Wie auch immer er das geschafft hat, irgendwie ist Andreas Schnaas durch Violent Shit zu einer lukrativen Reputation gekommen. Von höheren Weihen möchte man hier nicht reden, aber es ist bei allem Widerwillen doch erstaunlich, wie gut sich der erste gewaltige Schiss der Schnaasnase scheinbar verkauft und dem Gurkengräber vom Elbufer den Karrieregrundstein vor die Füße geschmissen hat.
Scheinbar muss der Streifen dann auch irgendwie nach Italien gekommen und einem wahren Fetischisten des VHS-Direkthorrors in die aufgeregt verschwitzt Hände gefallen sein, zumindest ist das die naheliegendste Erklärung, warum Luigi Pastore seine Regiejungfräulichkeit bereitwillig einem Remake des (nicht besonders drehbuchreichen) Stoffes versprochen und letztlich auch hergegeben hat. Und siehe da: trotz eher mäßigem Filmvergnügens macht Pastore SO EINIGES besser als sein offensichtliche Vorbild aus der Reel Gore - Schmiede.
An dem Grundplot hat sich auch hier nicht viel geändert: Karl the Butcher - hier wohl eher "Carlo Ill Macellaio" - ist auch hier eine von einer sadistischen Mutter fehlbehandelte arme Wurst, der im Kartoffelkeller einkaserniert vom Teufel mit übermenschlichen Kräften und einer ebensolchen Mordslzst ausgestattet wird, um sich zu rächen. Besagter Teufel paktiert im Film übrigens auch mit einem machtbesessenen Politiker, der wiederrum Kontakt zu einem dekadenten Historiker und Okkultusten pflegt, der wiederrum unseren Ofenrostmaskenkiller der Herzen herausbeschworen hat, um sich eines pervers en Vergnügen an Tot und Mordschlag erfreuen zu können, dass der Ehrengast auf einer Party anrichten soll.
Weil Gore und Okkulthorror aber noch nicht genug sind bekommt der Film mit den Polizisten Ebert und Massacessi gleich noch einen leichten Gelbstich, denn Pastore lässt besagte Ermittler im Dunklen tappen und Karls Spuren mehr schlecht als recht nachschleichen. Am Ende laufen von der alten Spiritistin am Anfang, die die Ankunft des Böööööösen durch ein nicht vorhandenes Loch im Mauerwerk der vierten Wand Voraus ahnen will, ganz abgesehen alle Stränge dieser fasrigen Handlung zusammen. Mahlzeit!
Die Urprämisse in einen Giallo umzusetzen hätte schon gereicht. Stattdessen kippt Pastore nun noch politische Schwurbeleien und Atilla den Hunnenkönig als angeblichen Urahnen in den Innereieneibtopf und erwartet, dass die daraufhin kochende Maße sich zu Gold verfestigt. Aber das Maß der Zutaten stimmt leider einfach nicht. Mehr Giallo, weniger Nebenhandlung, fertig ist die Lage. Das Experiment, aus einem urdeutschen Splatterfilm ein Mordballett der alten italienischen Horrorschule zu machen klingt auf dem Papier nämlich recht spannend, aber will auch mit Feingefühl gehandhabt werden. Scheinbar wollte man hier möglichst viele Zuschauer für sich gewinnen und wich deswegen noch beim Dreh von der Experimentierfreudig völlig ab.
Besagter Experimentierfreudig dürften wir dann auch den absolut ätzenden Cameos der als Polizisten agierenden Regisseure Enzo G. Castellari und Luigi Cozzi, die ihr halbe Camoezeit mit dem Anpöbeln jüngerer Kollegen verbringen. Hingegen überzeugt hat mich der Auftritt des Italohorrorstars Giovanni Lombardo Radice, der vom fortschreitenden Alter mit einer Patina des Sinistren überzogen beweist, dass er immer noch eine gute Wahl F]für Genreproduktionen ist und der sich als jemand, der das Genre laut eigenen Aussagen nicht mag mehr als ins Zeug legt. Der Score, den Claudia Simonettis Variante von Goblin vorlegt mäandert in der goldenen Mitte dazwischen, lässt Retroherzeb stellenweise höher schlagen, klingt aber insgesamt doch etwas zu unspektakulär für den Film. Technisch ist der Film auf einem gewissen Standard niveau, nach dem Schnaasi sich damals aber mutmaßlich die Finger geleckt hätte.
Wie soll man das nun bewerten? Ich muss hier leider zweierlei Maß zurate ziehen: einerseits stelle ich fest, dass der Film für Horrorkino anno 2015 eher öde ist, andererseits übertrifft hier der Schüler Pastore seinen Meister Schnaas mit links um einiges und das nicht nur dem Budget, sondern dem Erzählen einer Geschichte sei Dank, die das Original uns mit misslungenstem "Show, don't Tell" vor die verständnislos Füße gespuckt hat. Wenn die bloß nicht so wirr wäre...
"Violent Shit - The Movie" hat das Herz am rechten Fleck und versucht, etwas neues im VS-Universum zu bieten. Leider etwas zu überambitionuert für diese Art Horrorkino. Ich fand die Seherfahrung im Vergleich mit dem Original dennoch durchaus interessant, auch wenn ich zum falschen Publikum gehöre. Also: 5/10 als Horrorfilm, 10/10 als Remake. Das sollte dem Film gerecht werden.