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Kein Film hat den Ruf von John Hughes und das Bild des Teeniefilms der 80er so geprägt wie „Breakfast Club“, ein Zeitgeistfilm par excellence.
Während die Konkurrenz sich meist mit Zoten und Flippigkeiten überbieten wollte, wählte Hughes den reduzierten Ansatz: Fünf Schüler müssen gemeinsam neun Stunden lang nachsitzen: Andrew Clark (Emilio Estevez), Sportskanone und Teil des Ringerteams der Schule, Brian Johnson (Anthony Michael Hall), Nerd und Superhirn, John Bender (Judd Nelson), Rebell und Problemkind, Claire Standish (Molly Ringwald), populär und aus reichem Hause, und Allison Reynolds (Ally Sheedy), anscheinend durchgeknallt. Gemeinsam verbringt man den Tag, geeint durch den gemeinsamen Feind und Aufpasser, den Direktor Richard Vernon (Paul Gleason), und kommt sich näher…
Neun Stunden als Handlungszeit, kaum andere Locations als die Schulbibliothek, in der das Quintett nachsitzen muss, und ein überschaubares Figurenensemble, das keine besonderen Fähigkeiten hat und nichts Besonderes erlebt – inmitten der zunehmend schriller werden Teeniefilme der 80er („Der Typ mit dem irren Blick“ und Co. zum Bleistift) ist „Breakfast Club“ wahrhaft reduziert und setzt vor allem auf seine Figuren, ist ganz bewusst nicht als Teeniekomödie angelegt, trotz einzelner witziger Szenen. Doch jeder dieser Momente ist bewusst als Teil des Charakters angelegt, sodass es noch sympathischer ist, wenn Brian beim Kiffen Bluessänger imitiert, John den Rektor verarscht oder die Truppe eine wilde Tanznummer inmitten der Bibliothek hinlegt.

Dabei pickt sich Hughes durchaus bekannte Stereotypen des Genres heraus, benutzt diese aber nur als Startpunkt. Dabei ist Hughes durchaus schlau genug nur damit punkten zu wollen, dass er Klischees widerlegt, sondern er weist mit „Breakfast Club“ durchaus darauf hin, dass Klischees ja auch ihren Ursprung in der Realität haben: Nerds sind für Cheerleaderinnen kaum attraktiv, sportliche Jocks machen die Oberschicht an der Highschool aus usw. Statt hier also ein einfältiges „Die sind eigentlich gar nicht so“ rauszuposaunen fängt Hughes an die Figuren zu psychologisieren und ihre Ähnlichkeiten herauszuarbeiten: Der als kriminell gebrandmarkte Rebell will auf seine Probleme aufmerksam machen, von denen er aber nur auf Nachfrage erzählt, ist laut um häusliche Gewalt zu kompensieren, die „Prinzessin“ ist unsicher sich andauernd wegen des elterlichen Reichtums verantworten zu müssen, der Nerd und der Sportler stehen unter ähnlichem Leistungsdruck, nur auf verschiedenen Gebieten, und das „Bullying“ schwächerer Mitschüler ist nicht der Bosheit des Jocks verschuldet, sondern Erwartungshaltungen – sowohl von der Clique als auch von den Eltern. Doch nicht nur das, Andrew bedauert sogar diesem Gruppenzwang nachgegeben zu haben – ein Ansatz, den die wenigsten Teenfilme dieser Zeit wählten.
Ein gemeinsamer Nenner aller Figuren ist die Ablehnung erwachsener Autoritätsfiguren, egal ob Rektor oder die eigenen Eltern. Bei letzteren reichen die Gründe von Nichtbeachtung durch diese über Grabenkämpfe daheim bis hin zu häuslicher Gewalt – Hughes beleuchtet auch die Schattenseiten des Teenielebens ohne dabei forciert einen auf Drama zu machen, er lädt den Zuschauer ein einfach einen Nachmittag mit den Figuren zu verbringen. Das Ende lässt offen, ob die Jugendlichen irgendwann wie ihre Eltern werden, was sie nicht wollen, aber alle fürchten, und ob am Montag wieder alles so sein wird wie vor dem Samstag. Das Ende gibt sich optimistisch, aber so richtig konnte keiner Claires Prophezeiung, dass am Montag jeder wieder mit seiner Clique abhänge, nicht entkräften.

Auch mit dem nicht bösen, sondern nur fehlgeleiteten Rektor, der ein paar phantastische Szenen mit dem Hausmeister Carl (John Kapelos) hat Hughes eine starke Figur am Start, während die Konstruktion der Geschichte (vor allem in der Rückschau) leider ein paar Schwächen aufweist. Dadurch, dass Hughes Prozesse, die sonst Tage, Wochen oder Monate dauern (Freundschaft schließen, sein Innerstes offenbaren, sich verlieben), auf einen Nachmittag verdichtet, wird der Realismus etwas entkräftet, der eine oder andere Moment wirkt forciert: Gerade John dient als Katalysator, der die Handlung in Schwung bringt, muss dafür aber mit seinem Rebellentum übertreiben – selbst wenn man bedenkt, dass vieles von seinem Gebahren Show ist. Zudem wirkt das Ende da etwas märchenhaft, wenn sich gleich zwei Paare gefunden haben, ein wenig Schminkerei die freakige Allison transformiert haben soll – allein bleibt der Nerd, aber das ist schon irgendwie realistisch. Da Hughes’ Film aber sonst so toll geschrieben ist, kann man diese Defizite schnell unter „suspension of disbelief“ abbuchen.
Judd Nelson muss in seiner Rolle etwas overacten, doch er schafft es dennoch meist glaubwürdig zu bleiben – „Breakfast Club“ war seine dritte Rolle und sein größter Erfolg, ehe er bald in den B-Film abstieg. Molly Ringwald erweist sich abermals als Ikone des Teenfilms, ihrer Leistung in „Sixteen Candles“ ebenbürtig, während Ally Sheedy durchaus sympathisch ist, rollenbedingt aber nicht ganz so gut wegkommt. Emilio Estevez ist recht gut, Paul Gleason phantastisch (mit seinen Rollen in „Breakfast Club“ und „Stirb langsam“ dürfte er das Sinnbild des autoritären Losers der 80er sein) und Anthony Michael Hall sogar noch größer, der hier als Brian eine Leistung zeigt, an die er später nie wieder anknüpfen konnte.

John Hughes Film ist ein gleichzeitig witziges und sentimentales Porträt einer Teenagergeneration, das eben keine große oder spektakuläre Geschichte erzählen will, sondern vor allem durch die präzisen Charakterportraits, die leise Komik und das Spiel mit Klischees glänzt. Gelegentlich wirkt das Geschehen durchaus konstruiert, aber darüber sieht man gern hinweg – zumal der Titelsong „Don’t you forget about me“ von den Simple Minds ein Evergreen ist.

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