Kate Winslet spielt eine Schneiderin, die in Europa Karriere gemacht hat und nun in das australische Kaff zurückkehrt, aus dem sie einst verbannt wurde. Sie besucht ihre verwahrloste Mutter, gespielt von Judy Davis, wird im Ort aber recht eisig empfangen, weil sie als Kind einem Mitschüler das Genick gebrochen haben soll. Ihre Stellung verbessert sich, als sie anfängt, für die Dorfbewohner modische Kleider zu nähen, womit sie das verschlafene Nest aber auch schnell in Aufregung versetzt. Den geplanten Rachefeldzug gegen die Dorfbewohner unterbricht sie dann aber, weil sie sich in einen jungen Dörfling, gespielt von Liam Hemsworth, verguckt.
Wenn man der australischen Romanverfilmung nach Vorlage von Rosalie Hams „The Dressmaker“ eines nicht vorwerfen kann, dann, dass es sich bei dem zwar mit einigen Stars besetzten, in Deutschland jedoch nur auf DVD veröffentlichten Film von Jocelyn Moorhouse um einen typischen Schubladenfilm handelt. Es fällt schon schwer genug, das Werk einem Genre klar zuzuordnen. Es beginnt wie ein Rachewestern, wenn die hübsche Fremde an den Ort zurückkehrt, aus dem sie einst verstoßen wurde und dort mit ihren aufreizenden Kleidern die Dorfidylle ordentlich durcheinanderwirbelt. Der skurrile Film mit seinen schrulligen Figuren, der durchgehend den Geist eines Tim Burton atmet, hat aber genauso Züge eines Melodrams.
So wird der unkonventionelle Film mit seiner gleichsam ungewohnten Erzählweise durchaus seine Fans finden, er krankt aber auch daran, dass sich die so unterschiedlichen Ansätze nicht zur Synthese verbinden und „The Dressmaker“ somit stets etwas unrund wirkt. Ein tragischer Todesfall, der am Ende einiger melodramatischer Szenen steht, wird unpassenderweise mit schwarzem Humor quittiert, während sich die anfangs fast zynische Rache-Story zunehmend im Liebes-Drama verliert. Die schrulligen Figuren, so witzig ihre Marotten mitunter auch sind, verhindern zudem den emotionalen Bezug zum Geschehen. Das abrupte Ende steht ebenso symptomatisch für einen nonkonformistischen wie unausgewogenen Film.
Sehenswert ist „The Dressmaker“ mit Einschränkungen dennoch und das nicht nur, weil er mitunter auch auf seine verschrobene Weise sehr sympathisch ist. Der australische Film schwelgt in schönen Bildern, wozu neben der reizvollen Landschaft auch die Mode im Film beiträgt. Zudem wird darstellerisch einiges geboten, vor allem von Kate Winslet, die man so bewusst verführerisch noch nie gesehen hat. Darstellerisches Highlight des Films ist unbestreitbar die Szene, in der Winslet beim wöchentlichen Sportereignis die Spieler mit ihren aufreizenden und figurbetonten Kleidern ablenkt. Daneben gibt es einen herrlich verschrobenen Hugo Weaving zu sehen, eine sehr präsente Judy Davis, die jede Szene an sich reißt und Liam Hemsworth, der als Strahlemann sehr passend besetzt ist. Das alles reicht aber nicht ganz aus, um die zweistündige Laufzeit gänzlich zur Zufriedenheit des Zuschauers zu füllen.
Fazit:
„The Dressmaker“ überzeugt mit einigen vielversprechenden Ansätzen, mit einer guten Optik und starken Darstellern, ist aber auch gleichermaßen ungeschliffen wie unausgewogen und dazu auch sehr gewöhnungsbedürftig erzählt. Ein klassisches Beispiel für einen Film, der sich zu sehr zwischen die Stühle setzt, aber nichtsdestotrotz solide unterhält.
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