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Kaum eine Monstergeschichte wurde so häufig verfilmt wie Mary Shelleys "Frankenstein", doch bislang wurde der bucklige Assistent Igor, der im Roman gar nicht vorkommt, sträflich vernachlässigt. Ihn mit den titelgebenden Schöpfer auf eine Stufe zu stellen, gleicht zwar beinahe einem Buddy Movie, doch immerhin ergänzen sich Daniel Radcliffe und James McAvoy sehr gut.

Zeit seines Lebens war Igor (Radcliffe) der gepeinigte Clown im Zirkus, der Trapezkünstlerin Lorelei (Jessica Brown Findlay) nach einem Sturz das Leben rettet und dabei auf Victor Frankenstein (McAvoy) trifft. Victor nimmt den jungen Mann bei sich auf und teilt mit ihm das Interesse an der Wissenschaft, insbesondere der Erschaffung künstlichen Lebens. Das Experiment mit einem Schimpansen ging beinahe schief, doch nun will Victor einen künstlichen Menschen erschaffen, was die Freundschaft zwischen ihm und Igor auf eine harte Probe stellt...

Vielleicht hat das Publikum bereits genug vom klassischen Monsterhorror, denn am Startwochenende floppte der Streifen in den US-amerikanischen Kinos gnadenlos. Dabei erinnern einige Mimen und Teile der Inszenierung an die Neuverfilmungen von "Sherlock Holmes", primär das Setting des viktorianischen Englands und einige brachiale Materialschlachten.

An die Vorlage von Shelley hielt man sich indes nur vage, denn mit Lorelei findet ein Love Interest für Igor ein wenig Raum, Victor leidet unterdes unter einem Kindheitstrauma und einer entsprechenden Motivation, zudem kommt ein von strengen moralischen Grundsätzen angetriebener Inspektor (Andrew Scott) ins Spiel, der Victor und sein Schaffen ein für allemal beenden will. Beim Showdown in einer Einrichtung an einer Klippe kommen alle Figuren und wesentlichen Elemente zusammen und auch das Monster ist erstmalig zu sehen.
Entsprechend werden Actionfreunde in den letzten Minuten grundsolide bedient und neben einigen Explosionen kommt es zu einem recht spannenden Kampf, doch davor sind auch weniger spannende Momente auszumachen.

Den Figuren mangelt es deutlich an Tiefe, besonders Igor hätte man ein wenig mehr Hintergrund als den interessanten Ansatz des Zirkusclowns gewünscht. Das Zusammenspiel der Hauptfiguren unterhält zwar, doch manche Nebenfigur hätte es dafür nicht gebraucht.
Statt auf Gänsehautgruseln setzt Regisseur Paul NcGuigan auf Schwerpunkte wie Freundschaft, Loyalität, Misstrauen, Selbstüberschätzung und heimtückische Verhaltensweisen, was ein wenig fahrig anmutet und oftmals vom eigentlichen Fokus ablenkt.

Gegen die Ausstattung ist demgegenüber nichts einzuwenden, die Sets sind klasse gestaltet, die Kamera liefert passable Kost, die wenigen Spezialeffekte vermögen trotz einiger CGI zu überzeugen und auch das Monster schaut final angemessen grobschlächtig aus.
Darstellerisch überzeugt primär Radcliffe, McAvoy performt zeitweise ein wenig drüber, Scott und Brown Findlay liefern gute bis passable Kost ab. Der Score könnte insgesamt ein wenig präsenter sein, spätestens gegen Showdown geht er im Getümmel nahezu unter.

Leicht dürfte es der Streifen bei Genrefans nicht haben, denn in Sachen Horror hat man bereits deutlich bessere Verfilmungen gesehen, während einige Abweichungen vom Roman nicht immer von Vorteil sind. Die Prämisse, die Ereignisse aus Igors Sicht zu schildern, ist zwar durchaus einladend, doch so wirklich wird dieser neue Ansatz nicht genutzt.
Was bleibt, sind 110 Minuten Popkornkino ohne sonderlichen Anspruch, mit einigen Längen als auch recht unterhaltsamen Momenten, was zwar generell eine Sichtung, jedoch nicht unbedingt einen Kinobesuch rechtfertigt.
Knapp
6 von 10

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