Michael Lynch ist ein Gangsterboß vom alten Schlag. Er hat Stil, Charme, Ehre und Erfolg. Sauber arbeiten, niemanden verletzen oder gar töten - das sind seine Prämissen. Mit der Polizei kann er spielen, sie sind ihm einfach nicht gewachsen, wenn auch dicht an den Fersen. Man kennt sich und man respektiert sich.
Zuhause erwarten ihn zwei liebe Kinder, eine Frau und eine Geliebte. Wie gut, daß es sich bei der Geliebten um die Schwester seiner Frau handelt - daß das funktioniert zeigte ja schon anno 1974 "Trio Infernal".
Kevin Spacey brilliert in der Rolle als Michael Lynch. Er spielt den irischen Unterwelthelden dermaßen überzeugend und integer, daß es einem schwer fällt sich ihn in anderen Rollen vorzustellen. Spacey liefert eine perfekte Vorstellung ab - ebenso wie die Riege seiner Freunde und die Polizisten. Typisch irisch sind die Charaktere, die Schauplätze, der Humor, das Milieu - alles erinnert sehr an die typischen Vertreter britischer Filme dieses Genres (Bube Dame König Gras, Snatch) und fügt sich harmonisch ein.
In liebenswerter Weise werden die Komplizen des Michael Lynch dargestellt, die menschliche Seite hinter der Ganovenmaske kommt nicht zu kurz. Das Familienleben wird ausführlich dargestellt, Lynch versäumt es nicht seine Kinder ordentlich zu erziehen.
Einiges erinnert an "Heat", auch hier sind die Gauner der Polizei anfänglich überlegen, auch hier fiebert man mit ihnen mit, wird einem das Menschliche nahe gebracht. Ebenso steuert der ganz gewöhnliche Dieb auf den Supercoup zu, doch das endet überraschender als man denkt.
Die Schauspieler sind allesamt klasse, hervorzuheben sind die beiden Mädels Linda Fiorentino und Helen Baxendale, beide attraktiv und schauspielerisch top. In Nebenrollen sehen wir sogar zwei bekannte deutsche Gesichter: Christoph Waltz und Herbert Knaup als holländische Hehler.
"Ein ganz gewöhnlicher Dieb" ist ein ruhig und trotzdem spannend verlaufender Film mit einem gelungenen Plot, tollem Soundtrack und phantastischen Schauspielern - sehr schade, daß er eher einem Schattendasein im Unbekannten fristet. Für Fans des Genres ein Sahnestück. Spacey in Höchstform - was will man mehr.
(9/10)