Review

Der Auftragskiller Cat Lee [ Donnie Yen ] ist von seinem Job müde und will aussteigen. Er nimmt einen letzten Auftrag an und trifft dabei auf seinen Erzfeind Wesley Wong [ Jimmy Wong ], mit dem er eine Rechung aus der Vergangenheit offen hat. Als Wesley sich als harte Nuss erweisst, Cat selber auf die Abschussliste eines Killers [ Yu Rong Guang ] gerät und die Polizei ihm mehr und mehr auf die Schliche kommt, greift Cat zum Äußersten...

Yen’s zweite Regiearbeit ist wahrscheinlich die, die am meisten im Blickfeld der Öffentlichkeit stand und deswegen auch am meisten umstritten war. Warum ist offensichtlich, wandert der Film doch auf dem schmalen Grad der Selbstdarstellung und wirkt desöfteren wie eine verfilmte Kleinjungenphantasie. Diese versucht augenscheinlich einen gemeinsamen Schnitt zwischen Wong Kar Wai [ Fallen Angels ] und John Woo [ The Killer ] zu finden, und befindet sich dann auch wirklich mittendrin, ohne aus den jeweilig verschiedenen Erzählformen wirklich einen gemeinsamen Nutzen ziehen zu können.
Das wäre nicht so schlimm, wenn Yen als Regisseur hierbei nicht gnadenlos alles überzeichnet, was ihm in die Hände kommt; seine Inszenierung trifft ganz selten mal ein normales Maß und steigert sich ansonsten öfters in die Sphären einer aufdringlichen Parodie hinein. Gleichzeitig weiss man aber, dass er es bitterernst meint und die Geschichte auch sehr persönlich ist, was ein leicht peinlich berührtes Gefühl beim Zuschauer nicht vermeiden lässt. So geht einem der Film durchaus nahe, allerdings nicht auf wohliger Weise.

Ausserdem passen das Skript und die Regie nicht zusammen; Bey Logan’s Skript abstrahiert, Yen determiniert. Er will etwas Besonderes schaffen und hat dabei nur eine Dutzendgeschichte zur Hand, die sich für eine reine Genregeschichte eignet, aber nicht gleichzeitig für eine Seelentopographie.
Das Drehbuch handelt im Groben mit durchweg bekannten Elementen, ordnet sie sogar in der typischen Reihenfolge an und präsentiert sich als filmlogische Angliederung von Stereotypen. Es sieht vom Individuellen und Zufälligen ab und arbeitet stattdessen mit dem Allgemeinen, dem Notwendigen. Dem Wesentlichen halt.
Gattungsmässige Vorstellungsmerkmale werden zweckbewußt festgehalten. Der Plot ist ebenso offenkundig wie der Ausgang; Ballistic Kiss ist rein von der Struktur bloss das ergänzende Gegenstück zum gleichjährigen Her Name is Cat. Hier wie dort ist dem Killer - gleicher Name ! - in der Vergangenheit Unrecht zugefügt, dass nicht vergessen werden kann und bis in die Gegenwart nachhallt. Die Vergangenheit holt ihn wieder ein, Subjekte des eigen praktizierten Geschäfts wenden sich gegen ihn. Als letzte Hoffnung und gleichzeitig grosse Liebe erweist sich jemand bei der Polizei.

Yen will aber was aussagen, keine Popcorn – Action wie Clarence Ford drehen.
Er trennt sich aber nur sporadisch von allen andern Dingen wie Logik und Realität und von den Nebenumständen wie Zeit und Raum und verbleibt dadurch immer wieder in seiner sattsam gewohnten Rahmenhandlung stecken, wodurch die zeitweilige Aufhebung und Reduktion der Normalität nicht in einer logischen Synthesis wirken kann. Er konzentriert sich nicht auf das Wesentliche und kann den sinnlichen Stoff nicht isolieren, wodurch es im Kontext lächerlich wird:

Sein Killer hat als Beichtvater den Radiomoderator Simon Lui [ Simon Loui ], den er täglich während der Sendung anruft und seine Gedanken erzählt. Er hat einen fortwährenden Albtraum, in dem ihn der Weihnachtsmann mit der Shotgun jagt. Er liefert sich Duelle mit Drogengangs, die zuviel an der Anzahl sind, ihn erledigen zu können. Im Gegenzug nimmt er mit dem zweiten Killer minutenlang seine 5m ² Wohnung auseinander, wobei die Sessel als Deckung durchs Zimmer geschoben werden, dass es eine wahre Freude ist. Und er rechtfertigt seine Taten damit, dass bei einem genauen Blick in die Herzen anderer Leute niemand unschuldig ist.

Eine gefühlsbetonte Vorstellung als Motiv der Aufmerksamkeitseinstellung in allen Ehren, aber besonders die letzte Aussage ist als philosophisches Axiom ein Totschlagargument, was sich die Sache viel zu einfach und naiv macht. Weder die formelle noch die materielle Arbeit kann man trotz seiner intendierten Ernsthaftigkeit auf Dauer Ernst nehmen. So gut einige Einstellungen auch sind, in der Gesamtheit ergibt sich nur ein undefinierbarer Wulst im Blaufilter. Charaktere bleiben kalt oder schlichtweg egal.

Der Film selber ist interessant. Aber nicht auf eine wirklich gute Art im herkömmlichen Sinne. Zuviel gewollt und zuwenig gekonnt. Was man so auch von dem Ford - Film sagen kann.

Details
Ähnliche Filme