Uwe Ochsenknecht spielt Udo Honig, einen ehemaligen Fußballstar und Manager. Aufgrund einer Steueraffäre verliert er sein Präsidentenamt bei einem überaus erfolgreichen bayrischen Fußballverein und wird zu einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Anfangs sieht es in der JVA nicht danach aus, als würde Honig dort einen Promi-Bonus erfahren, doch aufgrund seines Talents, andere Menschen für sich einzunehmen, kommt er schnell in den Genuss einiger Annehmlichkeiten. Nur die engagierte Gefängnispsychologin steht noch zwischen ihm und dem möglichst bald erhofften Freigang. Den muss er schnell bekommen, wenn er das Amt des Präsidenten bei Rot-Weiß Oberbayern nicht an den bisherigen Vizepräsidenten verlieren will.
Nach der TV-Satire „Der Minister“ über Aufstieg und Fall eines prominenten CSU-Politikers, der auf dem Weg ins Kanzleramt über eine Plagiatsaffäre bezüglich seiner Doktorarbeit gestolpert war, widmet sich Regisseur Uwe Janson im Auftrag von Sat.1 nun der Steueraffäre und der anschließenden Haft von Ulli Hoeneß. In Bayern, wo der Regisseur nach dem Freiherrn mit Hoeneß nun schon das zweite Heiligtum des Freistaats durch den Kakao zieht, erhielt er in keinem der Gefängnisse eine Drehgenehmigung, der JVA Landsberg durfte er sich mit seinem Kamerateam nicht einmal nähern. Die Befürchtung war wohl groß, dass Hoeneß, ähnlich wie der ehemalige Verteidigungsminister, ziemlich heftig demontiert werden würde, doch das war letztendlich eher unbegründet. „Die Udo Honig Story“ ist weit weniger grotesk und bissig als „Der Minister“, damit aber leider auch weniger unterhaltsam.
War „Der Minister“ noch eine sehr freie Interpretation der Plagiatsaffäre, ist „Die Udo Honig Story“ enger an den realen Gegebenheiten orientiert, wenngleich diese natürlich des Öfteren überspitzt, einiges ausgeschmückt und vieles sehr frei interpretiert wird. Dabei halten sich gute und schlechte Einfälle insgesamt die Waage, so sind die Rückblenden auf die Karriere des Spielers und Managers Hoeneß meist recht amüsant, sein enges Verhältnis zur bayrischen Staatskanzlei in Person von Horst Hofersee wird sehr ironisch dargestellt. Weniger glücklich sind die Versuche, Hoeneß trotz der gewaltigen Überzeichnungen im Film auch psychologisieren zu wollen, zumal das bereits vor einigen Wochen im ZDF-Dokudrama „Der Patriarch“ geschehen ist. So sind die Sitzungen mit der Gefängnispsychologin meist eher langweilig, was auch für die moralisierenden Untertöne am Ende des Films gilt. Zwar ist das Hoeneß-Psychogramm, das die Macher hier zeichnen, durchaus differenziert und stellenweise ganz interessant, es beißt sich aber allzu oft mit dem Rest des mitunter grotesk überzeichneten Treibens.
Unterhaltsam ist „Die Udo Honig Story“ aber durchaus. Das ist unter anderem dem überzeugenden Uwe Ochsenknecht geschuldet, der Hoeneß Mimik, insbesondere seine verkniffenen Lippen, ganz gut beherrscht und auch dessen süddeutschen Akzent gelungen imitiert. Besonders witzig ist daneben Hannes Jaenicke als Franz Kaiser, welcher einen braungebrannten und sinnentleerte Sprüche klopfenden Beckenbauer zum Besten gibt. Für etwas Kurzweil sorgen auch die zahllosen Anspielungen auf real existierende Personen und Vereine, wie etwa Hoeneß Intimfeind Christoph Daum oder den bereits erwähnten bayrischen Ministerpräsidenten. Besonders witzig ist auch der permanent auf seine womöglich unverzollte Uhr starrende Vizepräsident des bayrischen Vereins, der Hoeneß Platz schließlich einnimmt und das Ruder beim Verein auch endgültig zu übernehmen versucht. Die Geschichte an sich ist nicht mehr als ein etwas verfahrenes Vehikel, das diese Verweise und Anspielungen irgendwie verknüpft, wenngleich sie die eine oder andere originelle Idee, wie etwa die mit der Gefängnismetzgerei, beinhaltet. Da war „Der Minister“ inhaltlich und erzählerisch konsistenter, bot einen besseren Überbau. Was sich Janson bei der befremdlichen JVA gedacht hat, wird derweil wohl sein Geheimnis bleiben, so wird man aus den permanenten Gesangstunden der Häftlinge und der Aufmachung der Wärter, die der Schweizer Garde entlaufen zu sein scheinen, nicht wirklich schlau.
Fazit:
„Die Udo Honig Story“ kann sich nicht so recht entscheiden, ob sie eine überzeichnete Groteske über einen raffgierigen, machtbewussten Fußballfunktionär sein will oder das Psychogramm des realen Ulli Hoeneß. So wirkt der Film, der ansonsten durchaus witzig und kurzweilig ist, meist etwas unschlüssig und nicht immer konsistent. Wer sich über die augenzwinkernden Verweise auf reale Personen und Vereine amüsieren kann, ist mit „Die Udo Honig Story“ dennoch nicht schlecht beraten.
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