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Das Trauma Vietnam, dass das Land der Vereinigten Staaten von Amerika in den Siebziger Jahren gesellschaftlich und in den Achtzigern medial verfolgt hat, als der voran stehende Aufhänger der vierten eigenständigen Filmarbeit von David Heavener, der hier ebenso wie zuvor und oft danach auch als Hauptdarsteller und Produzent fungiert. Hiermit zum ersten Mal in einer Inszenierung, die diesem Wort auch zumindest annähernd tatsächlich entspricht und um Dramaturgie von Szenen und das Hervorstellen von bestimmten Details und die sinnige Aneinanderreihung gewisser Kausalketten durchaus weiß; in einer Ausgestaltung, die mehr B-Standard als C ist und um seinen Dienst am Gänger in die Videotheken und seine hintersten Ränge tatsächlich willens ist:

Bei einem eigentlich zur Therapie gedachten Campingausflug werden die Patienten eines Veteranenhospitals, darunter der durch Vietnam traumatisierte Alexander Grady Puckett [ David Heavener ] und seine Leidensgenossen Malox [ Steve DeVorkin ], Rubin [ Lawrence Hilton-Jacobs ] und der verstummte und gottesfürchtige Michael [ Burt Ward ] von ihren beiden Wärtern des Spaßes und des Geldes halber für einen Tag an die private Miliz von Mallerz [ Bruce Glover ] als Zielscheibe verkauft. Was die beiden eigentlich zur Fürsorge und Pflege gedachten Begleiter da noch nicht ahnen, aber bald am eigenen Leibe zu spüren bekommen ist, dass Mallerd nicht mit Platzpatronen oder Farbe auf die Ahnungslosen, sondern mit scharfen Waffen auf sie losgeht. Nur mühsam kann Puckett dem ersten Massaker entgehen, und wird in der Einöde von den beiden Cousinen Rachel [ Rachelle Carson ] und Lilly [ Danielle Brisebois ] aufgefunden, was allerdings nur eine kurze Verschnaufpause verspricht.

Eigenarten der speziell ausgedörrten Herangehensweise von Heavener, der ohne Vor- oder gar Ausbildung an die erste Regiearbeit Outlaw Force und so quasi als Autarker und weiterhin Selbständiger und Eigenverantwortlicher am werkeln ist, treten auch hier, allerdings in den Hintergrund gedrängt auf. So gibt es den obligaten Albtraum zur Nacht, der den Helden, natürlich Heavener selber begleitet. Es gibt die ebensolche Nacktszene der anwesenden Damen, aus welchem nichtigen Grunde auch immer, die dem Film anfangs noch eine Aufmerksamkeit mehr verleiht. Außerdem wird auch hier das Intro höchstpersönlich gesungen und später noch mal die Klampfe gezupft, was den passionierten Country- und Westernbarden hierbei mit seinem "Soldier on the Run" allerdings tatsächlich den Ohrwurm und dem Film eingangs schon so etwas wie Persönlichkeit verleiht.

Überhaupt ist hier gerade der Beginn gescheit und mal vielschichtiger als üblich aufgebaut, steht das (nur zu Beginn ausnahmsweise) glattrasierte Gesicht dem Selbstdarsteller gleichsam gut wie auch die kurze Lockerheit im Auftritt und das etwas zurückgenommene Spiel von Ihm dem Projekt doch seine Qualitäten erweist. Zudem wird auch mit verschiedenen Möglichkeiten der Wahrnehmung, dem Kill Crazy gespielt, könnte man mit dem Hintergrund der Vergangenheit von Drogenmissbrauch und Posttraumatischer Belastungsstörungen die Geschichte von Puckett im Vorhandensein zweier Gesichter auch anders als letztlich doch genreaffin erzählen und wird mit dieser Option durchaus geliebäugelt und gebuhlt.

Selbst die Möglichkeit einer Reise in das Ungewisse und nicht gleich Absehbare wird hier gewählt, geht die Einleitung schnell vonstatten und weiss seine Momente der Anspannung tröpfchenweise zu setzen; trotz einer weiterhin statischen Kameraarbeit und auch recht einfallslosen Schnitt, was allen voran in längeren Dialogen zu sichten und so nicht nachzumachen ist. Auch dass das große Geld für Aktionskino fehlt, gilt hier nicht als Makel, wird die Handlung, eine Mischung aus etwas Deliverance, etwas Southern Comfort und natürlich Hunter's Blood bzw. dem Deadly Prey, doch zumeist über Passivismus der Veteranen und so dem Suchen des Heils in der Flucht durch das unwegsame, karge, ausgestrocknete Gelände mit stumpfer Natur und – wenn überhaupt – in der für sie ungewohnten und ungeliebten Verteidigung in verstaubten Flussbetten und anderem Geröll und nicht im stürmischen Vorwärtspreschen und Konfrontation formuliert.

So ist die Übermacht der Gegner sowieso viel zu groß und deren Verhalten skrupellos bis tatsächlich 'pervers', 'krank' oder halt gestört im medizinischen Sinne präsentiert, werden die Opfer in elektrische Zäune hineingetrieben und erst dort mit Schüssen in den Rücken erlöst; oder bis zum Kopf in die Erde eingegraben und mit Säure überschüttet, oder doch vergewaltigt und anderweitig gequält. Grund für die filmische Rache und die Antwort mit Gewehr und dem Gürtel voll Blei gibt es jedenfalls genug, wird auch mal über den Krieg und seinen (Un)Sinn und seinen Schrecken gesprochen, ohne das viel Wert darauf gelegt oder viel Wind um eine Aussage schlechthin gemacht, sich also auch nicht mit etwaig zu großen Schuhen von Bedeutung und Belang ausstaffiert wird.

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