Review

Eine hübsche Mexikanerin wird in der Abwesenheit ihrer Eltern überfallen und getötet. Der Saloon wird ausgeraubt; einer der drei Täter entkommt den Schüssen vom Sheriff. Der berüchtigte Kriminelle Chester Conway [ Klaus Kinski ] wird mit blutigen Geldscheinen beim Wechseln in der Bank verhaftet; der nicht koschere Prozess beschliesst den Tod durch Erhängen. Sein Anwalt Jeff Plummer wird von der ehemaligen Geliebten Conways angeheuert und beauftragt wiederum den Kopfgeldjäger Silver [ Gianni Garko ], sich des Falles anzunehmen. Dieser ist auch gerade frei; hat er doch den Eltern der Mexikanerin eine Abfuhr erteilt...

Zur freudigen Überraschung mal ein ausgesprochen Laune machender Italowestern, der über mächtig kurzweiliges Entertainment verfügt und nur durch kleinere Misstöne – kann sich nicht so recht für einen Weg entscheiden - den grossen Sprung verpasst.
Ansonsten ist das Werk schwer unterhaltsam, was vor allem durch die auch spritzige Kombination mit dem Krimi – Genre und seiner daraus folgenden Whodunit – Geschichte hergestellt wird.

Der Beginn deutet auf eine ganz andere Gangart hin; per subjektiver Kamera und entsprechend einschneidender Wirkung wird ein junges Mädchen durchs Fenster beobachtet und dann mit sichtlicher Gier überfallen. Ein Kampf entbrennt, der dem Mädchen das Leben kostet. In dem Ton geht es mit einem blutigen Überfall auf den örtlichen Saloon zwar weiter, wird aber bei der nun folgenden Gerichtsverhandlung ad absurdum geführt. Der Prozess ist sichtlich Schmierenkomödie; sowohl in seinem Verlauf als auch der Inszenierung selber.
Diese rasante Abwechslung von Momenten auferzwungener Identifikation und emotionaler Grausamkeit – wie in einem Giallo - über weitere Tote hin zu einem sichtlich gestellten Affentheater sorgt dann auch erstmal für leichten Verdruss bzw. schlimmen Ahnungen, dass sich die Atmosphäre durch Fahrlässigkeit des Regisseurs weiter ähnlich unstimmig verhalten könnte.

Dem ist nicht so. Zwar sorgt ein mysteriöser Attentäter mit Kapuzenmaske ebenso öfters für Aufruhr wie auch sonstige Spiessgesellen; aber das Sujet selber ist kein wirklich Ernstes und bleibt dann auch dabei. Eher locker und auch durchaus mit humoristischen Zügen aufgelöst; aber nicht um jeden Gag bemüht und auch mit den normalen, üblichen Konsequenzen. Unrecht wird gesühnt und die Gerechtigkeit wieder hergestellt. Also ganz so, wie es die bigotten Bürger der Stadt immer propagieren; nur anders, als sie es sich selber vorgestellt haben. Im Ort wird nämlich Wasser gepredigt und Wein getrunken; jeder der nach aussen hin so Ehrbaren hat eine schmutzige Weste und tut nur so als ob. Rufe nach Moral und Anstand stellen sich nur als schlimmste Beispiele von Doppelmoral dar; der käufliche Silver tut wenigstens was für sein Geld und nimmt dann auch lange nicht jeden Job an.

Die Figur wird natürlich relativ exzentrisch porträtiert: Lässt sich zur Einführung von einem Japaner unter Palmen beim Judo flachlegen – nur um die ständigen Würfe auf die Matte mit einem Fausthieb abzustellen - , trägt eine Geheimwaffe, mit der er nach flapsig - süffisanten Sprüchen auf Gefahren reagiert und lässt auch ansonsten nichts anbrennen; selbst nicht wenn das verlangte „Mister“ vor seinem Namen ausbleibt. Paraderolle für Gianni Garko also, der hier auch schwer sympathisch herüberkommt und durch seine bereitgestellte Identifikation das Geschehen gut verstärkt.
Silver geht mit kriminalistischen Geschick – untersucht Kleidungsstücke und Stiefel der Toten und liesst daraus Schlussfolgerungen heraus – vor und verändert mit neuen Kenntnisssen den Standpunkt des Betrachters; erweitert seine vor allem durch die Anfangsszenen eingeschränkte Perspektive. Wo dort bestimmte Ereignisse ausserhalb unseres Gesichtsfeldes geschahen, wird es nun nach und nach aufgedeckt; durch Silver selber tiefere Einblicke in die Gesamthandlung gegeben.

Ansonsten fällt auch nur der Schreikopf Kinski in seiner wie üblich krakeelenden Rolle auf; der gecastete Rest leistet soweit gute Arbeit, ohne sich gross hervorzuspielen.
Die Suche nach dem Motiv sowie dem wahren Täter unter ihnen ist recht spannend aufbereitet und lässt den mitknobelnden Zuschauer auch hier und da einige Überraschungen und Pointen vorsetzen; quasi Sartana meets Miss Marple.
Das Panoptikum an verdächtigen Personen ist gross und dennoch durch die entsprechende Schärfe der figurellen Konzeption auch übersichtlich; mehrere kommen in Frage, alle hätten sowohl Grund als auch Gelegenheit.
Dabei wird mit Scharfsinn ebenso vorgangen wie mit Bauernschläue und der Waffe in der Hand. Action selber hält sich zurück und wird dann auch nicht zelebriert, aber ist hierbei auch gar nicht mehr nötig.

Bitte mehr von dieser ungewöhnlichen Mixtur, die hervorragend seinen eigenen Reiz entwickelt und dann auch ausspielt.

Details
Ähnliche Filme