Der verwitwete Rentner Ben (Robert De Niro) langweilt sich auf sein Altenteil. Tag ein, Tag aus flaniert er durch die Stadt, die ihm vierzig lehrreiche Jahre lang Arbeitsstätte und Zuhause war, auf der Suche nach neuen Inhalten in seinem Leben. Doch er wird nicht fündig. Da liest er an einer Hausecke die Annonce einer aufstrebenden Modefirma. Man will in den Ruhestand getretene Senioren als Praktikanten einstellen - angeblich um von deren reichhaltigen Erfahrungsschatz zu profitieren. Dass man eigentlich nur deshalb die Anzeige schaltet, um den Ruf des Unternehmens in punkto Soziales etwas aufzupolieren, spielt bald keine Rolle mehr. Denn der nach dem Vorstellungsgespräch in die Truppe aufgenommene siebzigjährige Pensionär mausert sich binnen weniger Tage zum Liebling der gesamten Belegschaft. Nur seiner Chefin, der fleißigen Jules (Anne Hathaway), ist Ben noch nicht aufgefallen. Als sich das jedoch ändert, und sie den beinahe vierzig Jahre älteren Mann näher kennenlernt, entwickelt sich in der Folge eine innige, generationenübergreifende Freundschaft - zum Wohle nicht nur der beiden liebenswerten Charaktere selbst, sondern zum Vorteil der gesamten Firma.
Was sich zunächst nach Kitsch und biederem Hausfrauenfernsehen anhört, entpuppt sich bereits nach wenigen Minuten Spielzeit zu einem überraschend sympathischen Wohlfühlfilm mit großem Herz und genügend Verstand. Was sind alte Menschen wert in einer Welt, die sich immer schneller dreht und in einer Gesellschaft, die so schnelllebig ist, dass kaum Zeit bleibt, darüber zu sinnieren, wohin die Reise geht. Nancy Meyers, dieselbe Dame, die sich vor inzwischen sechzehn Jahren für den erfolgreichsten von einer Frau inszenierten Film überhaupt verantwortlich zeichnete („Was Frauen wollen", 2000), erlaubt sich, ihre Sicht der Dinge filmisch zu präsentieren. Sie nimmt uns mit auf eine beschwingte Fahrt durch die wundervoll eingefangenen Kulissen Brooklyns (die in Wirklichkeit, ganz nebenbei bemerkt, gar nicht so wundervoll sind), um ein flammendes Plädoyer für interessierte Aufgeschlossenheit gegenüber vermeintlich Überholtem zu leisten. Man fühlt förmlich die Ambition der fähigen Chefin auf dem Regiestuhl, dem Publikum mittleren Alters die Augen zu öffnen für eine (Arbeits-)Welt, die nicht mehr ist, für Werte, die einst groß geschrieben wurden und für das berufliche Selbstverständnis einer Generation, die in den kommenden zwei Jahrzehnten aussterben wird. Wem schadet es, einer Frau die Tür aufzuhalten? Sich gepflegt zu kleiden? Oder es mit der Pünktlichkeit sehr genau zu nehmen?
Einfühlsam und leicht melancholisch streift die Kamera durch eine zutiefst lebensbejahende Geschichte, die nur auf den ersten Blick wie eine weitere austauschbare (Rom-)Com im Setting der für derartigen Stoff gern bemühten Ostküsten-Metropole am East River daherkommt. Harmlos, aber nicht bieder, gefühlvoll, aber nicht kitschig entfaltet sich das Plot, wobei zu erwartende Fremdschäm-Augenblicke und moralinsaures Zeigefingerdeuten angenehm verhalten gelingen oder völlig unterbleiben. So vermag es Nancy Meyers, das in massentauglichen Filmen einer solchen Bauart wohl obligatorische retardierende Moment auf eine Weise geschickt in ihre Geschichte unterzuheben, die nicht nur nicht - wie so oft - unangenehm disharmoniert, sondern die Erzählung sinnvoll ergänzt, ja bereichert. Es ist beinahe eine Wohltat, in einem durch und durch auf klassische Erzählmuster setzenden Film, das elegante Ausmanövrieren verbindlicher, und doch Nerv tötender Konventionen zu erleben.
Ein weiteres Labsal stellen die darstellerischen Leistungen des Duos De Niro/ Hathaway dar. Wäre Robert De Niro nicht schon lange Oscarpreisträger, hier gehörte er nominiert. Der Mann spielt nicht, er zaubert. Seine Interpretation des rüstigen Rentners ist so traumhaft sympathisch und doch so bestechend authentisch, dass man sich die Augen reibt und entrückt wünscht, man hätte selbst einen solchen Menschen im engeren Bekanntenkreis. Auch Anne Hathaway liefert eine der ganz großen Vorstellungen des letzten Jahres und unterstreicht damit nachdrücklich ihren berechtigten Anspruch auf das Treppchen der besten Miminnen Hollywoods. Doch auch der Rest der Truppe ließ sich wohl vom Schwung der Sache anstoßen und spielt toll auf beziehungsweise ergänzt gewinnbringend. Nicht zuletzt die inzwischen in die Jahre gekommene Rene Russo.
„The Intern" (zu Deutsch: „Man lernt nie aus") macht Laune. Er ist kein Schenkelklopfer! Aber eine unerwartet lang anhaltende, warme Umarmung. Und obwohl er den Kitsch sanft streift, zeigt er so viel Zuwendung und Herz, dass das nicht weiter schlimm ist. So erlebt selbst der männliche und meist thematisch anders justierte Zuschauer, bei ein wenig Offenheit, vergnügte zwei Stunden und gelangt vielleicht sogar zu der Erkenntnis, dass es auch im zugeknöpften Mainstream bisweilen Filme gibt, die eine faire Chance verdienen. Ob es Robert de Niro ist, dem man hier regelrecht anmerkt, wie sehr er seine Stadt liebt, oder ob es der augenzwinkernde Blick der Regisseurin auf die Wehwehchen des modernen Großstädters sein mag - es ist eine Freude, sich an den Kleinigkeiten und Großtaten dieses Films zu delektieren. Was am Ende zu sagen bleibt und betont werden muss, ist, dass trotz seiner vielen Vorzüge „The Intern" nur eine harmlose Komödie ist, die weder in die Geschichtsbücher eingehen, noch Spartenpublikum vom Hocker reißen wird. Natürlich, der Optimist greift trotzdem zu.