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Man hätte Mitte der Sechziger ein Standbild mit Pierre Brice und Lex Barker eineinhalb Stunden laufen lassen können, unterlegt mit einer Böttcher-Komposition - der Film hätte in der Bundesrepublik wahrscheinlich immer noch die Goldene Leinwand abgeräumt. Soll heißen: Die Teile waren allesamt Selbstläufer, dementsprechend schnell musste nachgelegt werden, sodass das Publikum 1965 gleich drei Karl-May-Verfilmungen mit Winnetou genießen durfte.

Dem "Ölprinzen" merkt man seine wohl recht hektische Produktionsphase vor allem am Drehbuch an, welches nur lose auf dem gleichnamigen Roman basiert. Grob vereinfacht und publikumswirksam umgesetzt, passiert in den 90 Minuten nicht viel Unerwartetes bzw. nichts, was in vorherigen Karl-May-Verfilmungen nicht schon da gewesen wäre: Ein geldgieriger Geschäftsmann in feinem Zwirn und mit schwarzem Hut geht über Leichen, um an Land für seine Ölgeschäfte zu kommen. Später wird er einem Siedler einen Mord an einem Häuptlingssohn in die Schuhe schieben (so ähnlich geschehen in "Winnetou I"), worauf Old Surehand (symbolträchtiger Antipol mit weißem Kopfaufsatz) die Zeit davon läuft: Findet er bis Sonnenaufgang nicht den wahren Mörder, so wird ein unschuldiger Siedlertreck von Indianern dem Erdboden gleichgemacht.

Wie die Chose ausgeht, dürfte jedem klar sein, aber das hat bei Karl-May-Verfilmungen ja bekanntlich noch nie gestört. Entscheidend ist vielmehr, dass man den Charme der vorherigen Teile erhalten hat, auch wenn Figuren wie Sam Hawkins diesmal fehlen. Immerhin ist Heinz Erhardt als Pastor beileibe kein schlechter Kasper-Ersatz und für politisch hundertprozentig korrekten und kindlichen Humor zuständig. Darüber hinaus bleibt "Der Ölprinz", trotz einiger Toten, nahezu gewaltfrei und versprüht jede Menge Heile-Welt-Atmosphäre der Heimatfilme aus der Nachkriegszeit, die irgendwie auch zu den Winnetou-Filmen dazugehört. Die Prüderie und Naivität, mit der die Protagonisten hier agieren, ist heute nur noch mit einem Schmunzeln zu ertragen: So trifft ein ganz junger Terence Hill (noch als Mario Girotti) im Siedlertreck auf eine schwarzhaarige Schönheit, nur um nach zwei Tagen und dem ersten Kuss mitten im Happy End feierlich zu verkünden: "Wir werden heiraten!". Wenn's weiter nichts ist...

Technisch bewegt sich "Der Ölprinz" voll auf der Höhe der Zeit, obwohl für die spektakulären Explosionen der Öltürme zu Beginn offensichtlich auf altes Filmmaterial zurückgegriffen wurde. Für einen Gastauftritt Lex Barkers hat das Budget dann leider nicht mehr gereicht, sodass man ausschließlich mit Stewart Granger vorlieb nehmen muss, der seine Rolle als Old Surehand stets mit etwas Selbstironie würzt, dabei aber immer ein bisschen unnahbar wirkt und neben dem todernst dreinblickenden Pierre Brice deshalb fast wie ein Fremdkörper agiert.
Spektakulär anzusehen ist eine etwa fünfminütige Floßfahrt durch Stromschnellen, wobei man manchmal die Studiokulissen schon deutlich erkennen kann, aber das ist bei den deutlich höher budgetierten "Bond"-Verfilmungen dieser Zeit ja nicht anders. Zudem dient diese Sequenz dazu, Winnetou wieder einmal als aufopferungsvollen Retter zu zeigen und Girottis Rolle als einer von den "Guten" zu festigen, zu denen er trotz seiner Falschspielerkarriere natürlich gehört. Wollte man diesem Film etwas Böses, könnte man noch anbringen, diese Szene sei lediglich ein Lückenfüller, da die Story definitiv keinen 90minütigen Film trägt. Aber wer will schon mit Kanonen auf Spatzen schießen? Bei May-Verfilmungen kann man da schon mal ein Auge zudrücken und Fans auch für den "Ölprinzen" eine klare Empfehlung aussprechen.

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