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Fuck The Police, mehr denn je

Auf dem Weg zum Kino höre ich wie den ganzen Sommer schon das neue Kendrick Lamar Album, auf dem Rückweg meldet das Radio die neusten polizeilichen Übergriffe auf einen Schwarzen im ach so modernen Amerika & ich schüttel den Kopf... wenn diese zwei Ausschnitte aus meinem Tag eines zeigen, dann das: "Straight Outta Compton" ist nicht nur einer der besten Filme des Jahres, erst recht für HipHop-Heads, er ist auch aktueller denn je & kommt genau zur richtigen Zeit. Nicht nur eine Coolness-Bombe, sondern auch voller Aussagen mit Sprengkraft!

Die Story um die wahrscheinlich wichtigste Rap-Gruppe aller Zeiten - deren Aufstieg, Trennung & unglaublichen Einfluss auf die Welt des HipHops & die Popkultur - ist einfach ein Genuss. Vor allem wenn man sich um deren Einfluss als Vorbilder, Mentoren & Strippenzieher, auch heute noch, bewusst ist. Als der dies nochmal unterstreichende Abspann lief, war ich hellauf begeistert, drückte sofort auf ihr altes Album im iPod & ich hätte den Film glatt nochmal geguckt, trotz epochaler Laufzeit. Langweilig wurde mir nie, anstrengend würde es nie & es hätte ruhig noch weiter gehen können. Und trotzdem wirkt der Film gut abgeschlossen & rund. Das die Musik rockt & noch immer begeistert, in Zeiten wo retro cooler ist denn je erst recht, war schon vorher klar. Das nimmt aber nichts von ihrer mitreißenden Wirkung. Definitiv besser, frischer, härter als der heutige HipHop. Perfekt besetzt sind die Schauspieler, die ihren realen Vorbildern wirklich extrem ähneln. Allen voran natürlich Ice Cube bzw. dessen Sohn, der seinen Vater mehr als nur gut studiert hat. 

Ähnlich erwartet & unumgänglich wichtig sind natürlich die Aussagen zum Hass & der Gewalt gegenüber Schwarzen. Diese System- & Sozialkritik kommt ähnlich ehrlich, direkt & aggressiv rüber wie die Musik, wirkt nie aufgesetzt oder gewollt trendy, & stellt nur einen kleinen Teil der Geschichte dar. Einen kleinen schalen Beigeschmack hinterlässt zwar das dramatische Abrutschen gegen Ende in Eazy-E's Krankheit, aber das erweiterte für mich eher noch die Palette an Styles & Emotionen die das Werk auf den Zuschauer los lässt. Ärgerlicher, aber unvermeidbar, ist da schon eher das sich etwas zu positiv & saubere Darstellen der zwei Producer des Films, Ice Cube & Dr. Dre. Eine neutrale Sicht auf das Ganze wäre wahrscheinlich noch interessanter, abwechslungsreicher & rauer gewesen. Anderseits braucht das Kino natürlich immer auch Helden, eine Idealisierung einer Seite ist nie ganz vermeidbar, sodass der Film dadurch vielleicht nur etwas Pathos & Emotion gegen Realitätsnähe eintauscht. Damit kann ich leben. Der perfekt getroffene Vibe rollt hier einfach unaufhaltsam wie ein fetter Beat. Ein Mix aus epischem Biopic, MTV-Doku & rosaroter Heldenbrille. Aber selbst wenn ich die als Fan abnehme, bleibt ein toller, großer Film & weit mehr als legendenbildendes Marketing & Werbung, den man nichtmal im Ansatz mit ähnlichen Filmen wie Bushidos "Zeiten ändern dich" vergleichen kann. Das man den Film am besten im Originalton schaut, sei nochmal betont!

Fazit: straße, gangsta, politisch, wichtig - eine kraftvolle Bewegung, greifbarer denn je & wieder brandaktuell - aber eigentlich auch nie wirklich weg/unwichtig gewesen!

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