Kontemporärer Trash – THE ASYLUM (18)
3-HEADED SHARK ATTACK
(3-HEADED SHARK ATTACK)
Christopher Ray, USA 2015
Mit 3-Headed Shark Attack (hierzulande gibt’s auch noch den schönen Titelanhang Mehr Köpfe = mehr Tote!) setzt die kalifornische Schundschmiede „The Asylum“ den bereits fest etablierten Brauch fort, jedem ihrer Streifen, mit dem auch nur ein Fischstäbchen zu verdienen war, einen Nachfolger zu spendieren. Besonders gut ließ es sich seinerzeit offenbar auf der Sharxploitation-Schiene rollen – Sharknado ging bereits in die vierte Runde, und auch für den Mega Shark fand sich immer wieder einmal ein neuer bekloppter Gegner. So verwundert es nicht, dass auch 2-Headed Shark Attack eine Steigerung erfuhr, obwohl gerade dieser Streifen nicht einmal im Kontext des firmeneigenen Schaffens ein echter Brüller war. Regie führte wie schon drei Jahre zuvor Christopher Ray – seines Zeichens tatsächlich Sohn der Schundkino-Ikone Fred Olen Ray und Regisseur des ultimativen Trash-Heulers Allmighty Thor. Und der, wer hätte das gedacht, liefert im Kern genau das, was er schon in Sachen Zweikopf-Knorpelfisch geliefert hat ...
Wir treffen also auch in 3-Headed Shark Attack auf Sonne und Meer, viel dumpfbackiges Jungvolk in knapper Badebekleidung, die im Subgenre eigentlich unentbehrliche Meeresbiologin und ein absurdes CGI-Monster. Aber Christopher Ray und das Skript von Jacob Cooney und Bill Hanstock haben noch mehr zu bieten, nämlich eine zweite Meeresbiologin (wenn auch erst im Praktikantenstadium), Danny Trejo (!) und eine ökologische Botschaft. Okay, Letzteres ist übertrieben, aber die Handlungsidee des Tages ist ein unterirdischer beziehungsweise unterseeischer Müllstrom (!), der allerlei Meeresbewohner, unter ihnen natürlich auch der Titelheld, zu Monstern mutieren lässt.
Ansonsten bleiben Ideen leider weitestgehend aus: Christopher Ray legt zwar, und das muss man ihm zugutehalten, ein hohes Tempo vor und lässt den Dreiköpfigen ausgiebig zu Wort oder besser zum Biss kommen, zeigt dabei aber immer wieder das Gleiche, was gelegentlich und vor allem in einer ellenlangen Sequenz zur Mitte des Films fast groteske Züge annimmt: Die Mitglieder einer Gruppe von „Wissenschaftlern“ und Umwelt-Aktivisten schwimmen einer nach dem anderen einzeln und quasi in Echtzeit zu einem irgendwo auf dem Meer schaukelnden Boot. Da kann man in Ruhe Wetten abschließen, wer von den Leuten gefressen wird und wer nicht und dem einen oder der anderen die Daumen drücken. Dumm nur, dass man überwiegend dem Hai die Daumen drückt – das Personal, mit dem man es hier zu tun bekommt, gehört nämlich wieder einmal zur ganz üblen Sorte, was sowohl für die Figuren als auch für die Darsteller gilt. Insbesondere mit den beiden zentralen Akteuren ist man gestraft: Das ausstrahlungsfreie Schmalzgesicht Brad Mills und die ungemein nervende Afro-Vietnamesin Karrueche Tran sind wirklich nur mit Mühe zu ertragen, zumal Letztere als erwähnte Bio-Praktikantin, die sich unsäglich aufspielt und glaubt, ständig die Geschicke aller in die Hand nehmen zu müssen, auch noch in einer extrem lästigen Rolle zu sehen ist. Angesichts solcher Leute wird selbst der blutrünstigste Mutantenhai ganz schnell zum Sympathieträger.
Einen ziemlich traurigen Auftritt hat derweil B- und C-Film-Ikone Danny Trejo – eine halbe Stunde lang muss er lediglich fein regelmäßig den Gashebel eines Motorboots nach vorn schieben, und als er endlich standesgemäß mit der Machete ins Geschehen eingreifen darf, vermasselt er’s: Wenn man wie er mit dem Ding bei jedem Schlag nur drei Zentimeter weit ausholt, sieht das wirklich ausgesprochen unbeholfen und lächerlich aus. Zu allem Überfluss (SPOILER bis zum Absatz ...) muss er sich auch noch vom linken der beiden zu diesem Zeitpunkt verbliebenen Köpfe des Titelhelden verschlingen lassen. Ein einziges Elend. Im gegebenen darstellerischen Umfeld gehört selbst der unerfahrene, aber recht sympathische Wrestler Rob Van Dam zu den Besten. Auch an Jena Sims als eigentliche Meeresbiologin hätte man noch ein wenig Freude haben können, aber sie gerät leider verblüffend früh zwischen die hungrigen Hai-Mäuler. Das Leben ist ungerecht, sogar in Asylum-Filmen.
Mit Blick auf die Tricktechnik ist zu vermelden, dass es schon weitaus Schlimmeres aus den Rechnern kalifornischer Billigbuden-VFX-Künstler zu bestaunen gab. So macht sich der CGI-Titelheld ganz ordentlich und sieht in manchen, wenn auch wenigen Szenen sogar richtig gut aus. Ansonsten herrscht hier selbstredend noch immer unterstes C-Klassen-Niveau. Der Score gibt sich schließlich schon in den ersten Sekunden als Arbeit von Chris Ridenhour zu erkennen. Seinen besten Tag hatte der hier leider nicht – die Musik ist laut, aber bedeutungslos.
Sei’s drum: Unter dem Strich ist 3-Headed Shark Attack trotz aller Mängel ein wenig besser als der Vorgängerfilm und hätte mit ein paar angenehmeren Helden sogar zum veritablen Vergnügen werden können. Als Qualitätskriterium ist der Vergleich mit einem Asylum-Vorgängerfilm freilich nur bedingt geeignet – auch 3-Headed Shark Attack sollte Trash-Freunden vorbehalten bleiben, die selbst den billigsten und absurdesten Blödsinn mit Humor nehmen können.
(12/19)
Objektiv ganz knappe 4 von 10 Punkten.