Review

kurz angerissen*

„Sie kennen die Geschichte“. Mit diesem einleitenden Satz aus dem Off wird bereits nach Sekunden erkenntlich gemacht, dass es nicht um eine klassische Adaption des – tatsächlich allseits bekannten – Mary-Shelley-Stoffs gehen soll, sondern um eine frische Neuinterpretation. Nichts anderes konnte man von Paul McGuigan erwarten, der aus dem traditionell dynamisch geschnittenen Gangster-Movie-Fach der Guy-Ritchie-Ära stammt und passenderweise zuletzt auch Regiebeiträge zur „Sherlock“-TV-Serie geleistet hat.

„Sie kennen das schon alles, aber wir erzählen es jetzt mal anders“ ist inzwischen allerdings eine Tour, die man selbst schon längst zur alten Masche erklärt hat. Dennoch, der Mythos wird ohne Rücksicht auf Verluste auseinandergenommen und mit zeitgemäßen Versatzstücken präpariert; das in Einzelbildern wirklich schicke Szenenbild verströmt reine Künstlichkeit. Ein unnatürliches Nebeneinander lässt das viktorianische England wie eine artifizielle Scheinwelt voller bunter Farben aussehen, die fast folgerichtig mit knautschigen Verfolgungsjagden durchsetzt ist, stets begleitet vom Showeffekt aufleuchtender Blitze.

Die um Igor zentrierte Erzählperspektive steuert dem drohenden Zugangsverlust glücklicherweise etwas entgegen. Daniel Radcliffe lässt die Hochleistungen aus „Imperium“ und „Swiss Army Man“ bereits andeutungsweise erkennen und bildet gemeinsam mit dem heillos überdrehenden James McAvoy tatsächlich eine interessante Neuinterpretation. Zu wenig jedoch, um die überladene Regiearbeit über das Mittelfeld hinaus zu heben.

*weitere Informationen: siehe Profil

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