Solino – was Fatih Akin da gedreht hat, erinnert ein klein wenig an Guiseppe Tornatore, der diese melancholischen Reisen von der Kindheit in die Welt der Erwachsenen und wieder zurück meisterhaft beherrscht.
Hier haben wir es mit einer italienischen Gastarbeiterfamilie zu tun, die in den 60ern nach Duisburg kommt und dort nach Anlaufschwierigkeiten tatsächlich mit einer Pizzeria Erfolg hat. Doch der Erfolg hat auch seine Schattenseiten, denn während die Kinder sich schnell anpassen und auch die Sprache lernen, also praktisch integrierte Zugereiste werden, kann sich die Mutter nie mit dem Ruhrpott anfreunden, lernt die Sprache kaum, will eigentlich nur bald wieder zurück, während der Vater sich an seinen Erfolg klammert.
Langsam aber sicher entfaltet Akin vor unseren Augen ein Drama über menschliche Schwächen, über Verpflichtungen und die Erfüllung von Träumen, über Verlust und Vergebung. Während sich die beiden Jungs als junge Männer um ein Mädchen bemühen, der ewige Konkurrenzkampf zwischen dem „Intellektuellen“ (Metschurat) und dem „Robusten“ (Bleibtreu) immer verzweifeltere Formen annimmt, die bei einem Filmfestival zum Eklat führen, muß die Ehefrau schließlich einsehen, daß ihr Mann ihr Hörner aufsetzt – sie wird es ihm nicht verzeihen, er wird es nicht schaffen, sich zu entschuldigen, das Restaurant bleibt schließlich der ewige Vorschub, wenn auch, wie die Schlußszene beweist, es sich um einen Selbstbetrug handelt, längst ist der Laden kein Erfolg mehr.
Der Kern des Films ist und bleibt jedoch die Suche nach den Wurzeln, die der Heimat und die in sich selbst, Italien oder Deutschland, Liebe oder Beruf, Beruf oder Traum oder alles zusammen. Am Ende verbleibt eine versöhnliche Note, wenn bis auf den Vater alle wieder zusammenfinden. Aber den Verlust, das Drama der Jugend, läßt sich nicht totschweigen, ein melancholischer Zug bleibt stets bestehen, auch wenn Gigi wohl doch noch sein Glück finden wird und Giancarlo am Ende nahe dran ist, endlich zu sich zu stehen, ohne seinen Bruder zu beneiden.
Ein gefühlvoller, sanft dramatischer Film, der sich sehr gut in seine Charaktere einfühlen kann und sie uns vorführt, ohne sie zu demontieren. (7,5/10)