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Die chilenische Studentin Ana (Andrea García-Huidobro) hat ein Auslandsstipendium erhalten, was sie mit ein paar Freunden außerhalb der Stadt feiern will. Doch unterwegs dorthin, auf irgendeinem ländlichen Feldweg, versagt zunächst der Motor und kurz danach treffen die fünf jungen Leute (3 Mädels und 2 Burschen) auf ein verängstigtes Mädchen am Wegesrand und ehe sie sich´s versehen, werden sie von zwei finsteren bewaffneten Typen angegriffen, brutal niedergeschlagen und auf eine einsame Farm verschleppt. Dort befindet sich neben Leichen noch eine weitere junge Gefangene, die von einem inzestuösen Trio - jenen beiden Männern und einer sie befehligenden Frau - gefangengehalten werden. Ein mächtiger Kunde hat Interesse an dieser Art Frischfleisch, doch die Studenten geben nicht so schnell auf...

Lang ist die Liste derjenigen, die sich von Tobe Hoopers 1974er Texas Chain Saw Massacre inspirieren lassen haben und den Klassiker nacherzählen, neu verfilmen oder auch nur fortsetzen wollen - mit Sendero reiht sich nun auch ein chilenischer Beitrag ein, der allerdings am unteren Ende der TCM-Klone anzusiedeln ist. Denn bei diesem südamerikanischen Streifen gebricht es schon am Grundsätzlichsten, und das wäre eine wenigstens unauffällige Kamerarbeit - leider aber klebt die Kamera in vielen Szenen viel zu dicht an den Akteuren (und deren Gesichtern) und geizt mit Totalansichten, sodaß es für den Zuschauer schnell unübersichtlich wird; bei Fluchtszenen schneidet die wackelige Bildführung entweder den Kopf oder die Beine ab und auch bei den Innenaufnahmen ist stets nur ein Ausschnitt zu sehen. Dazu kommt ein selbstgemachter Soundtrack, der zum Großteil aus irgendwelchen unpassenden Synthesizer-Samples besteht und die gerade zu sehenden Handlungen kaum unterstützt. Erschwerend hinzu kommt dann noch eine schwache deutsche Synchro, die in Punkto Inhalt und Betonung nur selten den richtigen Ton trifft.

Die jungen Schauspieler, offenbar sämtlichst Laiendarsteller, vermögen auch in kaum einer Szene zu überzeugen - das Schlimmste jedoch sind die von Anfang an riesigen Logiklöcher des miserablen Drehbuchs, die sich dem leidgeprüften Horrorfreund auftun: Mindestens ein halbes Dutzend Mal besteht für die Gefangenen die Möglichkeit, ihre grenzdebilen Wärter zu überwältigen, genutzt werden diese Gelegenheiten aber kaum, und als sie es doch einmal schaffen, verhalten sie sich so dämlich, daß es wehtut: Als es gelingt, einen Verfolger zu zwingen, seine Waffe niederzulegen, wird nicht etwa dessen Waffe ergriffen, sondern einfach davongelaufen, damit der Verfolger dieselbe wieder aufnehmen kann und hinterherkommt... kein Wunder, daß solche Blindgänger schnell wieder eingefangen werden.
Völlig unnatürliche Verhaltensweisen dominieren den ganzen Film: Mittels Schlüssel befreit, schleichen sich die Verbliebenen nicht etwa vorsichtig aus dem Haus, sondern poltern eine Treppe hinunter und haben noch Zeit für eine lautstarke rührselige Abschiedsszene, als ein Verletzter zurückbleiben will, "um die Verfolger möglichst lange aufzuhalten". Das Mädel-Trio wird jedoch schnell gestellt, die in der Mitte kriegt eine Kugel in den Rücken, aber keine von ihnen dreht sich zum Schützen um - wtf? Ein Pick-up wird eilends gestartet, aber die Fahrerin sieht nicht, daß hinten ihr Freund an einem Fleischerhaken dranhängt? Wie kam der überhaupt so schnell aus dem Haus und wurde dort festgemacht? Und in dieser Tonart geht es weiter - inszenatorisch und schnitttechnisch ist Sendero eine einzige Katastrophe...

Der Film verwendet - entsprechend der Vorlage - auch einige wenige Splattereinlagen, die in amateurhaft kurzen Naheinstellungen zwar wenig überzeugend ausfallen, aber zumindest handgemacht sind - das rettet den völlig spannungsfreien, sich selbst jedoch unheimlich ernst nehmenden Streifen aber auch nicht mehr. Purer Dilettantismus, über den man nur den Kopf schütteln kann: 1,49 Punkte.

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