Im Lauf der letzten Jahre ist es ja praktisch zu so etwas wie dem guten Ton geworden, dass Hollywood sich jedes Filmes, der aus kinohistorisch eher exotischen Ländern stammt, bemächtigt und ihn in der amerikanischen Version neu dreht. Ganz besonders intensiv wird dies mit japanischen Horrorfilmen getrieben - die Liste der japanisch-amerikanischen Duette ist inzwischen ellenlang. Viele dieser Remakes dürften Fans des Genres enttäuschen bis entnerven - "The Ring", der im Grunde den Anfang dieser Neuverfilmungswelle setzte, bildet da eine positive Ausnahme.
Die Story bleibt im Großen und Ganzen unverändert: Ein Video ist im Umlauf, nach dessen Betrachtung jeder Zuschauer einen Anruf erhält, dass er in sieben Tagen sterben wird. Reporterin Rachel (Naomi Watts), die das Band ebenfalls gesehen hat, will dem Spuk auf den Grund gehen - und deckt eine furchtbare Familientragödie auf.
In tristen, bedrückenden Farben entwirft der Film von Anfang an eine extrem intensive Atmosphäre der Hoffnungslosigkeit, Beklemmung und Angst. Teils elegante Kamerafahrten und raffinierte technische Tricks (so baut Regisseur Gore Verbinski in die Szene, in der das Pferd auf der Fähre in Panik gerät, sekundenbruchteilkurze Schnitte aus dem Ring-Video ein, die so schnell sind, dass man sie nicht bewusst wahrnimmt, um den Zuschauer subtil zu verstören) erhöhen das Gefühl, in einem unausweichlichen Albtraum gefangen zu sein. In Sachen Spannungsaufbau ist "The Ring" also ein Musterbeispiel des modernen Horrorfilms.
Auch die tragische Komponente der Geschichte vermag zu überzeugen. Wenn Rachel nach und nach die schreckliche Geschichte des Mädchens aufdeckt, das nun als Geist auf Rachefeldzug geht, beklemmt das nicht minder als die Handvoll gelungener Schockszenen, die den Film konstant mitreißend halten.
Allerdings hat "The Ring" ein beinahe unumgängliches Problem: Wer das japanische Original "Ringu" kennt, wird mit der US-Version nichts anzufangen wissen. Zu vorhersehbar, zu klischeehaft sind viele der Schockeffekte verändert worden - da tappen Mädchen in Mini-Röcken mit entsetzten Gesichtern durch leere Häuser, in denen von allen Ecken und Enden seltsame Geräusche zu hören sind, oder laufen Frauen rückwärts den Flur entlang, um an der nächsten Ecke gegen eine unerwartete Person zu stoßen. Und wenn am Ende das Geister-Mädchen aus dem Fernseher krabbelt, ist die Grenze der Lächerlichkeit erreicht. In Sachen Grusel und Schock funktionierte das Original, das auch weniger als Horrorfilm denn als unheimlicher Thriller konzipiert war, wesentlich besser.
Doch auch die US-Variante vermag zu packen. Fernseher, die sich von allein zu weißem Rauschen einschalten, oder das Ring-Video mit seinen surrealen, verstörenden Albtraum-Bildern jagen den Puls durchaus in die Höhe. Und wenn die Darsteller weniger chargieren würden und man auf das langweilige bis nervige Motiv des übernatürlich begabten Kindes, das alles besser weiß als die Erwachsenen, verzichtet hätte, hätte "The Ring" vielleicht sogar ein Klassiker werden können. Doch auch mit kleinen Schönheitsfehlern bleibt er einer der effektivsten Angstmacher seines Jahrzehnts.