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Jack (Jacob Tremblay), ein aufgeweckter kleiner Junge, feiert mit seiner Ma (Brie Lason) seinen 5. Geburtstag. Sie leben im 11 m² großen durch ein Oberlicht beleuchteten Raum, der für Jack die ganze Welt ist. Alles andere ist nur die Fernsehwelt und nicht echt. Jeden Abend muss Jack in den Schrank zum Schlafen, weil dann Old Nick (Sean Bridgers) zu seiner Ma kommt…

„Raum“ basiert auf dem gleichnamigen, 2010 erschienenen Roman von Emma Donoghue, die durch die bekannten österreichischen Kriminalfälle Fritzl und Kampusch zu ihrem Werk inspiriert wurde. Der kleine Jack, aus dessen Sicht die Geschichte konsequent in Buch und Film erzählt wird, ahnt nämlich nicht, dass seine Ma als Teenager von einem älteren Mann gekidnappt wurde und nun schon seit 7 Jahren in einem kleinen Schuppen im Garten des Perversen gefangen gehalten wird. Jack ist das gemeinsame Kind nach täglicher Vergewaltigung durch das Scheusal, welches Mutter Joy nur Old Nick nennt. Ihr kleiner Sohn, dem sie nie die Haare schneidet, weil doch seine Wunderkräfte in ihnen stecken, ist ihr einziger Grund sich nicht umzubringen. Joy tut alles um ihrem Kind eine gewisse Normalität vorzugaukeln und erfindet eine Fantasiewelt außerhalb, aber auch innerhalb ihres beengten Heims. „Guten Morgen Kühlschrank, guten Morgen Tisch, gute Morgen Stuhl 1“. Schon die ganze Situation rührt den Zuschauer zutiefst an, ein Gefühl, das durch zwei herausragende Schauspielerleistungen noch intensiviert wird. Es ist schlicht unglaublich, wie der beim Dreh 8-jährige Jacob Tremblay („Die Schlümpfe 2“ 2013) vor der Kamera agiert als ein Kind für den das Abnormale normal geworden ist, weil es doch nichts anderes kennt. Und dann ist es Brie Larson („21 Jump Street“ 2012, „The Gambler“ 2014) als verzweifelt kämpfende Mutter, welche ihr Kind immer noch stillt und nur ihm zu Liebe die permanente Erniedrigung durch ihren Peiniger erträgt, die den Zuschauer zu Tränen rührt. Sie wird mit dem Oscar, dem Golden Globe, dem British Film Award und diversen anderen Preisen ausgezeichnet.
Regisseur Lenny Abrahamson („Frank“ 2014) gelingt es auf kleinstem Raum wunderbare, intime Bilder in Szene zu setzen, immer aus der Sicht von Jack. Auch später als der Junge seiner Mutter zum ersten Mal das Leben rettet. Denn mit der Flucht aus dem Raum ist die ergreifende Geschichte noch lange nicht zu Ende und schildert die dramatischen Folgen jahrelanger Isolation. (9/10)

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