Das frisch getraute Ehepaar Deborah und Marcel verbringen ihre Flitterwochen am Genfer See. Doch die unbeschwerte Idylle hält nicht lange. Dubiose Telefonanrufe, ein voyeuristischer Nachbar, sowie ein alter Freund Marcels, welcher aber nach seiner Abwesenheit nix mehr mit ihm zu tun haben möchte, trüben den Hochzeitsurlaub. Denn angeblich hat Suzanne, Marcels Ex-Verlobte Suizid begangen...und Marcel soll für ihren Tod verantwortlich sein.
Mehr darf erstmal nicht verraten werden, denn es sollte klar sein, dass der Film auf ein schönes Finale hinaus läuft, welches in der Tat keineswegs zu enttäuschen vermag.
Romolo Guerrieri (Onkel vom guten Enzo G. Castellari) war zwar kein bekannter italienischer Regisseur, aber Werke wie "Die Klette", "Bewaffnet und gefährlich" oder "Auf verlorenem Posten" sind feine Krimis, welche einen Tick mehr Beachtung verdient hätten. Guerrieri verstand es, Spannung aus minimalen Partikeln zu erzeugen und sie gegen Ende förmlich platzen zu lassen. So auch hier, denn das Finale (mit allen falsch gelegten Fährten) kann definitv überzeugen.
Hier handelt es sich nicht um einen handelsüblichen Schlitzer-Giallo, eher um einen Edelkrimi im Erbschaftsmilieu, aber was dieser Film konkret thematisieren will, wird dem Zuschauer erst gegen Ende klar. Vorher wird er mit allen möglichen Dubiositäten gefüttert, die dem Zuschauer vom eigentlichen Geschehen ablenken sollen - ein tolles Rhythmuselement von Guerrieri.
In den Hauptrollen spielen Jean Sorell, wie immer souverän und dazu absolut passend für die Rolle des Marcel besetzt. Daneben als seine frisch angetraute Ehefrau brilliert Carroll Baker, welche auch für die erotische Note des Films zuständig ist. Die auffälligsten Nebenrollen teilen sich Giallo-Veteran George Hilton, Luigi Pistilli und Ida Galli, welche ihre Parts ebenfalls gelungen meistern. Die dt. Synchronisation peppt die Dialoge dann noch etwas auf, ohne dabei plump zu wirken oder dämliche Kalauer am laufenden Band rauszuhauen.
Die Story steuerte Ernesto Gastaldi bei, eine italienische Institution in Sachen Drehbuchautor. 1968 konnten gewisse Twists auch noch überraschen, ehe sie in den 70ern zum altbewährten Rezept wurden. Die wunderschöne Musik stammte von Nora Orlandi, ebenfalls keine Unbekannte in ihrem Geschäft. Ihre musikalische Untermalung passt sich der damaligen Zeit, sowie rund um die traumhaft schöne Genfer Atmosphäre an.
Fazit: Eine kleine Frühperle des Genres, welche zwar nicht an die großen Speerspitzen des gelblichen Kriminalfilms heran reicht, aber definitiv gleich in die 2. Reihe gepackt werden darf. 2013 soll der Film endlich eine dt. DVD-Veröffentlichung erfahren - es wird allerhöchste Zeit dafür.