Ich würde soweit gehen und behaupten, dass "Der Frühstücksclub" der bedeutenste Teenager-Film, die Betonung liegt auf "Film", aller Zeiten ist und dies auch bleiben wird. "Breakfast-Club" wie dieses Werk von John Hughes im Original heißt, ist oberflächlich gesehen nur erstmal eine weitere Teenie-Komödie. Doch unter dem Deckmantel der Komödie steckt weitaus mehr dahinter. Warum ich die Bedeutung so hoch lege, werde ich im weiteren Verlauf erläutern.
Fünf Teenager wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, müssen Samstag morgen in der Schulbibliothek nachsitzen und unter der Aufsicht von Lehrer Vernon (Paul Gleason) einen Aufsatz mit nicht weniger als tausend Wörter schreiben. Die fünf Teenager gehen zwar alle auf die selbe Schule, kennen sich untereinander jedoch nicht. Die unterschiedlichen Welten von Streber Brian (Anthony Michael Hall), dem Rebell John (Judd Nelson), Sportass Andrew (Emilio Estevez),der Prinzessin Claire (Molly Ringwald) und Außenseiterin Allison (Ally Sheedy) prallen aufeinander. Während zu Beginn des Nachsitzens die Unterschiede zwischen den Charakteren sichtbar werden und die fünf ihre Sicht der jeweils anderen deutlich werden lassen, kommen sie sich durch Provokation, Streit und Auseinandersetzungen allmählich näher. Durch weitere intensive Gespräche wird ihnen allen bewusst, dass sie sehr viel mehr gemeinsam haben als erwartet.
Ob man den Film jetzt nun mag oder nicht, eines kann man ihm nicht absprechen: Dass er so ziemlich das fetteste Intro aller Zeiten hat. Wenn das Universal Logo erscheint und die 12"-Fassung von Simple Mind´s "Don´t You forget about me" aus den Boxen röhrt, bekomme ich jedesmal aufs Neue Gänsehaut und ejakuliere vorzeitig auf die Couch. In den fünf Teenagern dürfte sich jeder irgendwo selbst wieder erkennen (ich sah mich früher als eine Mischung aus Andrew und John, gepaart mit der Intelligenz von Brian...) und anfangs dementsprechend mit seinem Charakter mitfiebern während man mit Sicherheit im Unterbewusstsein über die anderen herablassend denken wird.
Anfangs lebt der Film von dem Kennenlernen der Figuren und der Distanz die sie sich erst einmal selber gegenüber den anderen vier gönnen, was natürlich auch sehr viel humorvolle Passagen ergibt. Vorallem Judd Nelson trumpft mit seinem rebellischen Charakter John dabei auf und sorgt mit seiner explosiven, verletzenden Art, dass hier keinem langweilig wird.
Die Stimmung der "oberflächlichen" Komödie kippt aber im weiteren Filmverlauf um und Elemente eines Dramas bestimmen von nun an das Geschehen, als das Quintett sich näher kommt und über ihre Probleme, Ängste und Sehnsüchte reden. Dabei werden sie mit ihren eigenen Vorurteilen und Zwängen konfrontiert und lernen das Gegenüber schätzen und respektieren.
Dieser Umschwung, dass der Film das komplette Tempo rausnimmt und plötzlich einfühlsam wird und durch psychologische Relevanz fesselt, dürfte nicht jedem gefallen. Der Unterhaltungsfaktor fällt weg und jeder Zuschauer muss (oder sollte) sich damit beschäftigen - denn jeder von uns wird so ähnliche Erfahrungen in seiner Jugend auch gemacht haben.
"Der Frühstücksclub" zeigt auf ganz einfache Art und Weise aber auch effektiv, dass wir uns alle nach außen als Menschen mit Abwehrmechanismus verkleiden (und bei diesem Punkt will ich mal die Jugend-Komponente weglassen) und einfach nur das Produkt unserer Eltern, unseres Umfelds oder dem System sind, in dem wir leben - und doch (fast) alle die gleichen Ängste und Sehnsüchte haben.
Die Message ist einfach: Man sollte Menschen, die anders sind als man selbst, Toleranz entgegenbringen und die Vorurteile in den Schubladen lassen, wo sie auch hingehören. Nicht jeder Mensch kann dem Idealbild entsprechen, dass sich das gesellschaftliche Umfeld wünscht.
Auch wenn "Der Frühstücksclub" dementsprechend klischeehafte Charaktere der 80er Jahre zu bieten hat, bleibt der Film zeitlos - denn diese Probleme und die Suche nach Individualität wird es auch noch in 200 Jahren geben. Vorrausgesetzt, dass sich bis dahin die Menschheit nicht selber in die Luft gesprengt hat. Natürlich ergibt es in Zeiten des Remake-Wahns keinen Sinn, diesen Fall neu aufzurollen. Man könnte höchstens das Ensemble erweitern um einen Emo, einen Computer-Nerd und eine Ritzerin, wenn man es an dieses Jahrhundert anpassen will.
Erwähnenswert ist noch, dass die eigentliche Laufzeit über 150 Minuten betrug und man nicht an das Potential dieses Films glaubte und ihn dann auf die heute 93 Minuten lange Fassung straffte. Unfassbar dabei ist jedoch, dass sämtliches Rohmaterial vernichtet wurde und der einzige, der die komplette Version besaß, nämlich der Regisseur John Hughes, diese "Langfassung" scheinbar bei seinem Tod im Jahr 2009 mit ins Grab nahm. "Die Säge-im-Kopf"-Szene von Bruce Lee´s "Big Boss" lässt grüßen...
Ich denke, ich habe alles gesagt. "Der Frühstücksclub" ist ein zeitloser Klassiker, der erstklassige Unterhaltung bietet und sich im weiteren Filmverlauf als einfühlsamer Genie-Streich entpuppt .
10/10