Jake Gyllenhaal spielt einen Banker, dessen Ehefrau bei einem Autounfall getötet wird. Diesen Schicksalsschlag kann er kaum verarbeiten, er trauert nicht und redet sich ein, seine Frau nie wirklich geliebt zu haben. Doch damit nicht genug: Er beginnt, Haushaltsgeräte auseinander zu nehmen, seine Schwiegereltern zu verprellen und er schreibt ausschweifende Beschwerdebriefe an die Herstellerfirma eines Süßigkeiten-Automaten. Er entblößt dabei sein Innerstes, was die Frau vom Kundendienst, gespielt von Naomi Watts, offensichtlich tief beeindruckt. Sie ruft ihn nachts an, woraufhin sich eine merkwürdige Beziehung zwischen den beiden entwickelt.
Seit jeher haben es Jake Gyllenhaal offenbar vor allem die düsteren Filme wie „Prisoners“, „Zodiac“ oder „Source Code“ und die wahlweise manischen, psychopathischen oder selbstzerstörerischen Charaktere angetan, wovon seine Auftritte in „Enemy“, „Nightcrawler“ und „Southpaw“ zeugen. Gyllenhaal, dem der Durchbruch mit dem grotesken Sci-fi-Thriller „Donnie Darko“ gelang, kehrt damit gewissermaßen immer wieder zu seinen Wurzeln zurück. Auch „Demolition“ passt in dieses Schema. Gyllenhaal spielt auch hier einen Charakter, den man definitiv nicht als psychologisch gefestigt, als normal oder bieder bezeichnen könnte, sondern einen Mann auf Selbstzerstörungstrip, der in dieser Hinsicht dem Protagonisten aus „Southpaw“ nicht unähnlich ist.
Und Gyllenhaal, der sich in den letzten Jahren ohnehin zur festen Größe im Charakterfach entwickelt hat, macht sich auch in dieser Rolle, die ihm regelrecht auf den Leib geschneidert ist, ausgezeichnet. Als der Protagonist erfährt, dass seine Frau verstorben ist, wirkt er zunächst reserviert, fast emotionslos. Im weiteren Verlauf meistert Gyllenhaal dann einen schmalen Grat: Er spielt seine Figur so distanziert und nüchtern wie nötig, aber doch einfühlsam genug, um Emotionen auf sich zu ziehen. Er sagt mit vollkommener Selbstverständlichkeit und ohne jede Rücksicht auf sein Umfeld, was er gerade denkt, was seine Mitmenschen irritiert und den Zuschauer durchweg amüsiert. Dem Hauptdarsteller glückt dabei zielsicher jede Pointe. Der restliche Cast weiß aber auch zu Gefallen, ist mit Naomi Watts und Chris Cooper zudem namenhaft besetzt. Ein kleines Ausrufezeichen setzt vor allem der junge Judah Lewis als pubertierender Sohn der Dame vom Kundenservice.
Neben dem glänzenden Jake Gyllenhaal ist es aber auch der großartigen Regie von Jean-Marc Vallee geschuldet, dass „Demolition“ durchweg ausgezeichnet unterhält. Der Regisseur, der zuletzt mit „Dallas Buyers Club“ und „Der große Trip - Wild“ überzeugte, erzählt zügig, inszeniert wie gewohnt dynamisch mit Handkamera und beweist ein perfektes Händchen für witzige wie bittere Tragikomik. Selbiges gilt für die Auswahl der Filmmusik, die jederzeit zur gerade vorherrschenden Stimmung passt. So ist das Charakterdrama trotz des sperrigen Themas weder spröde noch langweilig geworden. Die stärksten Szenen sind die, in denen Valee die Erwartungen des Zuschauers gekonnt hinterläuft, in denen er mit einfallsreichen Wendungen überrascht, seinem Film immer wieder eine neue Richtung vorgibt.
So ist „Demolition“ letztendlich das eindrucksvolle Portrait eines Mannes geworden, der bei seiner Trauerbewältigung nicht nur allerhand Gegenstände auseinander nimmt, sondern auch sein gesamtes bisheriges Leben, sein Haus und seine abrupt beendete Ehe. Das passt zum neuen Lebensmotto der Hauptfigur, wonach ein Gegenstand erst komplett in seine Einzelteile zerlegt werden muss, bevor er repariert werden kann. Ein paar Ansätze versickern dabei zwar im Verlauf des sprunghaften Films, so etwa das eigenartige Verhältnis zur Kundendienst-Mitarbeiterin, doch das lässt sich verschmerzen. Selbiges gilt für den etwas unglücklichen Abgang, bei dem der destruktive Charakter allzu plötzlich wieder einen geordneten Lebensweg einschlägt.
Fazit:
„Demolition“ ist eine witzige, jederzeit überraschende Tragi-Komödie über einen Mann, der nach dem Tod seiner Frau sein bisheriges Leben komplett auseinander nimmt. Die großartigen Darsteller und die flotte Inszenierung tun ihr Übriges.
80 %