Staffel 2 - 7,5/10
Staffel 2
Wir brauchen Eierstöcke!
In der zweiten Staffel der in seinen besten Momenten messerscharfen und schockierenden Trash-TV-Hinter-den-Kulissen-Satire (?) „UnREAL“ wird das erste Mal ein schwarzer Bachelor vorgestellt - doch das ist bei weitem nicht der einzige „Aufreger“ am künstlich-oft-tödlichen Set von „Everlasting“. Von wilden Affären über handfeste Überraschungen bis zu in Kauf genommenen gebrochenen Knochen und Herzen, von manipulierten Menschen wie Autos, von nackten Tatsachen und dem modernen Amerika - hier ist alles drin... nur keine Romantik oder echte Liebe. Oder doch?! Was ich an dieser Serie und besonders diesem zweiten Jahr faszinierend finde und was ich noch zu kritisieren habe?
ROSE
+ starke, komplizierte und oft ziemlich fiese weibliche (!) Hauptfiguren
+ greift gesellschaftliche, brisante Themen auf
+ entlarvt Trash-TV bzw. treibt es auf die Spitze
+ süßes Paar am Ende
+ spürbar arbeiteten am Script Leute, die selbst mal in solchen Formaten gearbeitet haben
+ immer noch oft genug zwischen Lachen und Verschlucken, Witz und Schock
+ leider ziemlich realistisch glaube ich
+ witzige Sidekicks (der Moderator z.B.)
+ auf deutsche Formate übertragbar
+ kurzweilige Unterhaltung
+ für Fans solcher kritisierten Sendungen schlicht Pflicht
+ entlarvt oft nicht nur das TV und die Macher/Mitarbeiter, sondern unsere ganze scheinheilige Gesellschaft
+ für Fans von „Mad Men“ oder „Revenge“
+ verbindet clever zwei Seiten des modernen Fernsehens
+ überraschend starke Schauspielerinnen
+ Rachel eine sehr interessante, vielschichtige Figur
+ viele hübsche Menschen
+ nicht zu viele, nicht zu lange Folgen
+ starker Cliffhanger
+ Kommentare zu Macht, Gier, Männlichkeit
+ witzige Interpretation der „Rassistin“
+ trifft den Ton solcher Shows perfekt
+ Nebenfiguren bleiben oft blass
+ dunkelste Comedy
RAUSSCHMISS
— Hauptfiguren und viele eklige Charakterzüge können abstossen/nerven; Empathie fällt schwer
— manch ein Thema oder Konflikt wirkt unpassend und reingequetscht; oft auch zu schnell aufgelöst
— wirkt nicht immer allzu realistisch
— nicht ganz so scharf und böse wie in der ersten Staffel
— weckt Interesse am Trash-TV?
— wieder nur eine weitere Staffel „Bachelor/Everlasting“ als Rahmen
— „Kandidaten“ recht lahm
— sehr amerikanisch
— vor allem Quinn oft richtig mies
— Männer eher nur Staffage
— trotz allen schweren Themen und heftigen Tiefschlägen doch irgendwie recht oberflächlich und nebenbei zu gucken
— Rückholaktion des vorangegangen Junggesellen total unnötig
— es könnte mehr Partystimmung aufkommen
— es könnte viel freizügiger sein
— es könnte ruhig noch viel böser und dunkler werden
— schon jetzt (minimale) Abnutzungserscheinungen
Fazit: nicht mehr ganz so bissig und schockierend wie im Premierenjahr - aber „UnReal“ bleibt nicht nur für Trash-TV-Gucker sowie -Kritiker (!) ein lohnenswerter, bitterbös-grinsender Zeitvertreib mit zwei der stärksten, polarisierendsten Frauenfiguren der Serienlandschaft! (7,5/10)