"Halloween" gilt eigentlich als Urvater des modernen Slasher-Films. Und fürwahr, vor dem unumstößlichen Horror-Klassiker gab es auch nur wenig Filme, die sich wirklich auf die Jagd nach dem Massenmörder beschränkten, bzw. auf die Kreativität der Morde. Allerdings lief auch schon in "Psycho" (1960) ein Massenmörder rum und "Black Christmas" (1974) kam der Art und Weise von "Halloween" schon sehr nah. Und auch "Im Blutrausch des Satans" (1971) wird gerne hier und da als heimlicher Slasher-Urvater genannt. Nun gut, ganz falsch ist diese These auch nicht, doch im Grunde ist "Bay of Blood" nicht viel mehr, als eine nett umgesetzte Metzel-Show.
In "Reazione a catena" gibt es nämlich keinen Massenmörder in dem Sinn, sondern hier schlachten sich die Opfer allesamt gegenseitig, vor trügerischer Idylle, ab. Im Grunde wird mit dem ersten Mord eine Kettenreaktion gestartet, die zum Schluss nur noch die zwei unscheinbarsten Figuren überleben. Die klassische "Heldin" des Films ist somit noch genauso wenig vorhanden, wie eben der klassische Mörder und die Frage wer es wohl am Ende war. Was dem Slasher von heute allerdings ebenbürtig ist, ist die Story, die zwar etwas anders als das später Übliche ist, aber unterm Strich dennoch genauso unoriginell, einfallslos und logikfrei daher kommt, wie bei den meisten Genre-Filmen ihrer Art.
Auch einen sonderlich großen Spannungsbogen kann "Bay of Blood" nicht verzeichnen. Die einzige Spannung besteht im Grunde darin, wie der nächste Mord wohl aussehen mag. Und diese Frage kommt auch erst nach einer längeren Durststrecke auf. Denn nachdem die ersten zwei Figuren schon nach 5 Minuten ihren Löffel abgegeben haben, wird es eine ganze Zeit lang erst einmal ziemlich still. In diesen ruhigeren Minuten wird versucht den Figuren eine gewisse Tiefe zu verleihen, was allerdings auch hier schon scheitert. Die Charaktere lassen einen allesamt eher kalt. Erst mit dem Mord an einem dusseligen, fast nackten Teenie-Girl, geht das Gemetzel weiter.
Und im Gemetzel liegt hier auch das "Ah und Oh" des Films, was ihn dann doch noch ganz interessant macht. Denn die Morde sind allesamt nicht von schlechten Eltern. Ob nun erhängt, erdolcht oder mit der Machete geköpft, um nur einmal drei Beispiele zu nennen, hier wird so ziemlich jede Art von Mord begangen, die das Slasher- und Splatter-Herz höher schlagen lässt. 1971 natürlich noch durchgehend ohne Computer-Effekte etc. umgesetzt, wirken die Kills auch allesamt mächtig, ja geradezu abstoßend brutal auf den Zuschauer und sehen dabei absolut lecker aus. So und nicht anders, müssen solche Effekte aussehen.
Aber auch die Kulissenauswahl birgt ein gewisses Potenzial. Die trügerische Idylle, vor der sich ein schrecklicher Mord nach dem anderen ereignet, ist mitunter sehr atmosphärisch ausgefallen und erinnern den geneigten Friday-Fan schon einmal an sein geliebtes Camp Crystal Lake. Dazu ein absolut wunderbarer, wenn auch recht eigentümlicher, Score, der ebenfalls für Unterhaltung sorgen kann. Schweißperlen auf der Stirn kann er zwar nicht verursachen, aber fürs Knistern in der Luft reicht es allemal.
Was die Darsteller angeht, so haben wir es hier allerdings mit einer genauso stümperhaften Schauspielerriege zu tun, wie man sie auch schon in (nahezu) allen nachfolgenden Genre-Streifen zu Gesicht bekommen hat. Alle Darsteller spielen hier auf dem lahmen Niveau, das für Horror zwar gerade noch so ausreicht, aber kaum für mehr. Vor allem die Darsteller der 4 Jugendlichen haben hoffentlich nie wieder vor einer Kamera gestanden.
Fazit: Ansehbarer Metzelfilm, der zwar in Sachen Story genauso wenig überzeugen kann, wie die späteren Ableger des Slasher-Films, und auch kein sonderliches Spannungspotenzial besitzt, aber aufgrund des heftigen und verdammt gut aussehenden Bodycounts, sowie seiner wunderbaren Kulisse, dennoch für Wohlgefallen, beim geneigten Genre-Publikum, sorgen kann. Auch wenn es später vieles gab, was besser (und natürlich auch schlechter) war, "Halloween" ist und bleibt nach wie vor die Nr.1 des Horror-Kinos, so sollte man sich auch Mario Bavas äußerst frühen Genre-Beitrag nicht entgehen lassen, sofern man von gut aussehendem Gemetzel nicht genug bekommen kann und nicht mehr erwartet! Dann kann es doch ein netter Abend werden!
Wertung: 7/10 Punkte