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Peter Pan, gespielt von Levi Miller, lebt in einem Waisenhaus, weil seine Mutter ihn bereits als Kleinkind dort abgab. Lediglich ein Brief, der Peter schließlich durch Zufall in die Hände fällt, ist ihm von ihr geblieben. Darin deutet die Mutter an, sie werde den Sohn in dieser oder einer anderen Welt wiedersehen. Dass es sich bei dieser anderen Welt nicht um das Jenseits handelt, erfährt Peter kurze Zeit später, als er von Piraten auf einem fliegenden Schiff nach Nimmerland entführt wird. Dort schürft er unter dem Joch von Blackbeard, gespielt von Hugh Jackman, im Gestein nach Feenstaub. Als Peter feststellt, dass er fliegen kann, wird Blackbeard hellhörig, schließlich soll ihm nach einer Prophezeiung ein ebensolcher Junge den Gar aus machen. Peter wird ins Verlies geworfen, kann von dort aber mit Hilfe eines gewissen James Hook, gespielt von Garrett Hedlund, entkommen.

In einer Zeit, da es vor allem Fortsetzungen bewährter Franchises sind, die im Kino Unsummen einspielen, in denen kaum ein Studio noch auf neue Ideen und riskante Projekte setzt, belebt Hollywood zunehmend auch die Kinderbuch- und Familien-Klassiker wieder, in der Hoffnung, dass sie nun auch die dritte oder schon vierte Generation zu begeistern vermögen. Konnte Kenneth Branaghs Realverfilmung „Cinderella“ im vorigen Jahr eine gute halbe Milliarde Dollar einspielen und vor kurzem auch das „Jungle Book“ an den Kinokassen überzeugen, wird „The Legend of Tarzan“, der in diesen Tagen erscheint, erst noch zeigen müssen, dass der Stoff immer noch zahlendes Publikum in die Lichtspielhäuser zieht. Bei „Pan“ war das offenkundig nicht der Fall, so spielte die 150-Millionen-Dollar-Produktion nicht einmal ihre Kosten ein. Hat der Stoff um den Jungen, der in Nimmerland lebt und nicht erwachsen wird, im Gegensatz zu Mogli aus dem Dschungel, also ausgedient? Nicht unbedingt, denn das schlechte Einspielergebnis könnte auch der eher minderen Qualität des Films geschuldet sein.

Dabei hätte man von Joe Wright, der sich bisher vor allem mit historischen und dramatischen Stoffen einen Namen machen konnte, durchaus mehr erwarten können. Waren seine Filme „Stolz und Vorurteil“, „Abbitte“ oder „Anna Karenina“ opulent und stilvoll bebildert, kann man dies von „Pan“ leider nicht immer behaupten. Die Sets in Nimmerland sind zwar keine Enttäuschung, aber doch wenig fantasievoll. Das kann man leider auch vom gesamten Film behaupten, der sehr strikt auf seinen prall mit CGI gefüllten Showdown zusteuert, welcher dann visuell aber auch nichts bietet, was einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen würde. Überhaupt wirkt trotz des aufgeblähten Budgets vieles allzu mittelmäßig: Die harmlosen, weder witzigen noch packenden Kampfszenen oder die obligatorischen Gags, allein die opulente Ausstattung und der feierliche, stets auffällige Score wissen vollumfänglich zu überzeugen. Damit ist der Film, der immerhin flott erzählt ist und nicht auf der Stelle tritt, der Inbegriff für graues Mittelmaß.

Und wenn Wright sich mal etwas Unkonventionelles einfallen lässt, wirkt es oft ein wenig befremdlich. Das gilt für die erste Szene im Nimmerland, in der das Fußvolk Blackbeard mit dem Nirvana-Song „Smells Like Teen Spirit“ huldigt, die als eine der wenigen aber immerhin Eindruck hinterlässt oder für die Kampfszenen, in denen die tödlich Getroffenen in einer Farbwolke aufgehen. So wird auch aus der wildesten Schlacht ein kindgerechtes Farb-Festival. Insgesamt sind Wrights Versuche, seinem Film etwas Fantasievolles, Kreatives abzugewinnen, denn auch als genau das zu werten: Als Versuche.

Ein weiterer Grund dafür, dass „Pan“ wenig Eindruck hinterlässt, sind die nur punktuell vorhandenen Emotionen. Das ist nicht nur der Handlung geschuldet, bei der nicht immer alles ganz schlüssig zusammenpasst, sondern auch den Figuren, die zu sehr vom Reißbrett konstruiert sind, wenngleich versucht wird, dem Waisenjungen Peter Pan mit dessen verzweifelten Suche nach seiner Mutter einen tragischen Hintergrund zu verleihen. Es harkt aber auch bei den Darstellern ein wenig. Rooney Mara, von der man eigentlich Besseres gewohnt ist, hinterlässt keinen guten Eindruck, Garrett Hedlund fehlt für die Rolle des rustikalen Helden das kernige Charisma und man hat auch schon bessere Kinderdarsteller als den hölzernen Levi Miller gesehen. Einzig der spielfreudige Hugh Jackman hinterlässt als Blackbeard einen bleibenden Eindruck, auch wenn er haarscharf am Overacting agiert.

Fazit:
Es ist nicht alles schlecht, aber auch kaum etwas wirklich gut. Der CGI-überfrachtete Fantasyfilm, dem man sein Budget optisch und vor allem darstellerisch nicht immer ansieht, unterhält dank seines zügigen Erzähltempos zwar solide, bietet aber nur wenig, was einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen würde. Es fehlen Herz und Magie.

47 %

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