„Paul, musst du dich immer mit deinem Ungeziefer unterhalten?“
„Ich bin jedenfalls der Überzeugung, dass jeder Mann seine Frau umbringen würde, wenn er dann mit ihrem Geld sein Leben genießen kann.“
„Da war eine Frau.“
„So?“
„Und wenn sie uns gesehen hat, was machen wir dann?“
„Dasselbe wie mit den Anderen.“
Der wohlklingende deutsche Titel „Im Blutrausch des Satans“ weckt hohe Erwartungen, die der Film letztendlich leider nicht erfüllen kann. Kein bisschen übernatürliche Kräfte sind hier im Spiel, vielmehr sind sehr menschliche Erbstreitigkeiten der Auslöser für die Tötungsreihe. Dabei stellen sich gleich mehrere Parteien als zunehmend skrupelloser heraus, wodurch im Endeffekt niemand als Held der Geschichte heraussticht.
Hier wird eine alte, wohlhabende Gräfin direkt brutal vom Rollstuhl in die Seilschlaufe ihres Henkers gerissen und noch halb sitzend am Türrahmen aufgeknüpft. Später wird es jedoch noch ziemlich blutig, also gemessen an den Standards der 70er Jahre. Ich achte bei meinen Reviews ja stets darauf, die Filme aus Sicht der damaligen Zeit zu betrachten.
Eine Art Sichel (oder was auch immer) zerschneidet jemandem das Gesicht fast in zwei Hälften. Ein paar Wasserleichen kommen auch vor, aber der wohl einprägsamste Effekt ist die hemmungslos harte Köpfung einer Frau, worauf im Anschluss zwei Kinder beim Zerbrechen eines Porzellanpuppenkopfs zu sehen sind. Das Abschlagen des Kopfes wurde ganz clever von oben gefilmt, sodass man nur die Haare des Hinterkopfs und dann direkt den blutigen Stumpf im Bild hat, wodurch hier das Problem der sehr durchschaubaren künstlichen Gesichter dieser Zeit umschifft wird. Wobei, eine andere nennenswerte Bluttat gibt es noch. Ein paar junge Leute bei der aktiven Paarung werden im Bett aufeinanderliegend zu einem Schaschlikspieß verarbeitet, indem der Rücken der Frau sowie der Bauch des Mannes bis auf die Matratze darunter durchstochen werden.
Abseits des recht hohen Gewaltgrads hat der Film eine erstaunlich experimentelle Kameraführung. Manchmal gibt es POV-Shots aus Sicht eines der Killer, wenn er sich an sein Opfer heranschleicht. Die klassische italienische Einstellung, bei der direkt auf die Augenpartie gezoomt wird, und zahlreiche Wasserreflexionen durchziehen fast die gesamte Laufzeit. Die Szene vorm Spiegel, wo die schockierte Reaktion der Protagonistin auf die leichengefüllte Badewanne hinter ihr durch stakkatoartige Zooms verstärkt wird, fühlt sich erstaunlich modern an.
Alle Außenaufnahmen spielen in einem wunderschönen, efeubewachsenen Wald nahe einem See, untermalt von einem merkwürdig tribalen Soundtrack voller Bongos. So wie sich die ortsansässige Wahrsagerin, in ihrem schwarzen Umhang gehüllt, vorsichtig durch den dunkelgrünen Forst bewegt, könnte sie auch glatt als Hexe durchgehen. Sie war sowieso stets mein Lieblingscharakter beim Anschauen. Übernatürliches passiert dennoch absolut nicht, dafür ist aber das (unblutige) Ende total unerwartet und auf gewisse Weise verstörend. Zudem finde ich es fantastisch, wie die Teenies auf der Hinreise unter wunderschönen Akazienbäumen entlangfahren, die ebenso gelb wie ihr Giannini-Deserter-Strandbuggy (mit Wolfsburg-Emblem auf der Kühlerhaube?!) sind. Spaßfakt zum Schluss: Giallo heißt nicht nur das Genre, sondern auch „gelb“ auf Italienisch.
Gesehene Fassung: Uncut Blu-ray mit deutscher Synchro
Meine Screenshots: https://berny23.de/im-blutrausch-des-satans-1971/