Review

Einmal mehr bewährt es sich, ein sagenumwobenes Monster nie in seiner Gänze zu zeigen, sondern mit der Allgegenwärtigkeit zu spielen. Dadurch kann Regisseur Jack Heller eine recht dichte Atmosphäre schüren und anbei ein wenig das niedrige Budget kaschieren.

Sheriff Paul (Kevin Durand) und Deputy Donny (Lukas Haas) haben im ländlich gelegenen Kaff Maiden Woods wenig zu tun, bis das Tier eines Pferdezüchters über Nacht verschwindet und am Tag darauf große Fußspuren quer durch den Ort vorzufinden sind. Nach weiteren Untersuchungen stoßen die Cops auf Anzeichen eines Urwesens...

...oder Wendigo, die werwolfähnliche Kreatur, welche Menschenfleisch bevorzugt und nur durch Feuer getötet werden kann. Genregemäß schlägt diese während der Exposition blutig zu, bevor die wesentlichen Figuren gekonnt eingeführt werden.
Sheriff Paul hat das Trauma seines jüngsten verunglückten Sohnes noch nicht verarbeitet und lebt von seiner Frau getrennt, während es auch für Donny einen Grund gibt, von New York aufs Land umzusatteln. Manche Dorfbewohner bringen zwar einige Klischees mit, doch die Figurenzeichnungen fallen deutlich überdurchschnittlich aus und fördern folgerichtig das spätere Mitfiebern.

Andeutungen sind oft geheimnisvoller und wirken bedrohlicher als ein deutlich zu sehendes Monster, weshalb Heller auf vage Andeutungen wie Fußspuren, tiefe Kratzer im Baum oder tiefes Knurren setzt. Leider werden die Farbfilter bei Tagaufnahmen maßlos überstrapaziert, was ein wenig zulasten der Gesamtstimmung geht, wogegen die Kamera zumeist variabel arbeitet und mit eingeschränkten Perspektiven Suspense schürt.

Phasenweise kommt das Geschehen wie ein Drama daher, bei dem am Rande ein Monster mitmischt, was Genrefreunde eventuell ein wenig abschrecken könnte. Erst im letzten Drittel wird das Tempo merklich angeschraubt, als es in der Kirche zunächst ums Verbarrikadieren, später um den Gegenangriff geht. Eine erahnbare, aber dennoch halbwegs gelungene Schlusspointe rundet die Sache schließlich ab.

Was den Streifen unter anderem über Durchschnitt bringt, sind die guten bis sehr guten darstellerischen Leistungen. Kevin Durand trägt das Geschehen locker und überzeugt mit ausgefeilter, sehr variabler Mimik und auch sein Kollege Lukas Haas transportiert eine gewisse Unsicherheit glaubhaft. Auch bei den restlichen Mimen sind keine sonderlichen Mankos auszumachen, zumal die Besetzung recht treffend ist.

Letztlich geht es natürlich nicht ganz ohne körperlichen Einsatz der Kreatur, doch diese schaut einigermaßen glaubhaft aus, nur ein wenig CGI vermag da nicht mitzuhalten.
Ansonsten ist die Ausstattung solide, bis auf eine Fleischwunde wird zwar kaum Blut vergossen und nackte Haut ist überhaupt nicht auszumachen, doch demgegenüber punkten die Figurenzeichnungen und die nahezu latent bedrohliche Stimmung.
Genrefans sollten etwas Geduld mitbringen und einige Abweichungen vom handelsüblichen Monster-Trash in Kauf nehmen, doch die 98 Minuten sind eine Sichtung wert.
Knapp
7 von 10

Details
Ähnliche Filme