: Impossible"), Charlie Sheen ("Machete Kills", "Being John Malkovich"), Kiefer Sutherland ("24"), Casey Siemaszko, Dermot Mulroney und Lou Diamond Phillips ("Mut zur Wahrheit") geben eine passable Leistung ab. Estevez neigt etwas zur Übertreibung und manch anderer erhält zu wenig Präsenz. Die Darsteller der Gegenseite bleiben leider kaum hängen.

"Young Guns" macht aus der Legende Billy the Kid einen ansprechenden Western ohne Neues zu bieten. Die Gefechte haben Wucht, neigen aber auch zur Übertreibung. Die musikalische Begleitung trifft nicht immer den richtigen Ton, dafür ist die Ausstattung glaubwürdig. Schwach ausgearbeitete Charaktere und eine konservative Geschichte sind der wesentliche Kritikpunkt, weswegen der moderne Western Jahre später doch ganz schön Staub angesetzt hat. Sehr knappe ...

7 / 10

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