Review

Ich kann mir die überschwänglichen Kritiken zu Jin-Roh zum größten Teil einfach nicht erklären.
Was ich zu sehen bekam, war in erster Linie ein zwar absolut brillant gezeichneter Animationsfilm, der aber leider über seine fast volle Länge (immerhin 96 Minuten!) einfach nur langweilt. Das liegt zum einen an den vollkommen überflüssigen, pathetischen Monologen (Pseudo-Zitate aus Rotkäppchen), zum anderen an fehlenden Identifikationsmöglichkeiten bei den Protagonisten. Die Hauptfigur ist zwar in seiner Zerrissenheit noch relativ nachvollziehbar, jedoch reicht der innere Konflikt eben jenes Charakters nicht aus, den Film bis zum (vielleicht) überraschenden Bad-End allein aufrecht zu halten.
Denn das, was der Film nach der anschaulichen Action der ersten Minuten bietet, ist ein halbgarer, langatmiger Politik-Verschwörungsthriller, der mit Protagonisten nervt, welche sich ständig in Selbstmitleid suhlen. Nicht, dass ich was gegen feinfühlige Themen hätte, aber Jin-Roh will scheinbar Empathie für seine Figuren mit der Brechstange erzwingen, indem er allgegenwärtige Niedergeschlagenheit durch die graue Trostlosigkeit seiner Bilder erzeugen will und mit Voice-Over-Märchentexten die eigentliche kindliche Unschuld der jungen Terroristin zu unterstreichen versucht. Ob man allerdings Terroristen das Attribut "pazifistisch" anhaften kann, wie hier getan, finde ich bereits mehr als fragwürdig. Überhaupt versucht Jin-Roh Substanz und Subtilität vorzugaukeln wo es nur geht. Da gibt es Doppelagenten, welche ihre besten Freunde verraten, Militärs und Politiker, die für ihren Machterhalt über Leichen gehen - alles in allem bietet der Film damit leider nix wirklich Neues. Ganz im Gegenteil wirkt das Ganze leider so abgeschmackt, und die Aussage Killer bleibt Killer so billig, dass ich Jin-Roh nur aufgrund seiner großartigen Zeichnungen Freunden des Anime weiterempfehlen kann.

Fazit: 6/10

Details
Ähnliche Filme