Review

Am Anfang war der Wald, eine Taschenlampe und der Slender Man, ein gesichtloser Typ im schwarzen Anzug, der dem Umherirrenden nicht zu nahe kommen durfte. Mit wenigen Mitteln entstand somit ein Gänsehautspiel, basierend auf einer Internetlegende, welche nun, - wie sollte es auch anders sein, - per Handkamera zum Spielfilm wurde.
Nur leider verbreitet der Gesichtslose kaum Angst und Schrecken.

Das dreiköpfige Reporterteam Sara, Charlie und Milo begleitet eine Räumungsfirma bei der Arbeit, als sie zum Haus der Whitlocks kommen, welche offenbar Hals über Kopf ihr Heim verließen. Beim Stöbern findet Milo im Keller eine Kiste mit Videokassetten und wertet diese aus, als ihm eine gesichtslose Gestalt erscheint, welche ausschließlich durch die Kamera wahrzunehmen ist. Wohin das Trio auch flieht, - der Gegner scheint bereits dort zu sein...

Im Grunde bringt die Erscheinung des dünnen Mannes riesiges Potenzial mit sich, da er weder spricht, noch sich merklich bewegt, sondern nur dasteht. Allenfalls benutzt er einen unsichtbaren Teleporter, was ihn noch ein wenig unberechenbarer erscheinen lässt. Hier indes kommt der Operator viel zu selten zum Zug. In den Videos der Whitlocks taucht er ansatzweise im Garten auf, doch auch später macht er sich vergleichsweise rar und sorgt nur selten für Panik, erst im letzten Drittel schreitet er ein wenig offensiver zur Tat.

Der Grundaufbau der Geschichte gleicht derweil vergleichbaren Pendants wie "Blair Witch Projekt" oder auch "REC". Neugierige Menschen erforschen ein unbekanntes Territorium und schnüffeln in privaten Angelegenheiten, bis der Schrecken durch sie selbst ausgelöst wird und nur schwer bis gar nicht wieder abzuschütteln ist. Die Figurenkonstellation sorgt immerhin für etwas Zündstoff, da einst Sara und Kameramann Milo ein Paar waren, doch nun ist Charlie an seine Stelle getreten, welcher zunächst ein perfides Spiel seitens Milo wittert.
Keine übermäßig sympathischen Figuren, obgleich Milo mit sarkastischen Kommentaren ein wenig auflockert und die übersteigerten Panikattacken zu kleinen Schmunzlern führen.

Auf Dauer machen diverse Abläufe jedoch nicht allzu viel Sinn, da das Trio ständig auf der Flucht ist, jedoch nicht versucht, den Ursprung des Problems zu ergründen. Irgendwann gegen Finale landet man in einer Waldhütte und natürlich ist die Bedrohung nicht verschwunden, wie diverse Kamerawinkel offenbaren.
Obligatorische Materialfehler und kurze Inserts deuten das Böse regelmäßig an, hinzu kommen ruckartige Schwenks, kurze Ausfälle und abgestellte Geräte, während einige fest installierte Überwachungskameras das Filmmaterial ergänzen.
Das ist auf optischer Ebene aushaltbar, zu Beginn jedoch noch recht anstrengend zu verfolgen.

Darstellerisch wird nicht viel abverlangt und ein entsprechend passables Niveau geboten, ein Score ist nicht vorhanden, allerdings könnte die Soundkulisse weitaus effektiver sein, zumal die Bedrohung aus der Stille heraus entsteht, was mit einigen Kontrasten effektiv umzusetzen gewesen wäre. Der Operator wird von Doug Jones verkörpert, der ja mittlerweile fest auf solche körperlichen Kuriositäten abboniert ist, hier jedoch viel zu selten zeigen kann, wie gut er eigentlich in die Rolle der lautlosen Gefahr passt.

Insofern enttäuscht der Stoff aufgrund von wenig spannenden und vor allem kaum innovativen Abläufen. Mal spielt der Hund verrückt, dann die Kamera oder die Archivaufnahmen und zuletzt folgt die fast schon obligatorische Besessenheitstaktik mit null überraschenden Wendungen.

Da wäre im Endeffekt deutlich mehr drin gewesen, doch Regisseur James Moran, welcher bereits bei einigen Episoden "Paranormal Activity" mitmischte, kann seine einschlägigen Erfahrungen kaum effektiv umsetzen, wodurch sich sein erster Langfilm viel zu selten durch spannende Einlagen oder Gänsehautatmosphäre auszeichnet. Ein paar brauchbare Ansätze, jedoch nichts Markantes mit entsprechender Nachwirkung.
Knapp
5 von 10

Details
Ähnliche Filme