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Es ist immer ein gewisses Risiko, den Großteil einer Handlung in einem unterirdischen Bunker stattfinden zu lassen, zumal Klaustrophobiker als potenzielle Zuschauer schon mal wegfallen. Die Gebrüder Duffer gestalten die Szenerie einer dreiköpfigen Familie nach dem Ausbruch einer Seuche jedoch überwiegend ansprechend, - dagegen wirkt das letzte Drittel mit kleinen Actioneinlagen fast ein wenig kontraproduktiv.

Ray (Alexander Skarsgård), seine Frau Claire (Andrea Riseborough) und ihre siebenjährige Tochter Zoe (Emily Alyn Lind) haben es scheinbar als einzige Überlebende geschafft, einen rettenden Bombenbunker, nahe der Schule in Kingsville zu erreichen, in dem sie bereits 301 Tage ausharren. Oberhalb gehen die "Atmer" um und eröffnen die Jagd auf alles Menschliche, doch so langsam schwinden die Vorräte und die Einstiegsluke scheint den Angriffen der Feinde kaum länger standzuhalten...

Ohne Vorkenntnisse oder Hintergründe geht es direkt in unterirdische Gefilde, wo einzig und allein das Zusammenspiel des Trios im Vordergrund steht. Vater Ray hält häufig Wache und geht sehr einfühlsam mit seiner Tochter um, verschafft ihr mithilfe hypnoseartiger Bilder Beruhigung und ein wenig Hoffnung auf baldige Normalität, während Mutter Claire ein wenig überbehütend reagiert. Zoes Gefühlswelt wird indes durch eine Puppe zum Ausdruck gebracht, welche gleichermaßen als Freundin fungiert. Nach über 300 Tagen ist es fast schon verwunderlich, wie gesittet die Abläufe vonstatten gehen, denn ein kompletter Lagerkoller wäre diesbezüglich auch nicht unrealistisch.

Derweil ist die Bedrohung weder zu sehen und ein wenig später lediglich zu hören. Ein Periskop dient als Ausguck, Ketten sollen ein Eindringen verhindern, doch nur schrittweise vermitteln kleine Rückblicke, wie es zum Ausbruch der Seuche kam und die Familie es schaffte, den rettenden Bunker zu erreichen.
So sorgt eine diebische Ratte und ein kleiner Brand für größere Probleme, als das, was draußen eventuell umgehen mag und die beklemmende Situation vermag folglich besonders im Mittelteil zu punkten.

Immerhin kommt die einsetzende Action im letzten Drittel nicht mit der Brechstange daher, sondern wird schrittweise gesteigert, was mit einem Twist einhergeht, welcher in seiner schlichten, jedoch unvermittelten Form durchaus zu gefallen weiß.
Weniger ansprechend ist demgegenüber die magere Ausleuchtung, denn über weite Teile sind Gesichtskonturen nur schwer auszumachen und auch Bewegungsabläufe während des viel zu dunkel gehaltenen Finales sind ein wenig anstrengend zu verfolgen.

Darstellerisch wird grundsolide abgeliefert, auch wenn Emily Alyn Lind zuweilen deutlich drüber agiert und dabei etwas zu sehr in den Fokus rückt, wogegen Skarsgård und Riseborough angenehm zurückhaltend und somit weitgehend authentisch auftreten.
Die wenigen Effekte sind passabel in Szene gesetzt, nur sollte man kein übermäßiges Blutvergießen erwarten, womit die FSk16 durchaus konform geht.

Letztlich überzeugt die Erzählung in erster Linie durch atmosphärische Dichte, Spannung gegenüber dem nicht näher Definierten und Protagonisten, deren Schicksal Empathie schüren.
Das letzte Drittel bildet zwar einen merklichen Kontrast gegenüber der eher ruhigen Gangart, dazugehörige Wendungen fügen sich jedoch gut ins Gesamtbild ein.
Die Mischung aus Drama und Leichtkost-Horror dürfte nicht jedem zusagen, - innerhalb des überstrapazierten Zombiegenres bietet derartige Zurückhaltung manchem eine willkommene Abwechslung.
Knapp
7 von 10

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