Review
von Leimbacher-Mario
The Real Thing... ?
Nur weil die Macher des „The Thing“-Prequels/Remakes sich 2011 in letzter Sekunde doch noch für Monstereffekte aus Pixeln statt für die vielen schon fertigen praktischen Effekte entschieden haben, ist „Harbinger Down“ sozusagen als Ausweichprojekt für diese entstanden - soweit zumindest die landläufige Legende unter Genrefreunden. Ob und inwieweit das stimmt, ob „Harbinger Down“ wirklich nur wortwörtlich B-Ware ist, weiß ich nicht bzw. muss jeder für sich entscheiden. Als großer Carpenter-Fanboy wundert es mich viel mehr, dass ich mir diesen antarktischen Alienterror nicht schon viel früher vor die Nase geschoben habe...
„Harbinger Down“ spielt natürlich vier Ligen unter seinem großen Vorbild. Und meiner Meinung nach sogar auch ein gutes Stück unter dem norwegischen „Dingchen“ von vor ein paar Jahren. Dafür reichen dann einfach nicht die Mittel, nicht die Story, nicht die Darsteller. Letzteres trotz eines noch immer bad assigen Lance Henriksen, der hier zumindest als mehr als nur Plakatwerbung dient. „Harbinger Down“ ist sympathisch und ich will ihn mögen. Mehr sogar. Doch um ihn zu kaufen oder vollkommen weiterzuempfehlen, fehlt einfach etwas. Die Atmosphäre fühlt sich nach Studio an, die Idee ist schlicht platt geklaut und übernommen, die Figuren sind einem recht egal, ein pumpender carpenterseker Score fehlt, wirklich viele Hommagen sucht man vergeblich und unnötig wackelige Kamerarbeit erhöht eher Frust als innere Unruhe und Furcht. Was dann noch bleibt sind die richtig ekligen und tollen Effekte. Doch selbst die sind leider nicht durchgehend handgemacht, abgesehen vom tollen ersten „Angriff“ der aggressiven extraterrestrischen Lebensform, die einem Crewmitglied seltsame „Rohre“ aus dem Rücken wachsen lässt, die dann Eiter, Blut und Wasweissich ausspucken. Das ist schon eine grandiose Szene, die aufhorchen lässt und die Erwartungen etwas zu hoch absiedelt. Vieles was danach kommt liegt aber eher im B-Movie-Schnitt, der ein wenig an Dinger von damals erinnert, wie „DeepStar Six“, „Leviathan“ oder „Octalus“. Nur in liebloser, abgepauster und „hingerotzter“, wenn man es böse sagen will. Die (teilweise) Rückkehr zu handgemachten Effekten, Monstern, Tentakeln und Absonderlichkeiten kann allerdings grundsätzlich nur freundlich begrüßt werden!
Fazit: ein wenig mehr als nur ein Recycle- oder gar Abfall-Produkt. Selbst wenn ich mir ein paar mehr handgemachte Ekeleffekte gewünscht hätte, ist „Harbinger Down“ eine akzeptable Verbeugung vor Carpenters Eisklassiker. Mehr als ein dezentes „Ok“ ist das allerdings doch nicht. Sonst müsste ich lügen und übertreiben. So sehr ich das auch will...