„Sweet Home" (Kurz und schmerzlos Teil 32)
Auf der inzwischen völlig breit getrampelten Home Invasion-Spielwiese sollte man schon ein paar seltene Innovations-Pflänzchen setzten, oder wenigstens ein post-modernes Düngemittel untermischen, ansonsten herrscht bald großflächige, narrative Ödnis. Gärtner-Novize Rafa Martinez muss an seinem grünen Genre-Daumen noch gewaltig arbeiten, denn mehr als ausbaufähige Hobby-Gärtnerei hat er leider nicht zu bieten.
„Sweet Home" ist ein 08/15-Horror-"Reißer" wie er formelhafter, vorhersehbarer und damit belangloser nicht sein könnte. Optisch sieht das von den Produzenten einiger „Rec"-Sequels gestemmte Debut des Spaniers Martinez schick und stylisch aus. Das zur tödlichen Falle mutierende alte Wohnhaus im Zentrum Barcelonas wird im atmosphärischen, gelb-braunen Sepia-Düsterlook präsentiert, das Spiel mit Licht und Schatten ist zweckorientiert. Aber schon bei den Kameraperspektiven schlägt die Deja-vu-Keule zu. Blicke durchs Treppenhaus, durch Schlüssellöcher, in schummrige Winkel und dunkle Keller gehören zum visuellen Standardprogramm.
Das wäre in Ordnung, wenn der Plot wenigstens ein bis zwei Haken schlagen würde, er muss ja nicht gleich doppelbödig, innovativ, oder gar Meta-kapriziös daher kommen. Leider ist die Geschichte um das in einem abgeriegelten Wohnblock gefangene Pärchen Alicia (Ingrid García Jonsson) und Simon (Bruno Sevilla) aus dem Terror-Baukasten für Genre-Anfänger. Frische Ideen, pfiffige Einfälle, gewagte Schlenker, alles Fehlanzeige. Nachdem gut 20 Minuten beinahe ereignislos verstreichen, darf man einer hundertfach gesehenen Terror-Thriller-Chose zusehen, bei der beide Seiten Federn lassen müssen, bis ein vermummter Superkiller auftaucht, der die Gewaltschraube ordentlich anzieht und vor dem es scheinbar kein Entrinnen gibt.
Spannung kommt dabei praktisch keine auf, da erstens die Teilnehmerzahl arg übersichtlich ist, zweitens deren Vorgehen sämtlichen Klischees entspricht und drittens mehrere Logik-Klöpse ins eh schon morsche Plot-Gebälk schlagen. Martinez versucht dies mit ein paar wenigen, dafür ordentlichen Splatter-Spitzen zu kompensieren, dürfte dabei aber lediglich Gore-Fetischisten ein anerkennendes Grunzen entlocken. Dazu kommt eine enervierende und völlig unmotivierte Langsamkeit des Killers, die wohl als Jason-Hommage gedacht war, aber hier nur als Störfaktor auffällt. Das Ende wartet dann mit einem weiteren Slasher-Zitat auf, das so gar nicht zum zuvor angeschlagenen Ton passen will.
Fazit:
„Sweet Home" ist ein nett photographierter, aber ärgerlich spannungsarmer Horror-Thriller aus dem ohnehin reichlich ausgelutschten Home Invasion-Subgenre. Durchgängig nach Schema F geplottet, dürften hier bestenfalls leidenschaftliche Gattungs-Freaks ihren Spaß haben, zumal es teilweise wenig zimperlich zur Sache geht. Wer nur auf ein wenig Raffinesse hofft, sei ausdrücklich gewarnt. Das spanische Horror-Kino war jedenfalls schon deutlich innovativer, gewitzter und mutiger.