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„Piku“: Zwischen Verdauung und Verantwortung – ein herzerwärmendes Roadmovie

Shoojit Sircars Piku ist eine stille, aber kraftvolle Ode an familiäre Verpflichtung, Eigenwilligkeit und die liebevolle Last der Fürsorge. Mit einem bemerkenswerten Ensemble, angeführt von Deepika Padukone, Amitabh Bachchan und Irrfan Khan, entfaltet sich ein Film, der alltägliche Momente auf ebenso charmante wie tiefgründige Weise einfängt.

Im Zentrum steht Piku Banerjee, gespielt von einer wunderbar zurückhaltenden Deepika Padukone. Sie meistert das schwierige Gleichgewicht zwischen Karrierefrau und pflegender Tochter eines exzentrischen, hypochondrischen Vaters – brillant verkörpert von Amitabh Bachchan. Dieser verwandelt Bhashkor Banerjee, einen Mann, der seine Welt um seinen Darm kreisen lässt, in eine Figur, die man trotz (oder wegen) ihrer nervtötenden Eigenarten ins Herz schließt.

Der Plot verläuft – wie die Beziehung zwischen Vater und Tochter – in wellenförmiger Unruhe. Von ständigen Arztbesuchen, über einen völlig absurden Roadtrip nach Kolkata, bis hin zu tiefen, unausgesprochenen Emotionen, zieht sich ein feines Netz aus Komik, Frustration und Fürsorge durch den Film. Der Humor ist dabei nie plump, sondern wächst aus den Schrullen der Figuren und alltäglichen Konflikten. Dass man über Verdauung so oft lachen und zugleich nachdenken kann, ist selten – und doch gelingt Piku genau das.

Besonders erwähnenswert ist Irrfan Khan als Rana Chaudhary. Seine stille Präsenz bietet dem Film ein dringend benötigtes Gegengewicht zur Dominanz der Banerjees. In seiner lakonischen Art, mit klarem Blick und feiner Ironie, bringt er nicht nur Ruhe in die chaotische Vater-Tochter-Beziehung, sondern auch leise Romantik ins Spiel. Seine Szenen mit Padukone gehören zu den subtilsten Momenten des Films – keine großen Gesten, nur geteilte Blicke und kluge Worte.

Die große Stärke von Piku liegt in seiner Bescheidenheit. Es ist ein Film, der sich Zeit nimmt. Zeit für Gespräche, für Blicke, für Missverständnisse und für das stille Nebeneinander von Frustration und Liebe. Gleichzeitig hätte er in manchen Momenten dramaturgisch etwas straffer sein dürfen; nicht jede Szene trägt gleich stark zur Entwicklung der Figuren oder zur Handlung bei. Dennoch fühlt sich das nie wie Leerlauf an, sondern eher wie das echte Leben – mit all seinen Wiederholungen, kleinen Konflikten und kostbaren Alltagsmomenten.

Am Ende ist Piku ein berührendes Porträt über das Altwerden, das Kümmern, das Loslassen – und über das Fahrradfahren :), wenn endlich alles funktioniert. Der Tod kommt leise, fast wie eine Erlösung – und hinterlässt keine Leere, sondern einen zärtlichen Nachhall. Der Film beweist, dass große Emotionen auch in kleinen Geschichten wohnen können.

Mit starken Darstellern, einem intelligenten Drehbuch und einem stimmigen Ton zwischen Witz und Wehmut ist Piku ein leises, lebensnahes und liebevoll inszeniertes Drama mit komödiantischem Herz.

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