Nach seinen beiden Realfilmen „Red Spectacles“ und „Stray Dogs“ schickt Oshii ein weiteres mal die Kerberos ins Rennen. Diesmal in Form eines Animes und auch den Regiestuhl überlässt er diesmal einem anderen und konzentriert sich stattdessen auf das Drehbuch und das Screenplay. Die Ereignisse spielen diesmal vor den beiden Realfilmen, als die Kerberoseinheit noch mehr oder weniger intakt ist und gibt uns so nähere Einblicke in deren Strukturen und die politischen Intrigen die letztendlich zu ihrem Untergang führten. Das die Beziehung zwischen Fuse und dem Mädchen dabei auch nur ein Teil des gigantischen Ränkespiels sind wird dem Zuschauer mit der Zeit schmerzlich klar. Generell könne man das Leitmotiv der Story vielleicht am besten mit dem Wort „Täuschung“ beschreiben. Kaum ein Charakter der wirklich ehrlich ist. Das das ganze dabei nicht gerade auf ein Happy End hinausläuft deuten schon Fuses Träume mehr als deutlich an. Gerade diese und die ständige Verknüpfung mit dem Rotkäppchen Märchen sind es die auch den besonderen Reiz der Geschichte ausmachen. Im Gegensatz zu den beiden oben genannten Realfilmen, bei denen es die Optik und Inszenierung war die mich am meisten fasziniert hat, ist es bei „Jin-Roh“ in der Tat die komplexe und mysteriöse Geschichte die mir am besten gefällt und deren verschiedene Elemente wie Politkrimi, Drama und Romanze gut zusammenarbeiten. Ist man sich am Anfang noch relativ sicher über die Hintergründe und die Personen so zerbröckelt dieses Bild mit der Zeit immer mehr und es tun sich immer neue Twist im Plot auf. Am Ende war dann doch alles anders als es noch am Anfang schien und man ist schon ein wenig entsetzt über die Entwicklungen und vor allem das drastische Ende.
Auch visuell kann der Film mich überzeugen. Besonders die schönen Traumsequenzen mit Fuse, dem Mädchen und den Wölfen hat mir mit ihren interessanten Perspektiven und gut eingesetzten Zeitlupen gefallen.
Die Zeichnungen und Designs sind durchweg von guter Qualität und eher realistisch gehalten. Allerdings sind sie manchmal etwas Detailarm, da gab es zu dieser Zeit schon besseres zu sehen. Das gleiche gilt auch für die Animationen. Sie sind zwar durchweg gut gemacht, aber waren nicht auf der Höhe der Zeit. Besonders aufgefallen ist mir das in dem Freizeitpark auf dem Wolkenkratzer, wo sich wirklich recht wenig bewegt. Grad die vielen Ballons am Himmel, da hätte man mehr machen können. Aber auch ansonsten gibt es einige Szenen wo etwas zu viel Standbilder verwendet wurden. Dafür sind andere wieder recht schön, mit Regen, der in Pfützen prasselt, und solchen Dingen. Auf keinen Fall schlecht, aber eben auch nicht so gut wie es hätte sein können.
Dennoch ist „Jin –Roh“ ein Klasse Film und muss sich nicht hinter den beiden Vorgängern verstecken. Regisseur Hiroyuki Okiura hat gute Arbeit geleistet und einen würdigen Beitrag für Oshiis Kerberos-Universum geliefert. Wem die beiden anderen Filme schon gefallen haben liegt mit diesem hier bestimmt auch nicht verkehrt und wer eher die Animeschiene fährt und von asiatischen Realfilmen nicht soviel hält, der bekommt hier die Gelegenheit einen Blick auf die Geschichte der Kerberoseinheit zu werfen.