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Wenn Kinder mit nur einem Elternteil in einem einsam gelegenen Motel leben und arbeiten, weitere soziale Kontakte komplett fehlen und erzieherische Maßnahmen nicht fruchten, wird daraus Norman Bates. Eigentlich. Denn unser titelgebender Antiheld entwickelt ebenfalls früh soziopathische Züge.

John Henley (David Morse) leitet ein heruntergekommenes Motel etwas abseits vom Highway.
Nur selten verirren sich Gäste hierher, während der neunjährige Sohn Ted (Jared Breeze) Zeit mit dem Aufsammeln platt gefahrener Tiere verbringt. Als der ominöse Colby (Rainn Wilson) im Motel strandet, entwickelt Ted eine merkwürdige Beziehung zu dem Mann, welcher noch nicht ahnt, wie durchtrieben der Knabe eigentlich ist...

Regisseur Craig William Macneill lässt es ruhig und unaufgeregt angehen und konzentriert sich lange Zeit auf die isolierte Grundsituation und den eindimensionalen Alltag des Jungen, dem jeglicher Input fehlt, zumal sein Dad stets kurz angebunden ist und augenscheinlich zu wenig Zeit mit ihm verbringt. Dadurch wird rasch nachvollziehbar, wie leicht ein Junge auf dumme Gedanken kommen kann, abseits der Normen handelt und keine alltägliche Wertevorstellung besitzt. Man erfährt zwar keine detaillierten Hintergründe bis zur Gegenwart, erlebt jedoch, wie sich moralische Grenzen immer weiter auflösen.

Zunächst ist es die stille Faszination, wie Dad angefahrenes Wild auseinander nimmt, später wird Ted spielerisch und experimentiert, plant jedoch auch, indem er eine Fallgrube vorbereitet und die wenigen Hotelgäste manipuliert. Zwischenzeitlich keimt auf, dass der junge Heranwachsende eigentlich nur die Nähe zu Gleichaltrigen sucht, was sich am Beispiel einer Planschszene im Pool manifestiert.

Allzu reißerisch darf man sich etwaige Gewaltakte nicht vorstellen, denn diese finden fast ausschließlich im Off statt und erst im letzten Drittel wird ein wenig Blut vergossen. Das letzte Drittel steigert sich konsequent, wobei es durchaus möglich ist, zwei weitere Sequels der geplanten Trilogie folgen zu lassen.

Breeze verkörpert den jungen Gewalttäter großartig und mit wenigen Worten, Morse ist als sein Vater ebenfalls grandios, obgleich seiner Figur etwas mehr Tiefe gut getan hätte. Auch die übrigen Mimen performen mindestens solide. Erwähnenswert ist noch der Score, welcher stets zwischen Melancholie und Unberechenbarkeit schwankt, was die Grundstimmung der Erzählung, als auch der Hauptfigur sehr treffend untermalt.

Das Horrordrama benötigt ein wenig Geduld und Konzentration, sich vollends auf die Figuren einzulassen, denn das gemächliche Erzähltempo und viele ruhige, teils etwas zu lang gezogene Szenen erfordern den einen oder anderen Blick zwischen den Zeilen.
Etwas komprimierter, mutiger und mit etwas mehr Background hätte es eine ausgewogene Studie werden können, - interessant fällt sie zwar aus, doch mitreißend bleibt sie lediglich in Ansätzen.
6,5 von 10

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