Auch wie "Die letzten Glühwürmchen" handelt "Jin-Roh" vom Krieg. Nur in Letzterem nicht direkt, denn er spielt ca. 10 Jahre nach dem 2. Weltkrieg. Zu der Zeit kommt es noch immer zu Aufständen von Regierungsgegnern, die junge Mädchen und Frauen oft als Kuriere von Bomben senden. Auf solch eine Kurierin trifft eines Tages Kazuki Fuse in der Kanalisation bei einer weiteren blutigen und gewaltsamen Demonstration. Fuse gehört einer Spezialeinheit, der Jin-Roh, an. Doch anstatt das junge Mädchen zu erschießen, zögert Fuse solange, bis sie die Bombe vor seinen und den Augen seiner Kollegen zündet. Von seinen Vorgesetzten dann vom Dienst suspendiert, macht sich Fuse mit Hilfe eines Freundes auf die Suche nach der Identität der jungen Kurierin, die sich vor seinen Augen in die Luft gesprengt hat. Bald stößt er auf deren Schwester, mit der er eine seltsame Freundschaft aufbaut. Nach und nach kommt Fuse aber einer Verschwörung auf die Spur, die besagt, Jin-Roh für immer auszuschalten. Und Nichts ist so wie es zu Beginn zu sein scheint.
Ein Anime voller Intrigen, Verrat und Lügen. Was zuerst zu einem Drama mit zwei Hauptcharakteren zu werden scheint, entpuppt sich mit der Zeit immer mehr als gemeines Spiel, bei dem nicht nur die 2 Hauptcharaktere beteiligt sind. Von der ersten Sekunde an fesselt "Jin-Roh" den Zuschauer aufgrund der hervorragenden Zeichnungen und der guten Charakterdarstellung der Protagonisten. Somit entwickelt der Zuschauer auch sehr schnell Gefühle für die einzelnen Personen und es wird für ihn immer schlimmer und unerträglicher, wenn die Lügen nach und nach aufgedeckt werden. Im Verlauf des Films werden immer wieder Parallelen zu Rotkäppchen gezogen, was zunächst etwas unklar ist. Mit zunehmender Lauflänge des Films wird alles etwas durchsichtiger und das Böser-Wolf-und-kleines-Mädchen-Schema wird immer mehr verstärkt, bis hin zum blutigen wie tragischen Ende, in dem dann noch einmal die ganze Qualität dieses Films zum Vorschein kommt.
"Jin-Roh" ist garantiert kein Anime, den man sich mal so nebenbei ansieht. Es sollte nicht der Fehler gemacht werden, dass der Film, in Anbetracht dessen, dass es sich ja nur um einen Zeichentrickfilm handelt, leicht verständlich und verdaulich ist. Ganz im Gegenteil, "Jin-Roh" ist dramatisch von der ersten Sekunde an, wird aber noch tragischer, als langsam aber sicher die ganze Grausamkeit des Lebens offenbart wird. Nicht in Form von Blut oder Gewalt, sondern eben aufgrund der ganzen Lügen und der Verräter, die das Leben mit sich bringt. Daher erfordert der Film auch eine gewisse Reife, die die Zuschauer aufweisen sollten.
Nicht minder packend und mitreißend wie "Die letzten Glühwürmchen" unterhält "Jin-Roh" perfekt, ohne aber nur ansatzweise Richtung Kitsch oder Mainstream abzugleiten. Zwar unterhaltsam und kurzweilig, dennoch garantiert Nichts für Jedermann, sondern nur für Leute, die anspruchsvolle Filme mögen und von solchen gerne zum Nachdenken animiert werden. "Jin-Roh" sollte wirklich jeder gesehen haben, der wirklich Filme mit genialer Handlung mag. 10/10 Punkte