Review
von Leimbacher-Mario
Staffel 3 - 6,5/10
Staffel 3
Rosen, die mehr als nur stechen
Nun ist die „Bachelorette“ dran! In der dritten Staffel von „UnREAL“ tummeln wir uns am (fiktiven) Set der weiblichen Rosenkavalierin und sehen, wie fies und intrigant hier jeder gegen jeden plant, schießt und beißt... Eigentlich geht’s bei der „Bachelorette“ dank deutlich weniger zickigem Geschlecht bzw. den zwanzig Herren meist wesentlich ruhiger und langweiliger zu als beim Bruderformat. Dass das aber nicht zwingend so sein muss, zeigt „UnREAL“ Staffel 3...
Rachel Goldberg und Quinn King - diese beiden famos-düsteren Frauen sind nicht nur auf jedem Poster der Serie, sondern auch eindeutig Herz und Seele der in seinen besten Momenten brillant schwarzhumorige Showbizsatire. Selbst wenn man meinen könnte, dass den beiden Figuren selbst genau diese beiden Dinge fehlen... „UnREAL“ Staffel 3 bietet 10 weitere Folgen, die Shows wie „Bachelor“ oder „Love Is Blind“ gehörig aufs Korn nehmen. Dieses Mal spielt sich das Backstage-Drama wie gesagt während einer Staffel „Bachelorette“ ab - und ist deutlich interessanter als der fake Schmu vor der Kamera. Rachel und Quinn kämpfen mit sich selbst, der Leere und Einsamkeit, alte Sünden sind immer wieder kurz vor'm aufploppen, neue Kandidaten sind verführerisch und abstoßend zu gleich. Gesund ist das alles eigentlich für niemanden - von unseren Hauptfiguren/den Produzenten über die ausgequetschten Kandidaten bis zum amüsierten, danach aber zehn IQ-Punkte dümmeren Publikum. Da hat man absolut kein Mitleid, wenn sich „UnREAL“ auf solche „Guilty Pleasure“-Formate und alle Beteiligten gnadenlos einschiesst. Dennoch läuft „UnREAL“ mittlerweile sowohl seinen dunkelsten Momenten hächelnd hinterher als auch selbst immer öfters in Klischees, Vorurteile und soapiges Drama hinein. Deswegen können auch die Klasse und der Biss der vorangegangenen zwei Jahre deutlich nicht gehalten werden. Und ohne Rachel und Quinn in dieser Form wäre das Ganze sogar selbst für „Bachelor“-„Fans“ längst nicht mehr empfehlenswert und eher öde. Doch diese beiden gleichzeitig hassens- wie liebenswerten, zutiefst kaputten Powerfrauen bleiben eine mutige Ausnahmeerscheinung in der US-Serienlandschaft.
Fazit: „UnREAL“ schafft es nicht mehr seinem „Bachelor(ette)“-Thema allzu viel Neues abzukaufen. Aber seine starken, düsteren, komplexen (und vor allem weiblichen) Figuren schockieren und faszinieren noch immer. Selbst wenn sich auch da das Rad immer an denselben Stellen dreht und aufhängt. (6,5/10)