Basierend auf der Biografie von Malcolm X: Denzel Washington spielt den afroamerikanischen Bürgerrechtler, der allein aufwächst, nachdem sein Vater, ein Priester, vom Ku-Klux-Klan ermordet wurde und seine Mutter in einer Nervenheilanstalt eingewiesen wurde. Nachdem er in Harlem mit seinem Chef, einem Gangsterboss, aneinander gerät, muss er nach Boston fliehen, wo er sich mit Diebstählen über Wasser hält, bis er schließlich festgenommen und zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wird, wo er sich schließlich der "Nation of Islam" anschließt und innerhalb von kurzer Zeit zum Redner des Leiters der Organisation Elijah Muhammed aufsteigt.
Aus "Malcolm X" hätte ein wahres Meisterwerk werden können. Man hatte eine gigantische Laufzeit von über drei Stunden, mit Denzel Washington den bestmöglichen Darsteller für die Rolle, macht aber leider im Endeffekt zu viele kleinere Fehler, um den Status Meisterwerk zu erreichen, dennoch ist es ein gelungenes und empfehlenswertes Biopic.
Die Charakterkonstruktion der Hauptfigur gehört leider zu den Schwächen des Films. Malcolm X war durchaus ein umstrittener Bürgerrechtler, der sehr radikale Ansichten zu Themen wie Gleichberechtigung von Schwarzen und Weißen hatte und mit unhaltbaren Äußerungen über den Tod Kennedys zu einem Redeverbot verdonnert wurde und sich schließlich von der Nation of Islam distanzierte. Aber die Ecken und Kanten, die Widersprüchlichkeit der Figur werden leider nur in Bruchstücken gezeigt, teilweise nur angedeutet, es scheint so, als wolle man mit aller Macht ein filmisches Denkmal für den Bürgerrechtler setzen und sein Ansehen erhöhen, aber dies darf auf keinen Fall der Anspruch eines solchen Biopics sein. So hinterlässt der Film zu jedem Zeitpunkt einen kleinen, bitteren Beigeschmack, wobei die wichtigsten Charakterzüge natürlich vorhanden sind. Die wichtigsten Stationen im Leben des Bürgerrechtlers sind komplett vorhanden und auch die Nebenfiguren sind gelungen konstruiert, so ist man nach dem Ansehen des Film durchaus schlauer als vorher und so wird der Film wenigstens dem Anspruch einer informativen Biografie gerecht, bei der das Leben des Revolutionärs durchaus interessant serviert wird, wobei die soziale Prägnanz der damaligen Situation und Parallelen zur heutigen Zeit leider fehlen.
Vielleicht war es also ein Fehler, Spike Lee, seines Zeichens selbst Afroamerikaner, der den Film unbedingt auf die Leinwand bringen wollte, das Drehbuch schreiben zu lassen, da die Bewunderung des Regisseurs, Autoren und Produzenten, offensichtlich zu hoch war, um ein differenziertes Portrait von Malcolm X zu liefern, dass man ihm aber die Regie übertrug war ein guter Entschluss. Lee hält das Erzähltempo genau richtig, zeigt ein gutes Gespür dafür, wie er die historischen Fakten möglichst interessant serviert und so unterhält der dramaturgisch und narrativ sehr geschickt gesponnene Film durchaus von Anfang bis Ende und vermittelt die Biografie durchaus interessant und zu keinem Zeitpunkt trocken. Brüche in der Dramaturgie oder kleinere Längen gibt es dabei kaum, wobei Lee es am Ende vielleicht ein bisschen übertreibt und der Film so leicht überdramatisiert wirkt, was das spannende Finale jedoch verzeihen lässt. Musikalisch ist der Film sehr stilvoll unterlegt und auch ansonsten zeigt Lee, dass er handwerklich routiniert ist, was er später mit "25 Stunden" und "Inside Man" erneut zeigen sollte.
Biopics bieten bekanntermaßen immer gute Möglichkeiten für die betreffenden Darsteller, sich zu empfehlen und diese nutzt Denzel Washington nach seinen starken Auftritten in "Schrei nach Freiheit" und seinem Oscar für "Glory", um eine weitere Galavorstellung hinzulegen, für die er vollkommen zu Recht mit einer Oscar-Nominierung bedacht wurde. Washington, der Malcolm X wirklich zum verwechseln ähnlich sieht, überzeugt mit seinem gewohnt intensiven Spiel und bringt für die Rolle des charismatischen Bürgerrechtlers die nötige Ausstrahlung mit und zeigt die ganze Zeit über authentische Gefühle, ohne die dieser Film gar nicht möglich gewesen wäre. In "Hurricane" zeigte er später erneut, wie gut er sich in historische Vorbilder hineindenken kann. Die Nebendarsteller sind ebenfalls nicht schlecht, Angela Basset, die hier in ihrer zweiten größeren Rolle zu sehen ist, überzeugt voll und ganz und auch Spike Lee, der es sich nicht nehmen lies auch noch eine Nebenrolle zu spielen, bleibt darstellerisch tadellos.
Fazit:
Dramaturgisch ist "Malcolm X" ohne Frage hervorragend aufgebaut, sodass der Film durchgehend unterhält und die Biografie des Bürgerrechtlers für den Zuschauer interessant darstellt. Zudem überzeugt die starke Inszenierung, genauso, wie der brillierende Denzel Washington. Leider ist der widersprüchliche und umstrittene Malcolm X aber nicht zufrieden stellend konstruiert, da Spike Lee scheinbar eher daran interessiert ist, ein Denkmal für den Revolutionär zu schaffen, als ihn mit all seinen Ecken und Kanten zu erfassen.
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