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Die titelgebende Harbinger ist ein alter Krabbenfischer, der in der Beringsee mit seiner bunt gemischten Mannschaft unter dem Kommando von Kapitän Graff (Lance Henriksen) seinem unspektakulären Broterwerb nachgeht. Als eines Tages dessen Nichte Sadie (Camille Balsamo), ihres Zeichens Meeresbiologin, mitsamt einer Kollegin und einem Uni-Professor auftauchen, ist es mit der Ruhe dahin, denn statt die Bewegungen markierter Wale verfolgen zu können, müssen sich die Wissenschaftler an Bord mit einer anderen Spezies auseinandersetzen: Ein aus dem Meer gezogener großer Klumpen Eis beinhaltet eine alte sowjetische Raumsonde, deren nun auftauender Inhalt eine unbekannte Lebensform enthält, die sich rasend schnell auf dem Schiff ausbreitet und seine Besatzung in tödliche Gefahr bringt...

Mit Remakes ist es immer so eine Sache - manchmal arten sie in eine (selten gelungene) Hommage aus, machmal erzählen sie altbekannten Stoff neu (und scheitern dabei kläglich), nur selten jedoch gelingt es, einen erfolgreichen Kinofilm ein weiteres Mal adäquat umzusetzen. Harbinger Down versucht sich dabei an Carpenters 1982er Klassiker Das Ding aus einer anderen Welt, tauscht dabei den Ort des Geschehens (die antarktische Station) gegen einen diesmal schwimmenden Untersatz und läßt die Story von der parasitären Lebensform, die Menschen befällt, ansonsten unverändert.

Leider aber reicht dieser Ansatz bei weitem nicht aus, einen spannenden Film abzuliefern, was in erster Linie an den Darstellern liegt: Kein Einziger lädt zum Mitfiebern ein, die Crew besteht aus mehr oder weniger klischeehaft gezeichneten Figuren (ein Zwei-Meter-Vollbart mit einer Vorliebe für Whisky, ein vorwitziger Afro-Amerikaner oder auch eine nicht mehr ganz taufrische russische Nahkampf-Spezialistin von Typ "Schlampe" inklusive kehligem Akzent), die drei Wissenschaftler sind ohnehin völlig farblos und am ehesten vermag noch Lance Henriksen (Aliens – Die Rückkehr) als erfahrener alter Seebär zu überzeugen - einen prägenden Charakter wie einen MacReady oder einen Dr. Copper sucht man hier vergeblich. Dazu kommt ein kaum variierender Plot, der auf eigene bzw. zusätzliche Ideen komplett verzichtet (obwohl das Schiff als Location an sich hierzu schon einiges hergeben würde) und die bekannte Geschichte fast schon lieblos herunterspult.

Wo also könnte dieses Remake noch Punkte sammeln? Genau, bei den SFX - hierauf hat man vermutlich auch den größten Teil des Budgets verwendet, denn die (erfreulicherweise meist handgemachten) Effekte können an manchen Stellen (als schleimige Masse im Maschinenraum, als aus dem Rücken wachsende Tentakeln) durchaus überzeugen, an (mehrheitlich) anderen Stellen aber wird (vermutlich budgetbedingt) mit Schnellschnitt, Teilansichten und Kamera-Gewackel gearbeitet und die stroboskopartigen roten oder blauen Blitze in der später meist nur für Sekundenbruchteile gezeigten, inzwischen gewachsenen Kreatur hätte man sich sowieso sparen können. Dazu kommen dann noch einige Logiklöcher (wie z.B. der merkwürdige Umstand, daß nur eine Frau - aber kein Mann - in die Bilge steigen kann, oder wieso die parasitäre Lebensform den einen, die bis zur Taille im von ihm verseuchten Wasser stehen, nichts tut, während bei anderen das Bespritzen mit wenigen Tropfen ausreicht), mit denen sich das Drehbuch endgültig das Prädikat "wenig ausgereift" verdient.

Insgesamt gesehen ist Harbinger Down ein innovationsarmes, wenig inspiriertes und daher schwaches Remake, zwar kein völliger Reinfall, jedoch nichts, was eine Zweitsichtung lohnen würde. 4 Punkte.

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