Review

Inhalt:
Der Schriftsteller Sam Dalmas (Tony Musante) wird Zeuge eines Mordversuches auf die Kunstgaleriebesitzerin Monica Ranieri (Eva Renzi), die in ihrer Galerie von einer mit schwarzen Handschuhen gekleideten Person niedergestochen wird.
Sam Dalmas wird vom Zeugen für die Polizei zum Verdächtigen für diesen Mordversuch und die bisherigen Taten des sich in Italien herumtreibenden Frauenmörders.
Dalmas ist sich sicher, bei dem Mordversuch ein Detail gesehen zu haben, das den Mörder überführen kann. Nur fällt ihm dies nicht ein und so stellt er seine eigenen Nachforschungen an.
Die Spur führt ihn zu einem Bild, welches mit dem Mörder in Verbindung zu stehen scheint und er trifft bei seiner Recherche auf diverse mysteriöse Gestalten (=Verdächtige), ein Killer wird auf ihn angesetzt und seine Freundin (Suzy Kendall) gerät in Lebensgefahr, während der Mörder weiter sein Unwesen treibt.


Kritik:
"Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" ("The bird with the crystal plumage") ist das bemerkenswerte Regiedebüt von Dario Argento, dem wohl großartigsten Regiesseur der 70er und 80er Jahre, dem bei uns leider nie der ihm zustehende Ruhm zuteil wurde.

In seinem Erstling kann man schon erkennen, welch ein Potential in diesem Mann steckt, welches er in späteren Jahren zur Perfektion ("Suspiria") brachte. Sein Verständnis für den gelungenen Einsatz von Musik, Farben und einfallsreichen Kamerafahrten- und einstellungen verknüpft mit Kunst, Gewalt, Suspence, Spannung und Phantasie treibt hier seine ersten Blüten.

Die Story, die bei uns unter dem Namen Edgar Wallace verkauft wurde, was aber jedwediger Grundlage entbehrt, da dieser nicht das geringste mit dem Film zu tun hat, ist voller gelungener Momente.
Das Highlight ist sicherlich die Schlüsselszene, in der Sam Dalmas Zeuge des Verbrechens wird. Gefangen zwischen zwei riesigen Glasscheiben muss er machtlos miterleben, wie die Galeriebesitzerin niedergestochen wird, schwerverletzt auf dem Boden liegt und ihn (Dalmas, nicht den Boden) um Hilfe anfleht. So muss er in seiner Lage ausharren bis die Polizei eintrifft.
Wie Argento durch die stimmige Musik von Ennio Morricone, die Kameraeinstellungen und den Einsatz von Farben diese Passage inszenierte, den Zuschauer gekonnt fesselt und zugleich unbewusste Informationen liefert (wer den Film kennt, wird wissen was ich damit meine, aber ich will niemandem dieses Aha-Erlebnis bei der Auflösung nehmen) ist schon erstaunlich.

Klasse ist auch die Idee, dass sich Dalmas immer wieder das Erlebte vor Augen führt und er sowie der Zuschauer wissen, dass die Szene den Schlüssel zur Lösung des Falls liefern kann. Dieses Spiel hat Argento in seinem späteren "Profondo Rosso" dann wiederholt und sogar noch übertroffen.

Es macht Spaß, der Hauptperson bei ihrer Suche nach dem Täter zu folgen und es kommt niemals Langeweile auf, da immer wieder etwas neues geschieht.
So gelangt Dalmas an ein Bild, welches ein Puzzleteil zur Lösung des Falles liefert, ein Killer wird auf ihn angesetzt, seine Freundin wird vom Mörder besucht, Sam erhält bedrohliche Anrufe und der Schrei eines Vogels mit kristallenem Gefieder (=englischer Titel und in späteren Argentofilmen immer wieder auftauchend) liefert weitere Hinweise.

Bei seiner Suche lernt er viele interessante Charaktere kennen, die auch gleichzeitig Verdächtige darstellen, wie z.B. den homosexuellen Ladenbesitzer (Homosexualität wird in späteren Argentowerken ebenfalls immer wieder angesprochen), den stotternden Zuhälter im Gefängnis, den angesetzten Killer oder den katzenfressenden, griesgrämigen Künstler Berto Consalvi gespielt von Mario Adorf (sehr genial!).

Die in seinen späteren Filmen zu kunstvollen Choreographien werdenden Morde sind in Argentos Debüt noch recht blutleer, zeigen aber schon sein Markenzeichen, nämlich die schwarzen Handschuhe des Täters (in denen meist die Hände des Meisters himself stecken) und sind durch die unkonventionelle Kamera und den perfekten Einsatz der Musik bestens inszeniert.

Es gibt hier ungewöhnlich viele lustige Stellen, beispielsweise die Gegenüberstellung, bei der Perverse vorgeführt werden und eine Ursula Andress mit den Worten "Ursula Andress gehört zu den Transvestiten, nicht zu den Perversen" rausgeschickt wird.
Oder der inhaftierte Zuhälter, der zur Beruhigung seines Stotterns immer wieder die Worte "Na dann Servus" spricht.
Oder der herrliche Auftritt von Mario Adorf als Maler, der in seiner Butze gekochte Katze auftischt (was Dalmas aber erst nach der Mahlzeit erfährt).

Die Auflösung schließlich ist sehr überraschend und schlägt einen wunderbaren Bogen zu der Anfangsschlüsselszene. Das Motiv ist zwar recht unglaubwürdig, ist aber durch seinen psychologischen Ursprung in dem von Mario Bava geschaffenen Genre des Giallo Gang und Gäbe.

Unterhaltsame Spannung ist auf jeden Fall garantiert!

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