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Noch weit entfernt vom klassischen Giallo mit leichten Parallelen zum Film Noir entwickelte Regisseur Romolo Guerrieri einen klassischen Krimi, den man bereits von Hitchcock in sehr ähnlicher Form einige Jahre zuvor erleben durfte.
Wobei bezüglich des Titels völlig irrelevant ist, ob es sich bei der titelgebenden Deborah um eine weibliche Rundungsausnahme, eine Sumpfkuh oder ein Klappergestell handelt.

Deborah (Carroll Baker) und ihr Mann Marcel (Jean Sorel) befinden sich auf Hochzeitsreise durch Europa gerade in seinem Heimatort Genua, als Marcels früherer Kumpel Philip auftaucht und ihm die Schuld am Suizid seiner Ex Suzanne gibt. Daraufhin mehren sich Anzeichen für einen anstehenden Anschlag. Hat Marcel Suzanne tatsächlich im Stich gelassen oder plant er in Wirklichkeit etwas ganz anderes…?

Von Anfang an stellt sich die Frage, wer von den beiden ein falsches Spiel treibt und ob jemand eventuell mit Komplizen arbeitet, denn auch wenn das Glück des jungen Paares latent in den Vordergrund gerückt wird, gibt es immer wieder gezielte Momente, welche die Fassade bröckelig zeigen. Einige Verläufe sind allerdings zu deutlich erahnbar, da mit unübersehbaren Momenten Hinweise gestreut werden, die selbst ein Anfänger nicht falsch deuten kann. Hier ein verstohlener Blick, ein längeres Zögern, ein Kontakt zu einer dritten Person oder ein Telefon, welche theoretisch überhaupt nicht klingeln dürfte, lassen frühzeitig die Quintessenz in den Mittelpunkt rücken.

Leider ist die Inszenierung nicht allzu straight, da besonders im Mittelteil zu viele Laufzeitstrecker auszumachen sind. Der Besuch in einer Nacktbar spiegelt zwar noch den seinerzeit mutigen Zeitgeist wieder, doch beim minutenlangen Gehopse im Garten oder auf der Tanzfläche eines Beatclubs stellen sich deutliche Längen ein.
Auch stimmt die Chemie zwischen den Hauptdarstellern nicht wirklich, da man den beiden kaum ihre traute Zweisamkeit abnimmt und Carroll Baker nicht unbedingt zu den talentiertesten ihrer Zunft gehört. Auch der merkwürdige Score bietet eine recht krude Mischung, die irgendwo zwischen Psychodelic mit Orgel und Trance-Stimmen, klassischer Orchestermusik und schwülstigem Jazz pendelt.

Obgleich sich nach einiger Zeit ein leichtes Gruselgefühl einstellt und ein paar scheinbar übersinnliche Gegebenheiten in den Vordergrund gerückt werden, so stellt sich doch erst gegen Ende ein wenig Spannung ein, als man nach fast 70 Minuten Vorlauf endlich zur breit gefächerten Auflösung mit doppeltem Boden übergeht. Nur impliziert diese wiederum einige eklatante Logiklöcher und Unwahrscheinlichkeiten, denn da erscheinen manche Pläne im Nachhinein absolut hanebüchen und wahllos.

Zwischenzeitlich ist die Atmosphäre recht nett, einer wie George Hilton wertet das Geschehen darstellerisch auf und ganz am Rande kann man den makellosen Körper der Deborah erspähen, wenn auch zu keiner Zeit explizit. Das alles langt jedoch nicht für einen grandiosen Kriminalfall, denn dieser beinhaltet zu viele Holpersteine und irrationale Verhaltensweisen, während die Geschichte phasenweise zu lahm vorgetragen wird.
Passable Unterhaltung und in einigen Eckpunkten ein Wegbereiter des klassischen Giallo, jedoch ganz weit entfernt von einem Meilenstein.
5,5 von 10

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