Der coolste Praktikant aller Zeiten
"The Intern" ist ein Film, der einen eiskalt treffen kann. Wie bei mir zum Beispiel: als Zeitvertreib im Flugzeug ausgewählt, erfüllte er nicht nur seine Funktion kurzweilig die Zeit über den Wolken zu vertreiben, er ist auch so süß & liebenswert, dass er nur gefallen kann & sogar hängen bleibt. Das kann jedem so passieren & wird auch bei den meisten funktionieren - egal ob im Flugzeug bei einem Mitzwanziger, an einem regnerischen Sonntag bei einem jungen Paar auf der Couch oder als Blindpick einer älteren Oma, die von ihrem Enkel gerade Netflix erklärt bekommt. "Man lernt nie aus" ist universell, ihm sind Alter & Geschlecht egal - er erwärmt einfach nur das Herz & ist eine Liebeserklärung an das Leben, egal ob im Alter oder auf dem Höhepunkt einer stressigen Karriere.
Die Geschichte ist einfach wie genial, habe ich so noch nie gesehen, nicht mal im Ansatz. Eine hippe Start-Up-Internetfirma schreibt ein Praktikum für alte Leute aus, damit man diesen näher kommt, vielleicht eine neue Käuferschicht erreicht & gleichzeitig gute Publicity bekommt. Also bewirbt sich Robert De Niro als rüstiger & unterforderter Rentner & Witwer, wird angenommen & kommt bei der Firmenchefin, zuerst mehr aufgezwungen als recht, als privater Praktikant unter. Nach & nach freunden sich die zwei an & die gestresste Chefin muss erkennen, wie gut ihr die Erfahrung, die Geduld & die Tipps des ehemaligen Telefonbuchverkäufers tun.
Ich sag ja - einfach, aber irgendwie genial. Junge Leute werden durch eine sympathisch & pointiert aufspielende Anne Hathaway samt Internetthema geködert, ältere Semester (& eigentlich alle) durch De Niro, der hier mal nicht wie so oft in den letzten Jahren, einfach nur den Check absahnt & seine Sache runterspielt. Die Legende ist hier so gut wie lange nicht mehr, das Herz des Films & absolute, generationenübergreifende Identifikationsfigur. Zwischen Hathaway & RDN blinkt gerade in den vielen freundschaftlichen, ruhigen Momenten eine ungeahnte Vater-Tochter-Chemie durch, die fasziniert. Allgemein ist das Ensemble an Schauspielern top ausgewählt - eine bunte Mischung aus erfahren & hip, bunt & grau, ruhig & überdreht.
Vielleicht macht es sich der Film manchmal etwas zu einfach in Sachen Charakterbeschreibung & zeigt keine böse Menschen, noch nichtmal wirklich schlechte Eigenschaften, Herausforderungen oder Scheitern, sodass es immer nur bergauf geht & wenig auf dem Spiel steht. Ein Ende, was sich unschön unfertig anfühlt, fast etwas gecheatet, trotz langer Laufzeit, unterstreicht das noch. Von einem unfehlbaren De Niro als Alleskönner & Retter in jeder Not, ganz zu schweigen, sodass es sich insgesamt wie ein nettes Märchen anfühlt - wogegen ich manchmal absolut nichts habe & was zu einer der Feel-Good-Überraschungen seines Kinojahres wurde!
Fazit: grundsympathisches Märchen der Neuzeit, dass vom Start-Up-Hipster bis zu dessen Opa, allen nur gefallen kann. Überrascht positiv & tut der Seele gut - Herausforderung sieht aber anders aus!