Review

Für die Fortsetzung zu „Queen’s Messenger“ wurden nur ein Jahr später wieder alle Kräfte reaktiviert. Zwar spielt B-Routinier Mark Roper nur noch die zweite Geige und bekam den wesentlich talentierteren und in der Vergangenheit mit Kinoauswertungen („Father Hood“, „Dangerous Ground“) beschäftigten, inzwischen die B-Gefilde mit Zelluloidgrausamkeiten („Sumuru“, „Dracula 3000“) verschandelnden Darrell Roodt vor die Nase gesetzt, ansonsten bleibt jedoch alles beim Alten: Gary Daniels in der Hauptrolle des Captain Anthony Strong und Harry Alan Towers als Produzent – hier dann auch noch unter seinem Pseudonym Peter Welbeck als Drehbuchautor tätig.

„Queen’s Messenger II“ stellt eine Steigerung zum Vorgänger dar, weil er wesentlich professioneller inszeniert worden ist und stellenweise gar nicht mehr an ein B-Movie erinnert. Wenn’s nach mir ginge, hätte man die Reihe auch weiter fortsetzen können, denn Gary Daniels läuft hier vor seiner dreijährigen Pause noch mal zur Hochform auf. Verabschiedet wird sich größtenteils von der B-Action, statt dessen steht hier die Komponente Story im Vordergrund.

Die Parallelen zur James Bond-Reihe werden in der Fortsetzung noch deutlicher. Die Opening Scene stellt wieder das Training einer SAS-Einheit dar. Die wird diesmal im bewaldeten Gebiet von Captain Strong und seinem Zögling Paddy (Gideon Emery) angegriffen, was zu ein paar handfesten Keilereien führt, die die zahlenmäßig überlegene Einheit natürlich haushoch verliert. Die dezent übertreibenden Martial-Arts-Einlagen sind in der Fortsetzung wesentlich besser choreografiert und geschnitten, werden in Folge aber auch eher selten zu sehen sein.

Strongs Abberufung zum Außenminister, dessen Kommentar, dass er sich viel Zeit gelassen habe, die Einführung in die Mission per CNN-Bericht und die Anwesenheit einer schönen Frau sind genauso wie im Vorgänger aufgezogen und lassen den Schluss zu, dass hier ursprünglich wohl tatsächlich eine Reihe geplant war.

Dankenswerterweise wird die Locationmonotonie diesmal durchbrochen, denn es geht nach Südafrika, wohin Strong ein paar wichtige Geheimdokumente überbringen soll. Zudem muss er sich mit der deutschen Freundin des Botschafters herumschlagen. Die wird hier übrigens von einer quietschfidelen Eva Habermann verkörpert, die witzigerweise auch im englischen O-Ton, wenn es stressig wird, auf Deutsch vor sich hinflucht.

Nun hat das Skript vor allem rückblickend mit ein paar Ungereimtheiten (Warum ist Strong nicht stinkig, weil er in den Plan des Ministers nicht eingeweiht wurde? Warum bemerkt Wolf das Fehlen der Reporterin nicht?) und Unglaubwürdigkeiten (Stichwort: Handy-Nummer zurückverfolgen) zu kämpfen, doch dank der unverbrauchten Kulissen und des hier noch weiter voran getriebenen Humors (Die Weiber zicken um die Gunst Strongs und der lässt doch tatsächlich einen „For Queen and Country“ – Spruch vom Stapel), macht „Queen’s Messenger II“ viel Spaß. Auch wenn die etwas einfallslose Story um den Söldner Karl Wolf (Nick Boraine), der den Präsidenten töten will, um eine Diamantenmine in die Finger zu bekommen und ohne ersichtliches Ziel die Habermann kidnappt, streng genommen storytechnisch nicht im Ansatz Innovationen beinhaltet.

So redlich das Bemühen um eine ausgewogene, spannende Story auch ist, die Action kommt in „Queen’s Messenger II“ zu kurz und das kostet ihm letztlich auch eine höhere Wertung. Doch wenn sie vorhanden ist, ist sie weit mehr als Routine und bewegt sich im obersten B-Bereich. Ob eine Blechschadenorgie in der Tiefgarage, das Jagen einer in das Hotel eindringenden Killertruppe oder vor allem die finale Erstürmung des Hauptquartiers von Oberbösewicht Wolf – alle Einlagen sind klasse inszeniert. Vor allem die finale Schlacht auf einem ehemaligen Fabrikgelände mit sich von der Decke abseilenden SAS-Kämpfern, explodierenden und überschlagenden Fahrzeugen, Martial-Arts und flotten Ballereien bietet trotz des Fehlens von übermäßiger Gewalt A-Feeling.

Das langsame Gestalten Anthony Strong zu einer B-Alternative für James Bond nimmt hier noch deutlichere Züge als im Vorgänger an. Gary Daniels erledigt hier alles mit einer betonten Lässigkeit, tritt als Ladykiller mit Understatement auf und strahlt hier und da auch mal Coolness aus. Da zudem bekannte Charaktere wie der Außenminister und sein Butler hier auch wieder auftreten, wird dem Zuschauer das Gefühl vermittelt, einen alten Bekannten auf der heimischen Mattscheibe wiederzusehen. Da zudem Personen wie die als Reporterin fungierende Françoise Yip („Rumble in the Bronx“, „Futuresport“) die selben Funktionen der Figuren im Vorgänger wieder aufnehmen, hätte hieraus sicher eine Franchise entstehen können. Nun es sollte wohl nicht sein.


Fazit:
Aufgrund seiner zu seltenen Actioneinlagen, stellt „Queen’s Messenger II“ nur eine knappe Steigerung zum Original dar, ist damit jedoch das Beste, was Gary Daniels seit der Jahrtausendwende zustande gebracht hat. Dank der sehr professionellen Inszenierung von Darrell Roodt ist der Film visuell wie akustisch ein Vorbild, an dem sich viele der jüngeren B-Produktionen ein Beispiel nehmen können. Gary Daniels wird auch schauspielerisch besser, die Action ist temporeich, spektakulär und schick, die Story stellenweise auch recht spannend und weniger auf Alibicharakter bedacht, der Humor stimmt und mit seinen knapp 82 Minuten ist die Chose auch angenehm linear ausgefallen. Gary-Daniels-Fan? Dann goutieren!

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