Review

Zerstörerische Black Power

Dokus über berühmte Persönlichkeiten - funktionieren die noch, ganz klassisch & chronologisch erzählt? Bei Biopics ist dies schon lange nicht mehr so einfach. Doch die Netflix-Doku "What Happened, Miss Simone?", über das Leben der Jazzlegende Nina Simone, funktioniert auch ohne große Zeitsprünge oder inszenatorische Kniffe hervorragend. Der Mix aus einer höchst interessanten Frau, ihrer einzigartigen Stimme/Musik & der politisch aufwühlenden Zeit, in der sie ihren Höhepunkt erreichte, fasziniert, begeistert & schockiert gleichermaßen. Man hat schon oft Aufstieg & Fall eines Talents beigewohnt, doch hier hat das wilde Leben eines Beinahe-Superstars einen noch aktuelleren & packenderen Touch. Songs wie "I Love You Porgy", "Don't Let Me Be Missunderstood" oder "Mississippi Goddam" sind ohnehin absolute Klassiker, doch in Verbindung mit den rauen Bildern von raren Live-Auftritten der Wunderpianistin, bleibt keinem die Gänsehaut erspart. Egal ob Jazzfan oder nicht. Ganz klar eine der besten Musikdokus der letzten Jahre, über eine fast vergessene schwarze Perle der Musik. 

Die Doku zieht ihre Energie aus der besonderen Person Nina Simone, die sowohl mit inneren Dämonen kämpfte als auch äußeren Einflüssen unterlag. Eine Kämpferin, die nie wirklich Ruhe fand. Weder auf der Bühne noch privat. Im Kampf gegen sich selbst, Armut in der Kindheit, Rassenhass & einem prügelnden Mann. Und all diese Zerrissenheit, Verletzlichkeit & gleichzeitig Stärke, hört man in ihrer Musik. Eine weiteres aktuelles & starkes Thema ist Ninas Verbindung zur radikalen, schwarzen Bewegung, die ihren Großteil dazu beitrug, dass sowohl ihre Karriere als auch ihr Privatleben aus den Fugen geriet. Und gleichzeitig fand sie aber durch ihre neue radikale Gesinnung zu sich selbst & zu einem Sinn im Leben. Den Kampf für die Rechte von Schwarzen. Das Rassismus-Thema, beiderseits, ist sehr prominent im Film & gerade wenn man sich für Nina freut, dass sie mehr Kontur & Sinn findet, man die Wut der schwarzen amerikanischen Bevölkerung nachvollziehen kann, schlägt die Stimmung in blutgeile Parolen um, die verstören, verärgern & das einzigartige Musikgenie Nina Simone nachhaltig verändern. Danach war sie nie mehr dieselbe, sowohl mit positiven wie mit negativen Auswirkungen. Überzeugend kühl & objektiv bleibt die Doku & lässt jeden selbst die Antwort auf die im Titel gestellte Frage suchen. 

Fazit: eine Legende der schwarzen Musik & Bewegung, im Aufstieg & Fall. Was für ein Leben - mit allen Höhen & Tiefen, Schlägen & Jubel, Songs & Selbsthass. Außergewöhnlich, nur getoppt von ihrer Stimme. 

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