Review

Breakfast Club (1985)

"Samstag, der 24. März 1984, Shermer High School, Shermer/Illinois, 6 0 0 6 2..." (Brian Johnson)

Immer wenn ich diese ersten Film-Worte höre, werde ich gedanklich derart in die Vergangenheit gerissen, Cassetten, Walkman, YPS-Hefte(!!), konstante Rebellion, ich sehe mich mit 12-14 Jahren, schwarze Erdalschuhcreme in der Hand, die in der flachen, runden "Dose" mit dem seitlichen, kleinen Schieb-Clipverschluss und mit Frosch nebst Krone drauf, versuchte verzweifelt meine braunen Schuhe schwarz zu "cremen" wie es sich für einen "Möchtegerngrufti" eben gehört... erfolgreich...bis der Regen kam...oder meine Mutter. Ich sehe mich mit meinem besten Kumpel hinter der Schule in einem kleinen Mini-Wäldchen die ersten Zigaretten rauchen, das schwarz/weiße "The Cure-Boys Don't cry"- Poster an meiner Kinderzimmerwand, sehe mich wortlautmitschreibend Radiosongs hören, sehe mich nachts unter der Bettdecke mit Taschenlampe Stephen King lesen, gleichzeitig Sisters of Mercy auf dem Kopfhörer und ich frage mich immer warum John Bender (Judd Nelson) nicht später eingeschult wurde, und warum zum Teufel wohnte ich damals nicht in Illinois, wir wären sicher gute Freunde geworden. Dabei war ich gar kein "richtiger" Grufti, hörte ich doch "unauffällig" auch Punk, Peter Gabriel, INXS ...und nicht zuletzt Simple Minds, die mit ihrem Hit-Song "Don't you(forget about me)" diesen Film musikalisch einleiten und auch zumindest bis zur nächsten "Sichtung" hinausbegleiten!

Warum ich das alles erzähle? Wenn es EIN Film schafft mich in diese harte aber dennoch geile Zeit zurückzuversetzen dann ist das der grandiose "Frühstücksclub"! Schon völlig abgegriffene Film-Eintrittskarte zück! In KEINEN anderen Film kann ich mir so sehr hineindenken und -fühlen wie in diesen!

Es ist kurz vor 7Uhr morgens, Shermer Highschool! Der "Schlaukopf" Brian Johnson (Anthony Michael Hall), der "Muskelprotz" Andrew Clark (Emilio Estevez), die "Ausgeflippte" Allison Reynolds (Ally Sheedy), die "Prinzessin" Claaaaiiire Standish (Molly Ringwald) und der "Freak" John Bender (Judd Nelson) treten an zum gemeinsamen Nachsitzen. Schuldirektor Richard "Dick" Vernon (Paul Gleason), der laut Bender die Klamotten von Phil Collins aufträgt, stellt diesen völlig unterschiedlichen Charakteren eine "Nachsitz-Aufgabe":

"Schreibt einen Aufsatz, mit nicht weniger als 1000 Wörtern darüber was Sie denken wer Sie sind!"

"Ist das klar Mr. Bender?!" "Kristallklar!" "Gut, vielleicht werden Sie sich selbst ein bißchen besser kennenlernen, vielleicht bekommen Sie sogar Lust öfter mal nachzusitzen...Streber Johnson: "Wissen Sie Sir, das kann ich gleich beantworten, mit einem klaren Nein, das ist nichts für mich..." "Hinsetzen, Johnson!".. "Danke Sir!"

Doch statt sich dieser Aufgabe zu widmen, fängt John Bender, der Freak und Außenseiter, erstmal an alle zu provozieren und versucht den Anderen ihre "Masken" vom Gesicht zu reißen....bevor sie es bei ihm tun...

"Sportsfreund!"
"Was?!"
"Kommst DU denn mit deinen Eltern klar?"
"Wenn ich JA sage bin ich ein Idiot, oder?"
"Ein Idiot bist du sowieso, aber wenn du sagst du kommst mit deinen Eltern klar, dann bist du auch noch ein Lügner!"

Die Provokationen fruchten recht schnell und schon bald "kämpfen" hier nicht nur alle gegen Bender, sondern auch mit ihren eigenen Vorurteilen, ihrem Erwachsenwerden, ihrem ersten Joint, Elternhäusern, Ängsten, Tränen und ihrer Sicht auf die Dinge des Lebens und nach und nach erfährt man auch warum eigentlich jeder heute zum Nachsitzen antreten musste.

Zunächst aber sorgt Bender dafür das die Feuerschutztür, die eigentlich zwecks der "Nachsitzer-Beaufsichtigung" offen sein sollte, nicht mehr offen bleibt. Er entfernt eine Schraube, die Tür schlägt zu, der Direx kommt und wendet sich zielstrebig an Bender:
"Wieso ist diese Tür zu? Wer hat diese Tür zugemacht?"
"Ich glaube da ist 'ne Schraube rausgefallen."
"Geben sie mir die Schraube, Bender!"
"Ich hab sie aber nicht!"
"Soll ich Sie da hochzerren und die Schraube aus ihnen rausschütteln?"
"Ich hab sie wirklich nicht, Schrauben fallen doch andauernd irgendwo raus, die Welt ist eben nicht perfekt!" ...

Nicht Perfekt scheinbar auch die Welt der 5 Nachsitzer und so entwickelt sich ein sarkastisches, trauriges, rührendes, lustiges und ernstes "Stück Film", welches sich kammerspielartig in fast nur einem Klassenzimmer abspielt. Getragen von teils grandiosen Dialogen, vorzüglich und glaubhaft performenden Darstellern und der schlussendlichen Moral:

"JEDER von uns ist: ein Schlaukopf, ein Muskelprotz, eine Ausgeflippte, ein Prinzessin und ein Freak!"

Die Zahl "6 0 0 6 2" ist nicht nur eine der Postleitzahlen von Illinois sondern steht auch für die Produktnummer des "Arctic Icebreaker" von LEGO, und dieser Film bricht nicht nur das "Ice" sondern ist auch wie die Bausteine unkaputtbar!

"Kreis ZU!"

"Hose hochziehend" zum Fazit kommend und ein letztes Mal das Rebellionsgefühl auskostend, hier meine jahrelang feststehende Grabstein-Inschrift :

"Kaut meine Unterhosen!" ! (John Bender)

Hier kann es nur eine Bewertung geben, zeitlose und immer wieder geniale :

11 von 10 Keramikelefantenlampen

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