"Raum" beruht auf dem gleichnamigen Roman von Emma Donoghue, der wiederum inspiriert ist vom Schicksal Natascha Kampuschs sowie dem Fall Fritzl. Wer sich also auf diesen Film einlässt, weiß, dass ihn schwer verdauliche Kost erwartet - er ist also nichts für einen unterhaltsamen, entspannten Kinoabend.
Den Roman habe ich vor einiger Zeit angefangen zu lesen, ihn aber (obwohl er gut geschrieben ist) irgendwann beiseite gelegt, weil mir das Dargestellte doch ziemlich an die Nieren ging. Dennoch bereue ich es nicht, mich nun - nach einigem Zögern - auf den Film eingelassen zu haben. Die knapp zwei Stunden Laufzeit nimmt man nicht wahr, denn von Anfang an ist man als Zuschauer ganz nah an den Figuren und wird vollends in ihren Bann gezogen, was dem unglaublich intensiven Spiel von Brie Larson und Jacob Trembley zu verdanken ist.
Der erste Teil des Films ist dem siebenten Jahr der Gefangenschaft von Joy gewidmet und die Handlung setzt mit dem fünften Geburtstag ihres Sohnes Jack ein, der im "Raum" geboren wurde und eben nur diesen Ort kennt. Dass es draußen noch eine andere Welt gibt, hat ihm seine Mutter bewusst nicht erzählt. Irgendwann aber erkennt sie, dass sie ihn mit eben dieser Welt bekanntmachen muss, denn sie hat sich das Ziel gesetzt, ihr eigenes Leben genau wie das ihres Sohnes nicht dem immer unberechenbarer werdenden Entführer "Old Nick" zu überlassen. Die zweite Filmhälfte widmet sich dementsprechend der Flucht sowie dem sich anschließenden An- und Zurechtkommen in der Freiheit.
Regisseur Abrahamson gelingt es, nicht nur die Geschichte der beiden Opfer sowie ihrer Familie mit viel Feingefühl und ohne Voyeurismus zu erzählen, sondern auch einen Film über das Leben an sich und unsere schwierige, widersprüchliche Welt mit ihren vielen Facetten abzuliefern. Irgendwann äußert Jack, dass er und seine Mutter nun in "dieser Welt" (nicht mehr im geschützten "Raum") bis zu ihrem Tod leben werden und ihm dieser Gedanke manchmal Angst macht. Diese Aussage wird wohl für viele Menschen nachvollziehbar sein. Und dennoch ist diese unsere Welt eine, in der zu leben sich (trotz allem) lohnt.
Und ich meine, dass sich die Auseinandersetzung mit der Geschichte von Jack und Joy ebenso lohnt.